Strahlende Töne entstauben

Generalreinigung der Orgel

„Gib mir mal C, Cis und D“, ruft Herbert Weymanns. Die Antwort seines Kollegen kommt prompt – allerdings nicht in Form einer aufsteigenden Tonfolge. Weder singt Christoph Kleemann noch spielt er ein Instrument. Er bückt sich vielmehr, hebt mit einem Ruck hoch und balanciert vorsichtig in die Höhe – eine Meter lange Orgelpfeife nach der anderen.

HEEK

von von Sylvia Lüttich-Gür

, 18.03.2011, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine dicke Staubscicht hat sich auf die Pfeifen gelegt in den vergangenen 16 Jahren.

Eine dicke Staubscicht hat sich auf die Pfeifen gelegt in den vergangenen 16 Jahren.

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So reinigen die Orgelbauer die Königin der Instrumente in der Heeker Kirche.

16 Jahre nach ihrer Einweihung hat sich jede Menge Staub auf die Heeker Seifert-Orgel gelegt. Fachleute reinigen jetzt das Instrument.
18.03.2011
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© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
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Die Orgelbühne der Kirche St Ludgerus gleicht seit Montag einer Baustelle: Statt Notenblätter, Partituren und Gesangsbücher liegen Schraubenzieher, Hammer und Bürsten herum. An der Wand lehnt ein Staubsauger: Die rund 29000 Euro teure Generalreinigung der Kirchenorgel läuft auf Hochtouren.

„Ich hab sie“, sagt Herbert Weymanns. Mit sicherer Bewegung zieht er die unten spitz zulaufende Pfeife aus silbern schimmerndem Metall nach oben. Der grauhaarige Mann, der schon seit 1967 für die Orgelbaufirma Seifert aus Kevelaer arbeitet, hat den Überblick – nicht nur über die über 2000 unterschiedlichen Pfeifen des Instruments, die zum Teil demontiert und über die Orgelbühne verteilt sind, sondern auch über die gesamte Kirche.

Spektakulärer Ausblick

Der Orgelbauer hockt in einem Gehäuse aus massivem Eichenholz, dem Herzstück der Orgel – hoch über dem ohnehin schon luftigen Platz des Organisten Christian Hubert. Der Ausblick über die Kirchenbänken hinweg bis vorne zum Gnadenkreuz hat Seltenheitswert. Denn da, wo Weymanns, der allerdings nur Augen für den Pfeifenstock vor sich hat, gerade tief gebeugt schraubt, tanzen sonst die Töne. Jedes der kreisrunden Löcher im Holz ist dann besetzt von Geigen, Flöten, Trompeten, Oboen, Schalmeien und den anderen Mitgliedern des Orchesters, in das sich die Pfeifen verwandeln – je nachdem, welches Register Hubert zieht.Verstaubt heißt lebendig Christoph Kleemann schleppt bereits die nächsten Pfeifen heran: alle bereits gestimmt und gereinigt vom Staub der letzten der 16 Jahre. Und davon gab es einigen. Organist Hubert streicht mit einem Finger über die noch nicht gereinigten Pfeifen und hinterlässt eine sichtbare Spur. Ogelbaumeister Kleemann wertet das als gutes Zeichen für das Gemeindeleben: „Viel Staub ist ein Zeichen dafür, dass viele Gottesdienstbesucher kommen.“ Die brauchen auch während der noch drei Wochen dauernden Generalreinigung nicht auf Orgelmusik zu verzichten: Eine der drei Baugruppen ist immer bespielbar. Der Klang falle dabei zwar etwas sparsamer aus, „aber das passt ganz gut zur Fastenzeit“, meint Pfarrer Josef Leyer.

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