Umstrittenes Umspannwerk nimmt in Heek seinen Betrieb auf

rnNach Ärger im Rat

Heute geht die erste neue Windkraftanlage des Schöppinger Windparks ans Netz. Eingespeist wird der Strom über ein neues Umspannwerk in Heek. Die Heeker Politiker hatten dabei keine Wahl.

Heek

, 14.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Fast 230 Meter hoch türmen sich die neuen Windkraft-Anlagen auf Schöppinger Gebiet an der Grenze zu Heek auf. Seit Monaten ist die Windpark-Gesellschaft Schöppingen-Strönfeld mit schwerem Gerät im Einsatz. Am heutigen Freitag geht die erste Anlage ans Netz. Den Strom ins Netz einspeisen wird sie aber auf Heeker Gebiet: Über das neue Umspannwerk am Wirtschaftsweg Düstermühlenweg.

Dass das Umspannwerk genau dort entstehen sollte, war im Gemeinderat auf wenig Begeisterung gestoßen. Die Politiker hatten sich von der Planung überrumpelt gefühlt – und versagten ihr Einvernehmen. In einer nicht-öffentlichen Sitzung wenig später stimmten sie dann doch zu. Vor allem deshalb, weil ihnen keine andere Wahl blieb.

Windpark-Geschäftsführer Josef Berghaus erklärt beim Treffen vor Ort das Dilemma: „Die Leitung hat uns Westnetz vorgeschrieben.“Zudem hätten diverse Faktoren die Auswahl so eingeschränkt, dass der Standort alternativlos sei. „Das ist nicht so einfach“, so Berghaus.

Da sei zum einen die benachbarte Gasleitung und zum anderen das Überschwemmungsgebiet der Dinkel, das nicht bebaut werden dürfe. Und schließlich müsse man auch Zugriff auf das passende Grundstück haben. „Da wird es dann eng“, meint Berghaus. „Wir wären damit liebend gerne nach Schöppingen gegangen“, erklärt sein Geschäftsführer-Kollege Leo Rehring. Aber das sei einfach nicht möglich gewesen.

Kein Spielraum zur Ablehnung

„Zugeständnisse haben sie keine gemacht“, so Brunsch am Donnerstag auf Anfrage der Redaktion über die Windpark-Geschäftsführer. In der Ratssitzung im Dezember seien sie zudem äußerst ungeschickt aufgetreten. „Jetzt kommen wir und ihr müsst gehorchen“, habe der Tenor gelautet. Deshalb hält Brunsch die Kritik nach wie vor für richtig: „Wir sind keine Befehlsempfänger.“

Auf die Frage, ob der Gemeinderat überhaupt einen Spielraum zur Ablehnung gehabt habe, grinst Berghaus. „Nö.“ Über die Genehmigung entschied ohnehin der Kreis Borken. Das Einvernehmen der Gemeinde hätte der Kreis dabei ersetzen können.

Und der habe signalisiert, dass er seine Zustimmung notfalls auch ohne die Gemeinde erteilen würde, verrät der SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Reinhard Brunsch. Im Sinne einer guten Nachbarschaft mit Schöppingen habe der Rat daraufhin klein beigegeben.

„Zähneknirschend haben wir zugestimmt, es bringt ja letztlich nichts“, bestätigt der CDU-Ratsfraktionsvorsitzende Walter Niemeyer. Anderenfalls hätte der Bürgermeister den Ratsbeschluss beanstanden müssen. „Uns sind da die Hände gebunden, wir dürfen nur abnicken.“ Also doch Befehlsempfänger.

Sieben Windräder gehen bis November ans Netz

Josef Berghaus kann die Aufregung nicht verstehen. „Der Ausbau erneuerbarer Energien ist ja gewünscht. Und irgendwo muss der Strom ja hin“, sagt er. „Und vielleicht sind die Heeker ja irgendwann froh, dass sie das Ding hier stehen haben.“ Denn es gebe noch freie Kapazitäten. Nur 30 von insgesamt 50 Megawatt Leistung würden vorerst genutzt. „Da ist noch Spielraum für Repowering oder zukünftige Anlagen“, so Berghaus.

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Unter großem Zeitdruck und auf kleinstem Raum sei die Anlage gebaut worden. In Betrieb ist das Umspannwerk schon seit Anfang Mai. „Aber bisher haben wir Strom abgenommen“, erklärt Rehring. Denn für die Inbetriebnahme der Windkraftanlagen werde zunächst Strom gebraucht. Ab heute soll dann erstmals Strom eingespeist werden. Bis November sollen weitere sechs Anlagen ans Netz gehen.

Noch keine Begrünung

Auch die verkehrliche Situation an der Kreuzung der Wirtschaftswege Lange Moot, Düstermühlenweg und am Blömerbach hatten die Ratsmitglieder bemängelt. Der Standort sei ungünstig, weil landwirtschaftlicher Verkehr mit großen Gespannen auf den schmalen Wirtschaftswegen nicht möglich sei. Für das Genehmigungsverfahren spielte die Verkehrssituation aber keine Rolle.

Umstrittenes Umspannwerk nimmt in Heek seinen Betrieb auf

Viel Platz an der Kreuzung gibt es nicht für landwirtschaftliche Fahrzeuge. © Falko Bastos

Dazu kommt die Frage nach der Begrünung. Die SPD-Fraktion hatte eine Umgrenzung mit Wallhecken gefordert. Aber auch dafür ist der Platz begrenzt. Nur knapp 1,50 Meter sind es zwischen Zaun und Straße. Deshalb wird dieser lediglich mit Efeu begrünt. Auf der Rückseite der Anlage und rund um das Betriebsgebäude soll eine Hainbuchen-Hecke gepflanzt werden.

Dazu kommen zwei größere mehrreihige Hecken entlang der Wege Düstermühlenweg und Am Blömerbach. Diese sollen zumindest aus der Ferne die Sicht auf das Umspannwerk verdecken. Zu sehen ist davon aber noch nichts, denn erst mit der nächsten Pflanzperiode im Spätherbst solle die Bepflanzung erfolgen, so Berghaus.

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Immerhin drei Heeker Anwohner können noch vom Windpark profitieren. Weil sie im Umkreis von 1,5 Kilometern um die Windkraftanlagen wohnen, können sie Anteilsscheine zeichnen. Die meisten anderen Heeker werden wohl nicht mehr warm mit dem Projekt.

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