Rollen der Geschlechter sind geklärt

Kleinkunst-Preisträgerin Martina Brand

Sympathisch, warmherzig und publikumsnah hat Kabarettistin Martina Brandl am Sonntagabend ein heikles Thema aufs Tapet gebracht: "Irgendwas mit Sex" heißt das aktuelle Soloprogramm der Künstlerin, die nicht nur das Gemenschel der Geschlechter, sondern auch Absurditäten des Alltags gnadenlos aufs Korn nimmt.

HEEK

von Sabine Sitte

, 23.11.2015 / Lesedauer: 3 min
Rollen der Geschlechter sind geklärt

Äußerst wandelbar und teils bitterböse: Kleinkunst-Preisträgerin Martina Brandl bei ihrem Auftritt in Heek.

Die quirlige Entertainerin mit Ballonmütze und bequemen Turnschuhen zum figurbetonten Pünktchenkleid macht gleich von Beginn an klar: "Sex hat man, darüber redet man nicht." Kabarett sei eine Kunst, in der ein Satz auch mal keine Pointe habe, klärt Brandl das Publikum nach dem ersten tiefen Luftholen auf, und bohrt mit dem verbalen Zeigefinger munter weiter im Irrsinn des modernen Lebens.

Die Kleinkunst-Preisträgerin wettert über die Unsitte "Kunst gegen Bares", bei der das Publikum die Leistung im Nachhinein nach Gutdünken honoriert, und stellt die Frage, ob Rundfunkgebühren im Gegenzug auch rückerstattet würden. Sie plaudert über die Affinität zur Bewertungskultur - "Für 50 Cent Telefongebühr können Sie im Dschungelcamp gnadenlos rein- oder rauswählen" - und sieht im Hang zu Superlativen die Angst der Mitmenschen, am Ende doch nur Mittelmaß zu sein.

"50 ist das neue 40"

Die Werbung impliziert "50 ist das neue 40" und Brandl befürchtet eine verheerende Verschiebung der Altersstruktur. Die selbst Endvierzigerin macht sich lustig über Fitnesswahn und Implantationshintergrund und wünscht sich: "Ich möchte mal nur zuschauen, wie meine Achselhaare wachsen."

Komplettrasur als "Must-have" beim Sex und den QR-Code auf den Hintern tätowiert: Martina Brandl singt und rapt über Skurriles im Intimbereich und grinst über die Selfie-Stange als "Krückstock der Handysüchtigen" der Generation "Ich".

Angie Merkel-Adaption

In breitem Schwäbisch schwätzt die Kabarettistin aus den kruden Zukunftsplänen einer Abiturientin - "irgendwas mit Bachelor" - und warnt: "Das ist unsere Elite!" Spätestens bei der Angie Merkel-Adaption bleibt dem Publikum das Lachen im Halse stecken: Realistisch, so Brandl, aber bitterböse das Märchen vom fleißigen "Hartz-Vierchen und den sieben Mini-Jobbern". Auf Wunsch des Publikums setzt sie ein Happy End hintendran, "weil heute Sonntag ist".

Am Ende des Abends gibt es noch ein paar Tipps für das weibliche Wohlbefinden und einen frommen Rat mit Augenzwinkern: "Konfigurieren Sie ihren Partner nicht ständig neu, sonst bricht irgendwann das System zusammen." Das Publikum ist begeistert und hat verstanden. "Jetzt wissen Frauen und Männer wieder Bescheid", kichern sie noch auf dem Heimweg. 

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