Syrische Klagelieder treffen auf barocke Arien

Musikprojekt

Es ist ein Projekt, das Helen van Almsick besonders bewegt. In der Opernwerkstatt der Musikschule Gelsenkirchen hat sie eine Barockkomposition mit syrischen Klageliedern kombiniert. Zu schade, das nur einmal aufzuführen. Am Mittwoch, 7. Juni, wird "Remember Me!" in der Landesmusikakademie zu hören sein.

HEEK/LEGDEN

, 31.05.2017, 18:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dann werden dort ihre Gesangsklasse und ein Ensemble mit Flüchtlingen auftreten und somit auch hier Okzident und Orient aufeinandertreffen. Es geht um Flucht, Irrwege, die große Liebe und das Drama des Abschieds. Mit "Dido und Aeneas" von Henry Purcell wollte Helen van Almsick, die an der Musikschule Gelsenkirchen klassischen Gesang unterrichtet, für das jährliche Projekt diesmal eine ganze Oper einstudieren. "Viele kleine Rollen, schöne Chöre und übersichtliche Hauptpartien machen dieses Werk perfekt, auch für Laiensänger", so die Legdener Künstlerin: "Während der Einstudierung wurde uns allen immer klarer, dass der Inhalt dieses barocken Stückes unglaublich aktuell ist."

In Kürze: Aeneas flieht aus dem brennenden Troja, rettet sich nach Karthago, findet dort nicht nur eine Liebe, sondern auch eine neue Heimat und wird von "höheren Mächten" fortgeschickt. Seine Liebe stirbt an gebrochenem Herzen. "Alle waren in gleichem Maße bewegt", erzählt Helen van Almsick von ihrer Gesangsklasse, zu der meist Erwachsene, aber auch einige Jugendliche und Kinder gehören.

Heimatverlust

Schon die Einstudierung wurde zu einem Prozess des Reflektierens um diese vergangenen Mythen und die aktuellen Geschehnisse. Heimatverlust, Gefühle von Sehnsucht, Liebe und Freundschaft - das waren Gesprächsthemen. Und schnell war da die Idee, an Stellen in der Oper, die als Zwischenmusik gedacht sind, die Musik von dem interkulturellen Ensemble "Dialo-Ge" machen zu lassen, in dem unter der Leitung von Yalcin Karakus Flüchtlinge spielen.

Helen van Almsick erzählt: "In gemeinsamen Proben lernten wir uns langsam kennen, erzählten uns Geschichten von Flucht und Vertreibung, sangen gemeinsam und lauschten den jeweils fremden Klängen der anderen. Syrische Klagelieder treffen auf barocke Arien, orientalische Tanzrhythmen auf höfische Tänze des Barock."

Erfolgreiche Premiere

Die Premiere im Schloss Horst in Gelsenkirchen wurde ein Erfolg. "Sie gaben den großen Gefühlen auf starke Weise Ausdruck, weil sie auf jede Übertreibung verzichteten, nur ihre Instrumente und Stimmen sprechen ließen", hieß es in einer Kritik über alle Mitwirkenden.

Und auch Helen van Almsick ist heute noch ganz beeindruckt: "Ganz offen gesagt, ich habe selten so intensiv gespürt, wie wunderbar es ist, genau diesen Job zu machen."

 

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