Mit dem Gewehr auf dem Hochsitz

Serie rund um den Hegering

Mit geübtem Blick sucht Werner Lenting bei der Rundfahrt durch das Revier das Feld ab. Der Mais steht teilweise sehr niedrig, Ein Reh müsste mit Leichtigkeit zu erkennen sein. Nichts zu sehen, befindet der jagdunkundige Beifahrer. Lenting allerdings hat schnell zwei Kitze ausgemacht, die sich zwischen den Reihen ducken.

HEEK/AHAUS

, 07.07.2016, 18:12 Uhr / Lesedauer: 3 min
Werner Lenting legt vom Hochsitz aus an - allerdings nur für ein gestelltes Foto.

Werner Lenting legt vom Hochsitz aus an - allerdings nur für ein gestelltes Foto.

Sie sind uninteressant für den Jäger und Leiter des Hegerings Ahaus-Heek. Doch Böcke zeigen sich an diesem Vormittag nicht. Mit dem Frühjahr wird auch die Bockjagd in den 15 Eigenjagden und 17 Jagdgenossenschaften des Hegerings eröffnet. Werner Lenting ist im Revier Wext 2 in unmittelbarer Nähe seines Hauses unterwegs. 520 Hektar ist es groß, die Hälfte sind Ackerflächen, ein Viertel Grünland und ein Viertel Hecken und Wald. Es gibt zwei hauptamtliche Pächter. „Wir jagen hier mit 16 Personen“, erläutert Lenting. Die meisten wohnen in der Nähe. Zwei Rehe wurden bisher geschossen. Nicht, weil es so wenig Tiere gibt. Sondern, weil in diesem nassen Frühjahr die Jäger später losgingen, das Getreide da schon sehr hoch stand. Viel mehr werden es sowieso nicht werden. „Wir kriegen mehr vors Auto, als wir schießen“, erzählt Lenting.

Kein Abschussplan

Einen Abschussplan gibt es zwar seit einem Jahr in NRW nicht mehr für Rehe. Aber die 16 Jäger im Revier Wext 2 halten sich wie die anderen Jagdgemeinschaften im Hegering weiter daran. „Wenn ich den Bestand zusammenschieße, habe ich kein Rehwild mehr da“, sagt Lenting.

Das erfordert von leidenschaftlichen Jägern durchaus Disziplin. Rund 50 bis 60 Stück Rehwild schätzt Lenting insgesamt für das Revier. Acht bis zehn Böcke werden in jedem Jahr nur geschossen. „Vier dürfen einen guten Bock schießen, vier einen kleinen Bock und acht warten“, sagt er. Verständlich, dass viele Jäger wie er noch in anderen Teilen Deutschlands, häufig im Osten, auf die Jagd gehen.

Laut Gesetz hätten im Mai neben den Böcken auch Schmalrehe, also Rehe, die ein Jahr alt sind, geschossen werden können. „Wenn man so eine Gruppe sieht mit einer Ricke, einem Schmalreh und zwei Kitzen, da langt man nicht so gerne rein.“ Insgesamt achten alle darauf, die schwachen Tiere zu schießen.

Lenting selbst geht schon zur Jagd, seit er denken kann. Als Kind hat er den Vater und den Großvater begleitet. Später hat er dann selbst den Jagdschein gemacht. Drei Gründe nennt er für seine Jagdleidenschaft und spricht dabei auch für alle Mitglieder des Hegerings. Da ist die Gemeinschaft, wie sie beispielsweise bei Treibjagden zu finden ist. „Natürlich geht es auch um das Beutemachen. Diesen Instinkt sollte der Jäger in sich haben“, so Lenting. Und der sportliche Ehrgeiz, eine tolle Trophäe mit nach Hause zu nehmen, sei natürlich auch dabei.

Ein kurzer Halt an einem Maisfeld. Mitten drin zeigt sich eine niedrige Hecke. Hier könnte sich Wild gut verstecken. Daneben ist ein Blühstreifen zu sehen. Lenting erzählt, dass auch die Jäger solche Blühstreifen anlegen, um dem Rehwild Futterpflanzen zu bieten. Die Veränderungen in der Landwirtschaft wirken sich aber auch auf den Wildbestand aus. „Hase und Fasan werden leider immer weniger“, berichtet Lenting. „Früher gab es zwölf Treibjagden zwischen Oktober und Januar. Jetzt sind es nur noch fünf.“ Er nennt die schnellere und intensivere Landwirtschaft als Grund.

Kein Wild in Sicht

Ein paar hundert Meter weiter soll sich ein schwarzer Bock herumtreiben. Auch von ihm ist an diesem Vormittag nichts zu sehen. Nun geht es hinauf auf den Hochsitz. Spinnen, Ameisen und Laub weisen daraufhin, dass hier einige Zeit niemand mehr gesessen hat. In der Ferne am Waldrand, da stecken die Tiere, weiß Lenting. Doch zu sehen ist auch von oben nichts.

Nicht schlimm für den Jäger, auch wenn er sein Gewehr dabei hat und er sich von seinen Revierkollegen das Okay geholt hatte, bei diesem Pressetermin außerhalb der Reihe zu schießen. Anders sähe es aus, wenn es jetzt 7 Uhr morgens oder spät abends wäre und Lenting bereits einige Stunden auf dem Hochsitz verbracht hätte. „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn ich auf dem Hochsitz sitze und sehe kein Wild. Kein Bock. Kein Reh“, sagt er. Dabei geht es ihm nicht um den Jagderfolg. „Wenn ich aber einer Ricke zugesehen habe, die mit ihren zwei Kitzen herumspielt, dann ist alles gut.“

Die Jagdzeiten werden von den Bundesländern gesetzlich geregelt. In Nordrhein-Westfalen dürfen Rehböcke vom 1. Mai bis 15. Januar geschossen werden.
Ricken und Kitze: 1. September bis 15. Januar, Schmalrehe, 1. bis 31. Mai und 1. September bis 15. Januar.
Für Schwarzwild sind die Jagdzeiten von 1. August bis 15. Januar, Frischlinge dürfen ganzjährig erlegt werden. Wildschweine sind in unserer Region allerdings nur vereinzelt zu finden.

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