Nienborger vor Gericht, weil er mit Söhnen auf Sicherheitsleute eingeschlagen haben soll

rnAmtsgericht Ahaus

Hat ein betrunkener Vater seine Söhne und deren Freunde auf den Sicherheitsdienst der Nienborger Kirmes gehetzt? Hat er selbst zugeschlagen? Diese Fragen beschäftigen jetzt das Amtsgericht.

Heek

, 01.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Nienborger Kirmes bot 2017 nicht nur Jubel, Trubel, Heiterkeit. Am Abend des Kirmessonnlags lag auch ein Securitymann mit einer Gehirnerschütterung, Prellungen, Abschürfungen und einer Schnittverletzung am Boden. Am Dienstag hatte die Kirmesschlägerei, an der fast zehn Personen beteiligt waren, ein Nachspiel vor dem Amtsgericht in Ahaus.

Angeklagter schweigt

Ein 57 Jahre alter Nienborger stand als Angeklagter vor dem Richter. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gemeinschaftliche Misshandlung des 27-jährigen Sicherheitsmanns und gefährliche Körperverletzung vor. Der Angeklagte schwieg vor Gericht. Der Sicherheitsmann aber hatte nach eigener Aussage eine klare Erinnerung an den Abend.

Nach seiner Schilderung passierte folgendes: Sein Kollege und er waren in Absprache mit dem Ordnungsamt und den Schaustellern als Kirmesstreife am Autoscooter unterwegs. Kurz vor 20 Uhr wandten sich etwa 14 Jahre alte Jugendliche hilfesuchend an die beiden Sicherheitsleute. Ein älterer Mann belästige sie. Die beiden Sicherheitsleute sprachen den Mann an. „Er war stark alkoholisiert. Er war sehr uneinsichtig, aggressiv und drohte uns“, sagte der 27-Jährige vor Gericht. Als die Sicherheitsleute drohten, die Polizei zu holen, entfernte sich der 57-Jährige. „Für uns war die Situation gegessen“, sagte der Sicherheitsmann.

Angreifer: „Was macht ihr meinen Vater an?“

Nur wenig später aber stürzten sich sechs bis acht junge Männer auf die beiden Sicherheitsleute. „Einer sprang mich direkt an und schrie: ,Was macht ihr meinen Vater an?‘“ Der 27-Jährige ging zu Boden. Am Boden liegend sei er getreten und geschlagen worden. „Der Mann hat mich auch geschlagen, als ich am Boden lag“, sagte der 27-Jährige und zeigte auf den Angeklagten. Sein Verdacht: „Der Mann hat seine Söhne und deren Freunde gegen uns aufgehetzt.“

Der zweite Sicherheitsmann bestätigte im Wesentlichen die Aussage seines Kollegen bis auf einen wichtigen Punkt. Er sagte: „Ich konnte die Angreifer, die sich auf mich gestürzt hatten, mit Pfefferspray abwehren.“ Dann habe er gesehen, dass sein Kollege am Boden lag und jemand auf ihm kniete. Nur: Den 57-jährigen Angeklagten habe er nicht bei dem Opfer gesehen. „Da waren nur junge Männer.“

Als er seinen verletzten Kollegen anschließend in einer nahegelegenen Pizzeria versorgte, sei ihnen ein Zettelchen mit dem Namen des ihnen unbekannten Mannes und seiner Söhne zugesteckt worden. Es habe geheißen: „Die sind hier als Radaubrüder bekannt.“

Gericht will weitere Zeugin vernehmen

Weil die Aussagen der beiden Sicherheitsleute in der zentralen Frage voneinander abwichen, sahen Richter und Staatsanwalt Probleme, die Schuldfrage in der Verhandlung am Dienstag eindeutig zu klären. „Der Vorwurf ist aber keine Kleinigkeit, wir müssen den Sachverhalt weiter aufklären“, sagte der Staatsanwalt.

Der Richter entschied, dass auch die „Pizzafrau“ ermittelt und bei einem späteren Gerichtstermin als Zeugin vernommen werden soll. Möglicherweise wird jetzt auch gegen einen der Söhne des Angeklagten ermittelt, den das Opfer vor Gericht eindeutig als einen der Angreifer identifizierte. Der Staatsanwalt deutete aber auch eine andere mögliche Wendung an: „Wenn es Geständnisse gibt, könnten wir auch über eine Einstellung des Verfahrens unter Auflagen nachdenken.“

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