Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Vertriebene erinnert sich an die Ankunft in Heek

Aus Schlesien nach Heek

Mehrere Millionen Deutsche wurden Ende des Zweiten Weltkrieges aus ehemaligen deutschen Gebieten jenseits von Oder und Neiße vertrieben. Aus Schlesien fanden einige Vertriebene in Heek und Nienborg ihre neue Heimat - so wie Veronika Ogoniak (79).

HEEK

von Von Monika Haget

, 24.07.2016 / Lesedauer: 3 min
Vertriebene erinnert sich an die Ankunft in Heek

Veronika Ogoniak will die Erinnerung an ihre alte Heimat wachhalten. Sie liest auch heute noch das Heimatblatt aus dem Kreis Leobschütz, heute Glubczyce. Monika Haget

Als neunjähriges Kind hat Veronika Ogoniak die Vertreibung ihrer Familie aus Oberschlesien miterlebt. Dort lebte sie in Branitz im Kreis Leobschütz, "eine schöne Kleinstadt mit etwa 4000 Einwohnern", erinnert sie sich. Auch ihre Einschulung feierte sie dort.

In einem Viehwagen - gemeinsam mit 35 anderen Deutschen - wurden Veronika Ogoniak, ihre Mutter und ihr jüngerer Bruder 1946 nach Gronau transportiert. "Dort blieben wir über eine Woche und wurden entlaust, bevor es für uns weiter bis nach Heek ging", sagt Ogoniak. Am Bahnhof wurden sie damals von Vertretern der Gemeinde empfangen und auf verschiedene Familien aufgeteilt.

Misstrauen

Viele begegneten den Vertrieben damals zunächst mit Misstrauen. "Die Meisten wussten gar nicht, wer wir waren und woher wir kamen. Da wurde das in den Schulen noch nicht gelehrt."

Nach der Ankunft kam Veronika Ogoniak zunächst bei einer fremden Familie unter - getrennt von Mutter und Bruder. "Mein Vater war noch in Gefangenschaft, er kam erst 1948 zu uns."

Als Ogoniak zwölf Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie nach Nienborg in eine Wohnung in der Bauerschaft Wichum. Die Anschrift: Wichum 19. Zwölf Familien aus Schlesien fanden in dem Herrenhaus "Haus Wohnung" für einige Jahre ihre neue Heimat.

"Wir hatten drei Zimmer und einen kleinen Garten. Es war wirklich eine schöne Wohnung", erinnert sich Veronika Ogoniak. Mehr als 20 Kinder wohnten in dem Haus, das damals von einem Wassergraben umkreist war.

In den 1960er-Jahren zog die Familie von Nienborg nach Heek. Dort betrieb die Mutter einen Tante-Emma-Laden, den sie später übernahm. Das "Haus Wohnung" wurde in den 70er-Jahren abgerissen, "es war sehr baufällig", erinnert sich Veronika Ogoniak. Den Großteil der Bewohner hat sie seitdem nicht wieder gesehen. "Leider", fügt die 79-Jährige hinzu.

Beim diesjährigen Fest zum 700-jährigen Bestehen der Bauerschaft Wichum wurden zwar alle ehemaligen Bewohner eingeladen - "aber leider gab es kein wirkliches Zusammenkommen", sagt Ogoniak. "Und nach so vielen Jahren erkennt man sich ja gegenseitig auch nicht mehr so einfach wieder."

Erinnerung wachgehalten

Die Erinnerung an ihre alte Heimat hat Veronika Ogoniak trotzdem stets wachgehalten - und dabei auch andere mit ins Boot geholt. 25 Jahre lang war die 79-Jährige Vorsitzende der schlesischen Heimatgruppe in Heek. Besonders das traditionelle Wellfleischessen der Heimatgruppe im Eppingschen Hof war beliebt: "Es kamen Leute aus dem ganzen Kreisgebiet." 2012 löste sich die Heimatgruppe jedoch auf. Ogoniak: "Wir wurden irgendwann einfach zu alt."

Schlesisches Essen gibt es bei Ogoniak und ihrem Mann aber auch heutzutage noch reichlich. Besonders ihr schlesischer Mohnkuchen ist beliebt. "Das Rezept habe ich schon viele Male weitergeben. Aber richtig nachmachen kann meinen Mohnkuchen bislang niemand", sagt Veronika Ogoniak mit einem Lächeln.

70 Jahre nach ihrer Vertreibung denkt Ogoniak noch häufig an Branitz zurück. "Umso älter man wird, umso größer ist das Interesse an der alten Heimat", sagt sie. Das Heimatblatt aus dem Kreis Leobschütz liest sie bis heute.Monika Haget

Lesen Sie jetzt