Organist statt Bäcker - Die Ära Bernhard Steinhoff

125 Jahre Kirchenchor

HEEK In wechselhaften und schwierigen Zeiten prägte die Ära Bernhard Steinhoff, Sohn des Bäckers Anton Steinhoff aus Heek, die Geschicke des Kirchenchors nachhaltig - kurzzeitig unterbrochen vom Kriegseinsatz.

10.06.2009, 17:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Steinhoff 1910 als examinierter Küster, Organist und Chorleiter sowie Nachfolger von Franz Lücke die Küsterstelle in Heek antreten konnte, ging für ihn ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Er bezog die ihm zustehende Dienstwohnung "de Kösterie" und gründete dann das Schreibwarengeschäft an der Kirche. Der Chor bestand, als Steinhoff ihn übernahm, nur noch aus Männern. Knaben gehörten nicht mehr dazu. Einige Chorsänger waren zum Kriegsdienst eingezogen worden, so dass der Chor kaum mit mehrstimmigem Gesang dienen konnte. Der Choralgesang "hielt die Stellung". Während seines Kriegsdienstes wurde Bernhard Steinhoff von Rendant Bernhard Münstermann vertreten. Münstermann als altgedienter Choralsänger beherrschte auch das Orgelspiel. Unter seiner Leitung fanden mit dem Chor-Torso regelmäßige Proben statt.

Steinhoff kehrte nach Kriegsende zurück und heiratete am 21. Oktober 1919 Josefine Venhues aus Ahle. In der Nachkriegszeit baute er den Kirchenchor neu auf. Dabei versuchte er immer wieder, einen gemischten Chor für Männer und Knaben einzurichten. Es waren noch reichlich Noten dafür vorhanden. Seine Bemühungen scheiterten jedoch.

Dirigat auf der Kiste

Wie Adolf Gausling (Rossenendkes Adolf), seit 1924 Mitglied des Chors und der Musikkapelle, berichtete, wurde regelmäßig geprobt. Steinhoff, allgemein "de Köste" genannt, bediente sich bei den Proben der besseren Übersicht wegen oft einer Kiste oder eines Stuhles, wenn die Probenarbeiten nicht den gleichzeitigen Einsatz des Harmoniums erforderten. Die Herren der Choralschola erhielten nach der Probe mit dem Gesamtchor noch zusätzlich gesangliche Unterweisung. Sie waren es, die Sonntag für Sonntag im Hochamt ihre Arbeit zu verrichten hatten. Der Gesamtchor durfte sein Können an hohen kirchlichen Festtagen im Hauptgottesdienst und in der Vesper beweisen.

An den Weihnachtsfesten wurde der Chor auch schon mal von einer Instrumentalgruppe begleitet; Chor und Musikkapelle waren zu der Zeit eng miteinander verknüpft. 1930 gab es sogar einen gemeinsamen Ausflug zum Hermannsdenkmal.Blütezeit der 30er Jahre Einigkeit zeigten Chor und Musikkapelle ebenfalls, wenn es um die Vereinskasse ging. Schon in den 20er Jahren wurde mit eigenen Veranstaltungen wie Konzerten, Theaterspiel und Unterhaltungsabenden begonnen. War die Kapelle Veranstalter, dann trat in den Pausen der Chor auf. War es eine Veranstaltung des Chors, mussten die Musiker antreten. Die Musiker veranstalteten zumeist Konzerte, die Chormitglieder widmeten sich der Schauspielerei.

Diese Theaterleidenschaft veranlasste die Zeitung in einem Bericht vom 18. Februar 1936 über das Stück „Rosa von Tannenburg“ zu der Anmerkung, dass man die Schauspieler „einer energischen und fachmännischen Leitung“ unterstellen solle, „um das heimische Theaterwesen noch leistungsfähiger zu gestalten“. Man empfahl, auch mal ein plattdeutsches Stück aufzuführen. Im Januar 1937 gab es das Stück „Söffken von Gievenbeck“. Aber die Zeiten und der folgende Krieg machten der Theaterspielerei bald ein Ende. Die einstmals so erfolgreiche Tradition schlief auch nach dem Krieg wieder ein.

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