Zwei mobile Hühnerställe gibt es auf dem Hof Niehues. Der Familienbetrieb setzt dabei auf maximale Transparenz. © Till Goerke
Ahler Wiesenei

Mit Video: Familienbetrieb Niehues setzt auf transparente Hühnerhaltung

Paul Niehues (13) und sein Freund Sebastian Haget (13) haben es gewagt: Mit Hilfe haben sie einen weiteren, mobilen Hühnerstall gebaut. Dabei setzt der Familienbetrieb auf maximale Transparenz.

Es fing mit einem zum Hühnerstall umgebauten Schuppen ganz klein an. Jetzt stehen beim Familienbetrieb Niehues in Ahle zwei mobile Hühnerställe auf der Rasenfläche. Über 400 Hühner tummeln sich auf dem Grün. Dabei setzen die Niehues‘ auf maximale Transparenz. Auch mit Hilfe eines Projektes.

Paul Niehues (13) und sein Freund Sebastian Haget (13) hatten in den vergangenen Wochen alle Hände voll zu tun. Ein mobiler Hühnerstall reichte ihnen nicht aus. Die Nachfrage an den Eiern stieg Woche für Woche. Ein zweites Mobil musste her.

Alle packen mit an

Mit Hilfe von Papa Andre Niehues sowie Freunden und Bekannten werkelten die Jungs die ganzen Sommerferien am zweiten Mobil. Dieses entstand ebenfalls aus einem alten Lkw-Auflieger, ist aber technisch deutlich fortschrittlicher als noch der erste mobile Stall.

So gibt es etwa elektrisch verschließbare Legenester. „Damit die Hühner nicht die Eier vollkoten“, erklärt Paul Niehues. Die Tiere schlafen auf den Stangen im Mobil, das natürlich vom zuständigen Veterinäramt genau unter die Lupe genommen wurde. Zu beanstanden gab es am Ende nichts.

Paul (l.) und Sebastian haben die Sache mit den Hühnern im Griff.
Paul (l.) und Sebastian haben die Sache mit den Hühnern im Griff. © Till Goerke © Till Goerke

Das würde ohnehin nicht zur Philosophie des Familienbetriebes passen, der die Eier und weitere Produkte direkt über eine kleine Verkaufshütte an der Zufahrt zum Hof (Ahle 165) vermarktet.

„Wir wollen mit Vorurteilen aufräumen und den Leuten zeigen, dass auch Hühner aus Nicht-Biohaltung ein gutes Leben haben können“, macht Mama Birgit Niehues deutlich. Denn eine Bio-Haltung ist es auf dem Hof nicht.

Eine artgerecht Haltung

Dafür müsste es zum Beispiel anderes Futtern geben. Und noch viele weitere, strenge Auflagen erfüllt werden. Doch ein Rundgang durch die mobilen Ställe zeigt: Die Tiere haben jede Menge Platz, Beschäftigung und ausreichend Futter sowie Wasser. Und natürlich Freigang. Eine artgerechte Haltung.

Um das auch klar nach außen zu kommunizieren, ist der Familienbetrieb seit einigen Wochen Teilnehmer des Projektes „Die Hütte am Hof“, das ideell vom Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) getragen wird und über die Leader-Region gefördert ist.

Vor der
Vor der „Hütte am Hof“ beim Betrieb Niehues trafen sich kürzlich jene Landwirte aus dem Kreis Borken, die bereits an dem Projekt teilnehmen. © Till Goerke © Till Goerke

An diesem Projekt nehmen aktuell fünf Betriebe aus dem Kreis Borken teil. 16 sollen es – Stand jetzt – einmal werden. WLV-Pressesprecher Stephan Wolfert erklärt: „Keiner der teilnehmenden Betriebe hat etwas zu verbergen. Die Tierhaltung und Landwirtschaft stehen in der Kritik der Öffentlichkeit. Mit dem Projekt wollen wir zeigen, das es auch anders geht.“

Dafür wurde beim Hof Niehues direkt an der Wiese, wo die Hühner gehalten werden, eine überdachte Holzhütte mit Sitzgelegenheit gebaut. Natürlich haben auch da Paul und Sebastian kräftig mitangepackt. „Es ist doch super, wenn das auch noch gefördert wird“, so Andre Niehues.

„Hütte am Hof“ gut angenommen

Gerade an den Wochenenden werde das Angebot rege angenommen. „Hier ist immer was los“, so Paul Niehues. Und sein Freund Sebastian ergänzt: „Wir erklären gerne, was wir hier machen.“ So könne jeder sehen und verstehen, wie eine artgerechte Hühnerhaltung funktioniere.

Genau darum gehe es, das macht auch der WLV-Pressesprecher deutlich. „Wir müssen mit den Leuten ins Gespräch kommen, mit Vorurteilen aufräumen und klar zeigen, was die hiesigen Betriebe leisten und unter welchen Bedingungen.“

An weiteren Ideen mangelt es dem Familienbetrieb Niehues jedenfalls nicht. Anpacken tun sowieso alle. „Das ist hier alles Teamwork“, so Birgit Niehues. Schon jetzt geht der Blick auf das kommende Jahr. Denn nach gut einem Jahr werden die Hühner geschlachtet. Auch das gehöre zur Haltung, so Andre Niehues.

Die Idee: Ein mobiler Schlachter kommt auf den Hof. Das erspart den Tieren Stress. Und was passiert dann mit den Suppenhühnern? Auch die sollen in den Verkauf gehen. So zumindest der Plan. „Wir müssen da noch einiges klären und haben ja auch noch etwas Zeit“, sagt Birgit Niehues mit einem Lachen.

Viel Arbeit für Paul und Sebastian

Perspektivisch könnten womöglich auch weitere Teile des Betriebes, der auf Bullen- und Ferkelmast spezialisiert ist, für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Stichwort Transparenz. „Wir müssen schauen, wo was möglich ist“, so Andre Niehues. Er sei da für alles offen.

So oder so: Für Paul und Sebastian gibt es auch schon jetzt genug zu tun bei über 400 Hühnern. Ställe ausmisten, füttern, Mobile umsetzen, Gras neu einsäen und natürlich das tägliche Einsammeln der Eier. „Es legt aber nicht jedes Huhn jeden Tag ein Ei“, erklärt Paul.

Die Hühner haben in den zwei mobilen Ställen jede Menge Platz.
Die Hühner haben in den zwei mobilen Ställen jede Menge Platz. © Till Goerke © Till Goerke

Und bei all der Arbeit – wobei die Jungs das als Hobby sehen, wie sie sagen – springt für die Beiden natürlich auch eine kleine Taschengeldaufbesserung raus.

Wobei das nur eine untergeordnete Rolle spielt. „Es macht einfach Spaß mit den Tieren und wir können produktiv sein“, bringt es Sebastian auf den Punkt. Playstation und Computer hätten weniger Reiz.

Über den Autor