Sozialpraktikum in Berliner Suppenküche

Paul Lammers

Paul Lammers hat sich eine nicht alltägliche Aufgabe für sein Sozialpraktikum ausgesucht: Im Januar ging der Nienborger gemeinsam mit seinem Schulkollegen Julian Buesge aus Heek für drei Wochen in das Franziskanerkloster nach Berlin und arbeitete dort in der Suppenküche.

HEEK

von Von Mareike Katerkamp

, 02.02.2017, 18:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Vorgeschichte: Es ist die Musik, die Paul Lammers begeistert. Mit drei Jahren begann der Nienborger Blockflöte zu spielen, mit fünf Jahren kam das Klavier hinzu. Vor rund zwei Jahren entschied sich der heute 16-Jährige für ein weiteres Instrument: die Orgel. Sein Interesse an der Kirchenmusik sorgte dann auch dafür, dass sich der Schüler der Canisiusschule Ahaus nicht für ein Sozialpraktikum vor Ort in einem Kindergarten oder Altenheim entschied, sondern für das Franziskanerkloster: "Dort konnte ich zwischendurch auch Orgel spielen."

Ein zweiter Grund war die Hauptstadt an sich. "In einer Viertelstunde waren wir mit der S-Bahn am Brandenburger Tor. Und in der Stadt gibt es einfach so viel zu sehen", schwärmt Paul Lammers. Ein dritter Grund: die Arbeit in der Suppenküche. "So eine Erfahrung habe ich bislang noch nicht gemacht."

25 Jahre Suppenküche

Täglich kommen 160 bis 200 Obdachlose sowie Hartz- IV-Empfänger in die Suppenküche, von morgens bis zum frühen Nachmittag hat sie geöffnet. Die Suppenküche der Franziskaner in Berlin-Pankow gibt es mittlerweile seit 25 Jahren, rund 70 ehrenamtliche Helfer sind dort abwechselnd tätig. Bis zu 400 Mittagessen werden täglich gekocht, von zwei Köchen in mehreren 70-Liter-Töpfen.

Die beiden Schüler halfen nicht nur morgens beim Brote schmieren, Kartoffeln schälen und Gemüse putzen. Sie gaben auch das Essen an die Gäste aus oder betreuten Besucher, die etwa wegen ihrer Sehbehinderung nicht zur Ausgabe kommen konnten.

Wenig Zeit zum reden

Ins Gespräch kam Paul Lammers mit den Besuchern allerdings eher selten, wie er erzählt. "Die Meisten kommen auch nicht aus Deutschland und nicht alle sprechen Deutsch", sagt der 16-Jährige. "Häufig fehlte die Zeit zum Unterhalten. Aber die Besucher waren richtig glücklich, dass sie etwas Warmes zu essen kriegten", erinnert sich der 16-Jährige.

Außer in der Suppenküche arbeiteten die Schüler auch in der Kleiderkammer, die an zwei Tagen in der Woche geöffnet ist. "Ein großer Keller, komplett voll mit Kleidung", beschreibt sie Paul Lammers. Zudem holten die Schüler Essen ab, das die Märkte dem Kloster zur Verfügung stellen. Die Lebensmittelspenden werden dann entweder für das Essen in der Suppenküche genutzt oder direkt an die Menschen verteilt. "Jeder der Besucher durfte sich so viel nehmen, wie er wollte", erzählt Paul Lammers.

Messe mitgestaltet

Gemeinsam mit drei weiteren Helfern wohnten Paul Lammers und Julian Buesge in einer Wohnung über der Suppenküche. Von dem Leben im Kloster haben die Schüler eher wenig mitbekommen. Bis auf die Gottesdienste am Sonntagmorgen. Dort nahmen beide nicht nur teil, sie gestalteten die Messe kurzerhand auch mit. Paul Lammers an der Orgel und Julian Buesge mit der Posaune.

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