Theo Rosing will sein Wissen über Baumpflege weitergeben

Ein Leben für die Bäume

Es ist eine Art Vermächtnis: Theo Rosing hat mit dem Buch „Ein Herz für Bäume“ sein über Jahrzehnte gesammeltes Wissen und seinen ebensolangen Kampf gegen Raubbau und falsche Pflege bei Bäumen dokumentiert – um ihn jenen zu schenken, die es besser wissen sollten.

HEEK

, 30.09.2016, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Theo Rosing will sein Wissen über Baumpflege weitergeben

Das Buch verschickt Theo Rosing an Naturschutzverbände und Behörden, die mit Baumpflege befasst sind.

„Man kommt ja überall rum“, sagt Theo Rosing. Als Ingenieursrat beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat der Heeker in seinem Berufsleben viel gesehen. Zuviel Unschönes, wie er meint. Das Buch, das er jetzt mit Unterstützung von Ludger Gausling aufwendig produziert hat, spricht Bände davon: Auf 160 reich bebilderten Seiten hat Rosing Beispiele von „Baumfrevel“ gesammelt, wie er es nennt.

Raubbau durch Unkenntnis

„In der Vergangenheit ist zuviel Raubbau an großen Bäumen betrieben worden“, stellt Rosing fest. „Die entstandenen Lücken sind aufgrund der langen Wachstumszeit der Bäume in den nächsten Jahrzehnten nicht zu schließen.“ Die Ursache dafür sieht Rosing in der Unkenntnis der Ausführenden. „Immer geht es darum, dass die Grundregeln der Baumpflege missachtet werden“, meint er. „Zerfetzte Schnittränder werden nicht nachgeschnitten, Aststümpfe lässt man stehen, dicke Äste werden abgekappt.“

Rosing hat über die Jahre Beispiele aus dem gesamten Kreisgebiet – und darüber hinaus – gesammelt. Viele positive. Noch mehr negative. Er zeigt, wie ein falscher Schnitt Pilzbefall und Fäule fördert, wie Wurzeln absterben, weil lebenswichtige Äste fallen mussten, wie sich Waldränder oder Baumreihen über die Jahre verändert haben. Und er erklärt fachgerecht, wie es besser geht, zeigt sogenannte „Lichtraumprofile“ und bettet Fachsimpeleien in philosophische und naturkundliche Betrachtungen ein.

Mehr als ein Schmuckstück

So findet sich ein indianisches „Gebet des Baumes“ ebenso im Buch wieder wie Baum-Lyrik und erzählerische Texte aus vergangenen Jahrhunderten, die die Kraft und die Schönheit der Bäume preisen. Denn: Ein Baum ist für Rosing mehr als ein Schmuckstück im Straßenverkehr oder ein Organismus mit Nutzeffekt für Natur und Umwelt. „Ein Baum ist schön“, stellt er gleich zu Beginn des Vorworts fest. Und er schließt mit den Worten: „Der Baum braucht unseren Schutz. Und wir brauchen den Baum.“

Er sei ein Naturmensch, erklärt er die Affinität zu Eichen, Buchen & Co. „Wir waren als Jugendliche jede freie Zeit im Wald.“ In seiner Zeit als Ingenieur habe er immer wieder beobachtet, dass zu oft und zuviel geschnitten wurde, sogar während der Wachstumsruhephasen des Baumes. „Ich habe damals schon Kreisdirektor Wiesmann angeschrieben und auch einige Gemeinden.“ Der Kreisdirektor habe ihn daraufhin eingeladen, einigen Gemeindemitarbeitern die richtigen Techniken zu vermitteln. Das reichte offenbar nicht. „Im Nachhinein muss ich feststellen, dass das nichts gebracht hat und die Bäume weiter verunstaltet werden.“

Nur Erziehungsschnitt

Rosing propagiert den Erziehungsschnitt: „Wenig schneiden, und nur im Anfang.“ Ist der Baum groß, braucht er freien Stand und freien Wuchs, glaubt er. „Wer herrlich gewachsene junge Straßenbäume vor allem an Radwegen ohne Rücksicht auf das Lichtraumprofil bis zu fünf Meter und noch mehr aufastet, handelt verantwortungslos“, klagt er in einem Begleitschreiben, das den Büchern beim Versand beiliegt.

400 Stück hat Rosing drucken lassen. 125 Adressen hat er gesammelt, die es per Post bekommen: „Es gibt noch mal so viele, denen ich es so gebe.“ Verkauft werde kein einziges. „Ich brauche keine Leute, die das kaufen und in die Schublade legen“, sagt Theo Rosing. „Ich brauche Leute, die es haben wollen und nutzen.“

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