Unbekannter Maler gibt Heimatverein Rätsel auf

Künstler gesucht

Vorsichtig zieht Johannes Buss mit einer Zange die Nägel aus dem Holzrahmen. Theo Franzbach schaut ihm über die Schulter. Als der letzte rostige Stift raus ist, folgt der erwartungsvolle Moment: Die beiden Heimatfreunde lösen den Deckel des Bildes und nehmen das Passepartout aus dem Rahmen.

HEEK

von Von Anne Alichmann

, 07.06.2016, 17:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Unbekannter Maler gibt Heimatverein Rätsel auf

Das Gemälde, das Theo Franzbach (l.) und Johannes Buss in den Händen halten, zeigt ein Haus im Nienborger Ortskern, unterschrieben mit „Alter Winkel“.

Dann drehen sie das Aquarell um. Steht auf der Rückseite etwas geschrieben? "Nein, nichts", stellt Johannes Buss nüchtern fest. "Die Rückseite ist leider leer." Das wäre ja auch zu schön gewesen.

Erhofft haben sich die beiden Nienborger einen weiteren Hinweis auf den Urheber des Gemäldes, das Margret Fabry den Heimatforschern zur Verfügung gestellt hatte. Es zeigt den Blick vom alten Schulhof auf ein Haus im Nienborger Ortskern, unterschrieben mit "Alter Winkel". Entstanden ist es im Jahr 1939, verrät die Signatur weiter. Auch hat der Maler seine Unterschrift hinterlassen - doch der Name ist für die versierten Heimatfreunde nicht zu entziffern.

Mehrere Bilder

Dabei wüssten die Forscher so gerne mehr über den rätselhaften Künstler. Es ist nämlich nicht das einzige Bild mit örtlichen Motiven, das er angefertigt hat: Ein weiteres hatten die Mitglieder des Heimatvereins zuvor bei ihren Recherchen zu Josef Bruns - der zur Nazi-Zeit zusammen mit seiner Tochter jüdische Mitbürger bei sich versteckte - bei dessen Nachfahren entdeckt. Es zeigt das Wohnhaus eben jener Familie Bruns an der heutigen Hauptstraße - vermutlich nicht weit entfernt von dem Gebäude auf dem anderen Bild.

Entstanden ist es ein Jahr früher, 1938. Auch dieses Aquarell ist unterzeichnet - aber ebenfalls für die Heimatfreunde nicht lesbar. Bisher wissen die beiden Hobby-Forscher also nur so viel: Der Urheber der beiden Bilder war ein Könner, womöglich ein Profi: "Die Bilder haben meiner Einschätzung nach schon eine gewisse Qualität", sagt Theo Franzbach.

Viele Fragezeichen

Ob als Auftragsmalerei entstanden oder als Geschenk für Freunde oder Verwandte - man weiß es nicht. Ob der Maler - oder die Malerin? - aus dem Dinkeldorf stammte, ist ebenfalls unklar. Aber er oder sie muss sich längere Zeit oder mehrmals in der Dinkelgemeinde aufgehalten haben, da die Bilder verschiedene Jahresangaben aufweisen.

Theo Franzbach und Johannes Buss setzen ihre Hoffnungen nun auf die Leser der Münsterland Zeiung: Hat womöglich noch jemand ein weiteres Aquarell in diesem Stil zu Hause? Kann jemand die Signatur entschlüsseln? Hat jemand weitere Informationen zu dem Urheber? Wer in dieser Sache weiterhelfen kann - sei der Hinweis noch so klein -, wird gebeten, sich an Theo Franzbach wenden. Er ist erreichbar unter Tel. (02568) 934545.

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