Stele zur Erinnerung an Leprosenhaus eingeweiht

Denk-Mal gegen Ausgrenzung

Beten und Betteln - wer im Mittelalter von der Lepra befallen war, dem blieb nichts anderes mehr: Ausgegrenzt und abgeschottet von der Gemeinschaft fristeten die vom "Aussatz" befallenen ein Dasein in Armut und Abgeschiedenheit. An ihr Schicksal erinnert eine Stele, die jetzt eingeweiht wurde.

HEEK

, 06.06.2016, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Stele zur Erinnerung an Leprosenhaus eingeweiht

In der Bült wurde die Stele feierlich enthüllt.

So auch die kleine Anna Delves, die 1610 "auf dem Venn beim Dorf Heek" von der Krankheit ereilt wird. "Ihr wird auferlegt, in Zukunft die Häuser und die Gesellschaft gesunder Leute zu meiden", erklärte Josef Wermert. Der Historiker schilderte am Sonntag bei der Einweihung der Stele zum Gedenken an das ehemalige Leprosenhaus in der Bült eindrucksvoll das Schicksal des Kindes, das schließlich dort Aufnahme fand.

Einzigartige Kooperation

Wermert hatte die historischen Grundlagen für das Projekt erarbeitet, eine in der Gemeinde bis dato einzigartige Kooperation aus den beiden Heimatvereinen und der lokalen Arbeitsgruppe des Deutschen Aussätzigenhilfswerks (DAHW) die Realisierung vorangetrieben - unterstützt von lokalen Firmen, katholischer Pfarrei und der politischen Gemeinde.

"Die heute der Öffentlichkeit übergebene Stele erinnert an eine Stätte jahrhundertelangen menschlichen Leids", erklärte Wermert. Die vom Künstler Michael Franke gefertigte Stele zeigt einen Leprakranken in typischer Kleidung, aber auch die Elemente, die sein Leben fortan bestimmen würden: eine Krücke und eine Klapper.

Klapper ist einsatzfähig

Diese hatten die Aussätzigen mit sich zu führen, um Gesunde vor ihrem Erscheinen zu warnen. Franz Tönnes vom DAHW aus Münster demonstrierte mit Verve, dass die an der Stele angebrachte Klapper einsatzfähig ist, nachdem er die Stele gemeinsam mit Projektleiter Theo Franzbach enthüllt hatte.

Nicht zuletzt dieses interaktive Element ist es wohl, dass das "Denk-Mal", wie Pastor Josef Leyer die Stele nannte, mehr als nur ein historisches Wegzeichen sein kann. Er würdigte die Stele als Ort des Nachdenkens darüber, "was es heute gibt an Ausgrenzung und wie wir ihr begegnen."

Mit der Historie beschäftigen

Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff glaubt ebenfalls, "dass hier ein Treffpunkt entstanden ist". Er verwies auf die nebenan liegende Bushaltestelle. "Auch zufällige Besucher werden eingeladen, sich mit der Historie zu beschäftigen." Für die Gemeinde bedeutet die Stele einen "gewinnbringenden Mehrwert", auch mit Blick auf die Planungen des Heimatvereins, eine Route mit historischen Wegzeichen durch die Gemeinde zu installieren, die für Schulklassen und Touristen gleichermaßen interessant ist. Die Historie des früheren Leprosen- oder Klepperhauses hatte bis dato eine Dornröschenexistenz gefristet.

Projekt als Ansporn

Auch Kreisheimatpfleger Alfred Janning bekannte, er habe zuvor "keine Kenntnis von einem Leprosenhaus in Heek" gehabt, dann aber festgestellt, dass es in der Region etliche solcher Häuser gegeben habe. Er zeigte sich beeindruckt von dem Heeker Projekt. "Vielleicht ist das ein Ansporn für andere Heimatvereine, über ihre Leprosenhäuser zu forschen."

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