Niere gespendet

Geschenk, das Leben rettet

Der Anruf kam im Oktober 2014. "Ich möchte dir meine Niere spenden", sagte Maria Elsbernd am Telefon zu ihrer 17 Jahre jüngeren Schwester Gertrud Althaus. Die wartete bereits seit drei Jahren vergeblich auf eine Spenderniere.

HEEK

von Victoria Thünte

, 30.12.2015, 17:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Niere gespendet

Das Verhältnis zwischen den Schwestern Maria Elsbernd (l.) und Gertrud Althaus war immer gut. Deswegen hat sich Elsbernd für einer Nierenspende entschieden.

Althaus leidet unter dem Al-port-Syndrom, einer erblichen Nierenkrankheit. "Die Diagnose habe ich mit 21 bekommen. Seitdem hat es sich immer weiter verschlimmert", sagt die Heekerin. Vor dreieinhalb Jahren fingen beide Nieren an, zu versagen, und Althaus musste zur Dialyse: drei Mal pro Woche, jeweils viereinhalb Stunden lang. Von Anfang an stand sie auf der Warteliste für Spenderorgane. "Aber die Wartezeit beträgt im Durchschnitt acht bis zehn Jahre", sagt sie.

Viele Untersuchungen

Dann entschied sich ihre Schwester zu einer Lebendnierenspende. Althaus Reaktion auf diese Idee war gemischt: "Natürlich habe ich mich gefreut, dass sie auf mich zugekommen ist. Ich habe sie ja nicht darum gebeten. Aber eine Bedingung war, dass zuerst ihre Kinder untersucht werden." Da die Krankheit erblich ist, hätte es nämlich sein können, dass auch Elsbernds Kinder davon betroffen sind. Dann hätte Althaus ihre Niere nicht haben wollen, damit ihre Schwester diese eventuell noch an ihre Kinder spenden kann. Doch alle Tests waren negativ.

Es folgte eine Reihe von Untersuchungen bei der Spenderin: unter anderem Gewebe- und Blutproben, eine Computertomografie (CT) und eine psychologische Untersuchung. "Die wollten alles wissen: Was ich in meiner Kindheit erlebt habe, wie ich in der Schule war und wie das Verhältnis zu meiner Schwester ist und war", erinnert sich Elsbernd. Diese vielen Untersuchungen haben sie zwischenzeitlich an ihrer Entscheidung zweifeln lassen: "Ich habe mal gedacht: ‚Das wird mir zu viel, ich höre auf.' Aber ich hatte ein Ziel und das wollte ich erreichen."

Aus medizinischer Sicht war schnell klar, dass eine Spende möglich wäre. Doch das letzte Wort hat die Ethikkommission in Essen. "Als dann endlich die Zustimmung kam, haben wir direkt einen Termin gemacht. Auf einmal ging alles ganz schnell", sagt Althaus. Am 1. Juli 2015 fand die Transplantation statt. In einer fünfstündigen Operation hat ein Ärzteteam des Transplantationszentrums des Universitätsklinikums Münster Maria Elsbernd eine ihrer Nieren entnommen. Diese wurde gespült und gekühlt, bevor sie Gertrud Althaus in einer weiteren Operation eingesetzt wurde. "Ich hatte immer Angst, aber als wir in der Klinik ankamen sagte eine Krankenschwester: ‚In zwei Wochen werden Sie als zwei gesunde Menschen das Krankenhaus verlassen.' Da war alles klar", sagt Elsbernd.

Keine Beschwerden

Nach nur einer Woche auf der Intensivstation konnten die Schwestern die Klinik verlassen. Im August folgte eine dreiwöchige Kur. Bis heute haben beide keinerlei Beschwerden und auch Komplikationen gab es keine. Althaus wird ihr Leben lang Tabletten nehmen müssen, doch "das ist das kleinere Übel", sagt sie.

Althaus hat immer Organspendeausweise dabei, um sie an ihre Freunde und Bekannte zu verteilen. "Man kann ja auch ankreuzen, dass man nicht spenden möchte. Hauptsache, man hat einen Ausweis." Die Heeker Schwestern betonen, wie einfach die Spende über die Bühne ging. "Jeder sollte sich Gedanken darüber machen. Man kann ja auch selber mal betroffen sein", sagt Althaus. Ihre Schwester ergänzt: "Ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen."

Lesen Sie jetzt