Der sechste Prozesstag brachte neue Erkenntnisse im Fall der getöteten Heekerin. Alles wurde aber überschattet von dem bekannt gemachten Selbstmordversuch des Angeklagten.

Heek

, 07.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Prozess am Landgericht Münster gegen den 32-Jährigen, der seine Ehefrau (23) im August 2018 in Heek mit 17 Messerstichen getötet und ihr anschließend die Kehle durchgeschnitten haben soll, verläuft weiter schleppend. Auf die angekündigten Plädoyers warteten die Zuschauer am Montag vergeblich.

Zu lang zog sich die Präsentation des psychologischen Gutachtens und die Ausführungen zur strafrechtlichen Historie des Angeklagten. Und der Unmut bei den Beteiligten über den zähen Prozess wächst. „Ich will einfach nur noch zu einem Ende kommen“, sagte eine der Richterinnen mit scharfen Worten in Richtung Staatsanwältin beim Verlassen des Gerichtssaales. Doch der Reihe nach.

Suizidversuch: „Es gab keinen Grund mehr zu leben“

Am sechsten Prozesstag bestätigte die Richterin zunächst das, was bereits auf dem Flur gemunkelt wurde: Der 32-Jährige hatte in seiner Zelle erfolglos versucht, sich das Leben zu nehmen. „Er hat sich mit einer Scherbe die Pulsadern aufgeschnitten und sich damit erhebliche Verletzungen zugefügt. Später versuchte er, die Fäden mit den Zähnen aufzubeißen“, sagte die psychologische Gutachterin. Der Angeklagte erklärte sein Verhalten: „Es gab keinen Grund mehr zu leben. Meine Kinder wissen, dass ich sie getötet habe.“

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Anschließend richteten die involvierten Parteien den Blick auf die strafrechtliche Vorgeschichte des russischstämmigen Angeklagten. Die Vorsitzende Richterin verlas einen Auszug der Strafakte aus der Heimat des 32-Jährigen. In Russland soll er vor einigen Jahren 14 Monate in Haft gesessen haben - ebenfalls wegen einer Messerstecherei. Und nicht, wie von der Schwiegermutter bei ihrer Vernehmung angedeutet, wegen Vergewaltigung.

Duplizität der Ereignisse

Damals soll ein örtlicher Polizist den Angeklagten in seinem Heimatort mit einem Messer bedroht haben. „Er wollte das Auto, das ich ihm gegeben habe, nicht bezahlen“, schilderte der 32-Jährige die Ursache des Konflikts. Er habe den Polizisten schließlich mit einem Handgriff entwaffnet. „Ich habe ihm das Messer abgenommen und dann ist er auf mich gefallen.“ Die Duplizität der Ereignisse: fast schon grotesk. Auch im Stiegenpark ging seinen Angaben zu Folge die Bedrohung mit dem Messer zunächst vom Gegenüber aus.

In Russland bewahrte ihn seine Darstellung der Ereignisse nicht vor der Verurteilung zu einer zweijährigen Haftstrafe, die sich wegen guter Führung um zehn Monate verkürzte. Auch in Deutschland war der Angeklagte bis zur Tötung seiner Frau kein ungeschriebenes Blatt. Sechs Eintragungen verlas die Richterin aus seinem Vorstrafenregister, alle aus den Jahren 2017 und 2018. Diebstahl, Körperverletzung, sexuelle Übergriffe... Neben Geldstrafen sprach das Amtsgericht Koblenz wegen übergriffigen Verhaltens am Düsseldorfer Hauptbahnhof eine Bewährungsstrafe aus.

Bevor die Beweisaufnahme abgeschlossen werden konnte, musste noch das psychologische Gutachten präsentiert werden. Die zuständige Psychologin erklärte, dass auf Grundlage ihrer Erkenntnisse keine psychologische Störung beim 32-Jährigen zu diagnostizieren sei. Auch eine Intelligenzminderung oder gar geistige Behinderung schloss sie aus. Gleichzeitig räumte sie aber ein: „Der Intelligenztest hat ergeben, dass sein IQ bei etwas über 70 liegt. Es fällt ihm schwer, abstrakte Dinge zu verstehen. Sein Intellekt ist begrenzt.“

Erfahrungen beim Militär führten zu keinem Trauma

Dass er durch seine Erfahrungen beim Militär traumatisiert worden sei, glaubt die Gutachterin nicht. „Er sagte mir, dass er nie einen Schuss abgefeuert hat und eher die örtliche Polizei unterstützt hat.“ Auch den Einfluss des Drogenkonsums auf die Messerattacke bezweifelt sie. „Er hat nicht täglich Drogen zu sich genommen und am Abend der Tat lag der Kokain-Konsum Stunden zurück. Die Wirkung sollte, gerade nach dem Spaziergang zum Tatort, nicht mehr vorhanden gewesen sein.“

Die von der Vorsitzenden gehegte Hoffnung, noch am Montag die Plädoyers von Verteidigerin und Staatsanwältin zu hören, zerschlug sich aufgrund fehlender Zeit. Die Hoffnungen, beim nächsten Termin am Freitag, 17. Mai, zu einem Urteil zu kommen, ist aber groß. Deshalb beginnt der Prozess an diesem Tag bereits um 8 Uhr.

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