Prof. Dr. Berthold Wigger (Dinkelbündnis) hat sein Ratsmandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt. © Privat
Dinkelbündnis

Überraschender Rückzug: Prof. Dr. Wigger schmeißt im Rat hin

Prof. Dr. Berthold Wigger ist nicht mehr Mitglied des Heeker Rates. Aus freien Stücken hat er seinen Platz geräumt. Das hat selbst das Dinkelbündnis überrascht. Und die Gründe werfen Fragen auf.

Prof. Dr. Berthold Wigger hat im Rat hingeschmissen. Mit sofortiger Wirkung hat er sein Mandat für das Dinkelbündis (DB) niedergelegt. Eine Entscheidung, die sogar die Mitglieder der Wählergruppe überrascht. Und die angeführten Gründen werfen Fragen auf.

Kurz und knapp teilte Berthold Wigger am Dienstagabend (05.10) in den späten Abendstunden auf der Interplattform Facebook über den Account des Dinkelbündnisses mit, dass er sein Ratsmandat niederlegt. Aus persönlichen Gründen, wie er schreibt.

Berthold Wigger legt einfach auf

Was sich dahinter im Detail verbirgt, ist unklar. Mit der Redaktion spricht Berthold Wigger nicht mehr. Als wir ihn am Mittwochmorgen auf dem Handy erreichen und zu den Hintergründen des Rücktritts befragen wollen, legt er kommentarlos auf.

Dass die Sache offiziell ist, bestätigt derweil Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff auf Anfrage. Das entsprechende Schreiben von Herrn Wigger läge im Rathaus vor. Seit Dienstag. Wenige Stunde bevor die Nachricht in den Sozialen Medien online ging.

Auch die Wählergruppe äußert sich nicht zu den Hintergründen. Aber die DB-Vorsitzende, Birgit Wüsten, berichtet im Gespräch mit der Redaktion, dass auch für sie und die Mitglieder der Rücktritt überraschend gekommen sei. „Vor dem Post auf Facebook wurden wir natürlich informiert.“

Wenige Wochen zuvor lege Berthold Wigger bereits das Amt als Vorsitzender der Wählergruppe nieder. Wie vorgesehen nach einem Jahr, wie es dazu vom Dinkelbündis heißt. An seine Stelle trat Ratsmitglied Birgit Wüsten.

Lokalpolitik als Forschungsfeld?

Mit welcher Motivation Berthold Wigger letztlich seinen Ratsarbeit aufgenommen hat und warum diese jetzt von „persönlichen Gründen“ überlagert wird, bleibt unklar. Interessant ist in diesem Zusammenhang aber ein Interview, das im September 2020 von der „Welt“ veröffentlicht wurde.

In diesem antwortete Berthold Wigger auf die Frage, was er sich von der lokalpolitischen Arbeit in Heek erhoffe, wie folgt: Er unterrichte ja Public Management und da spiele auch die Kommunalpolitik eine wichtige Rolle. Er glaube, dass seine Studenten und er selbst von der Erfahrung aus der Praxis profitieren könnten.

Im Gegensatz zu diesem Bild fehlte Berthold Wigger (r.) nicht selten in den Ratssitzungen.
Im Gegensatz zu diesem Bild fehlte Berthold Wigger (r.) nicht selten in den Ratssitzungen. © Till Goerke © Till Goerke

Lokalpolitik als Versuchsfeld für die Forschung? Belegt ist das nicht. Einen Beigeschmack hat es. Deutlich offensichtlicher ist, dass Berthold Wigger nach seinem Antritt als Ratsmitglied seinen Lebensmittelpunkt nicht nach Heek verlagert haben dürfte.

Zwar steht in Heek sein Elternhaus, doch heißt das Lebensmittelpunkt? Diesen muss nach dem Gesetz nämlich jedes Ratsmitglied in jener Kommune haben, in dem es das politische Amt ausübt.

Wigger fehlte oft in den Ratssitzungen

„Wir haben darüber auch intern diskutiert“, sagt Bürgermeister Weilinghoff auf Nachfrage. Problem: Es habe offiziell keine eindeutigen Beweise dafür gegeben, dass es nicht so war. „Wir können ja schlecht jemanden auf Schritt und Tritt kontrollieren.“

Fakt ist aber, dass Berthold Wigger oft in den Ratssitzungen fehlte. Auch soll er sich nach Informationen dieser Redaktion in der Regel nur an den Wochenenden in der Gemeinde aufgehalten haben.

„Wir haben dazu jedenfalls keine offizielle Anfrage der anderen Fraktionen bekommen“, stellt der Bürgermeister klar. Stichwort Prüfauftrag.

Berthold Wigger (r.) hat sein Ratsmandat niedergelegt. Seine Nachfolge soll Heidi Dost antreten.
Berthold Wigger (r.) hat sein Ratsmandat niedergelegt. Seine Nachfolge soll Heidi Dost antreten. © Dinkelbündnis © Dinkelbündnis

Davon ab: Wie geht es jetzt im Dinkelbündnis weiter? Verloren geht der Ratsplatz nicht. Er wird nachbesetzt. Laut Dinkelbündnis steht da Heidi Dost an erster Nachrückstelle. Die Verwaltung prüft diesen Nachrückgang derzeit noch auf die Rechtmäßigkeit.

Aufgabe für Wählergruppe bleibt gleich

„Wir haben gestern bereits mit Frau Dost gesprochen und sie hat erfreulicherweise signalisiert, die Aufgabe übernehmen zu wollen“, berichtet die DB-Vorsitzende Birgit Wüsten.

Das Personal ändere sich jetzt zwar etwas, aber die Aufgabe für die Wählergruppe bliebe die gleiche: Ganz viel Vertrauensarbeit zu leisten. Zu zeigen, dass man etwas bewegen kann in der Gemeinde. Das betont Wüsten.

Und Berthold Wigger? Der möchte, so schreibt er, sich weiterhin im Dinkelbündnis engagieren. Nicht mehr und nicht weniger.

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