Sauberes Wasser für die Dinkel

Klärwerk Heek

Bauchhärling, Nacktamöbe, Bärtierchen - das sind die "meisten Mitarbeiter der Gemeinde Heek", wie Alexander Kösters erklärt. Auf einer Schautafel an der Wand sehen die Besucher im Heeker Klärwerk in tausendfacher Vergrößerung die Einzeller und Co., die dafür sorgen, dass aus Schmutz- und Abwasser sauberes Dinkelwasser wird.

HEEK

, 28.04.2017, 19:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die kleine Gruppe, die sich um Alexander Kösters schart, rückt näher zusammen; auf die Biologie folgt die Chemie und damit der Blick in das Photometer.

Das Gerät im Labor der Anlage in Wichum zeigt anhand der Lichtmenge, die durch eine eingespannte Glasküvette fließt, welche Ammonium- oder Phosphatbelastung die Wasserproben haben. "Der Grenzwert für Ammonium liegt bei 1,5 Milligramm pro Liter. "Jetzt haben wir unter 0,2", stellt er nach einem Blick auf die Anzeige fest. Fazit: "Da sind wir locker drin."

Klärbecken-Kreislauf

Das Wasser, das aus der 1993 errichteten Kläranlage in die Dinkel fließt, soll so wenig belastet sein wie möglich. Dafür verantwortlich sind neben den Mikroben im Klärbecken-Kreislauf und Meister Kösters auch Annegret Heidbrink, Rudi Kösters und der Auszubildende Simon Lammers, der in Kürze seine Abschlussprüfung ablegen wird. Er ist der erste, der auf der Heeker Anlage seine Ausbildung zur "Fachkraft für Abwassertechnik" absolviert - dank Alexander Kösters, der seit zwei Jahren als Meister ausbilden darf.

Welche Fähigkeiten man für den Job braucht? "Handwerkliches Geschick", sagt Annegret Heidbrink. "Nicht pingelig sein", fügt Alexander Kösters hinzu. Er mag die Vielseitigkeit, die der Job bietet. Dabei ist der 32-Jährige selbst nur auf das Berufsbild aufmerksam geworden, weil sein Vater an der Kläranlage arbeitete. Die Ausbildung musste er in Legden machen, denn in Heek gab es keinen Meister. "Da wir hier auf einer kleinen Anlage sind, machen wir alles selbst", erklärt er, "von Pflasterarbeiten bis Labor. Sogar Rasenmähen gehört dazu." Kein Tag sei wie der andere - genau das sei reizvoll. Dabei ist das Ziel immer gleich: sauberes Wasser. "Beim Natriumgehalt sind wir besser als das Mineralwasser in der Flasche hier", sagt Kösters stolz.

Arbeit im Verborgenen

Phosphatrückstände werden in der chemischen Reinigungsstufe gereinigt. Aber noch gibt es keine vierte Reinigungsstufe, die Medikamentenrückstände aus dem Wasser zieht. Trinken würde Kösters es wohl nicht.

Besucher sind selten, die Arbeit findet eher im Verborgenen statt. "Es ist immer besser, wenn man uns nicht sieht", lacht Kösters. "Wenn man uns sieht, stimmt etwas nicht." Dann klemmt vielleicht irgendwo ein Schieber, hakt eine Pumpe in einer der zwölf Außenpumpstationen oder irgendwo auf den 80 Kilometer Kanalrohrnetz ist etwas in Ordnung zu bringen. "Alles an Abwasser, das zuhause anfällt, kommt hier fünf bis sechs Stunden später an", erklärt Alexander Kösters. Dann wird in drei Stufen gereinigt: mechanisch, biologisch, chemisch. Es folgt eine Lektion zu pH-Werten, Zucht und Pflege der Biomasse, Sauerstoffaustausch und Temperaturen. "Es gibt nichts Leckereres für manche Mikroorganismen als Abwasser", ergänzt Annegret Heidbrink. "Die einen bauen Ammonium ab, die anderen Nitrat. Wir sorgen dafür, dass die sich wohlfühlen." Sie kam übers Interesse an Chemie zum Job. "Ich hatte gehört, dass es da ein Labor gibt."

Tennisball und Ehering

Und es gibt den Rechen, der in einer Halle alles bis zu einer Größe von fünf Millimetern aus dem Wasser fischt - von Hygienetüchern über Tierknochen bis hin zu Erwachsenenwindeln. "Hin und wieder kommt auch ein Tennisball an", wundert er sich.

Annegret Heidbrink hat schon Notrufe erhalten: "Mein Ehering ist weg, könnt ihr danach suchen?" Sie lacht. "Da muss ich dann nein sagen."

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt