Vier Wochen Dauerarrest nach sexuellem Übergriff auf Minderjährige

Amtsgericht Ahaus

Im Jahr 2015 soll ein Heeker eine Jugendliche zum Sex gezwungen haben. Das Jugendschöffengericht verurteilte ihn nun wegen sexueller Nötigung – nicht aber wegen Vergewaltigung.

Heek

, 21.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Wegen sexueller Nötigung und versuchter sexueller Nötigung wurde ein Heeker vom Jugendschöffengericht Ahaus verurteilt. Weil der Täter zur Tatzeit 2015 noch minderjährig war, verurteilte ihn das Gericht nach Jugendstrafrecht zu vier Wochen Dauerarrest. Außerdem muss er eine einjährige Sexualtherapie wahrnehmen, wie Sprecher und Gerichtsdirektor Benedikt Vieth mitteilte. Weil alle Beteiligten zur Tatzeit minderjährig waren, tagte das Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Vier mutmaßlich Opfer sagen vor Gericht aus

In einer aufwendigen Verhandlung mit fünf Verhandlungsterminen wurden dem inzwischen volljährigen Heeker insgesamt sechs Fälle von Nötigung und sexueller Nötigung vorgeworfen. Das Gericht vernahm vier mutmaßliche Opfer aus Heek, Rheine und Legden sowie weitere Zeugen. Die vier jungen Frauen hatten angegeben, vom Angeklagten im Jahr 2015 genötigt worden zu sein. Doch nicht allen von ihnen gelang es, das Gericht so zu überzeugen, dass es für eine Verurteilung reichte.

Verurteilt wurde der Heeker für einen Fall versuchter sexueller Nötigung und einen Fall sexueller Nötigung. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er versucht hatte, eine Jugendliche zur Herausgabe von Nacktfotos zu zwingen. Die beiden waren über einen Handy-Chat miteinander in Kontakt. Nachdem das Mädchen dem damals 15-Jährigen Unterwäsche-Fotos geschickt hatte, soll er mit einer Veröffentlichung gedroht haben, um sie zur Herausgabe von Nacktfotos zu zwingen. Die Jugendliche weigerte sich und schaltete die Polizei ein.

Gewaltsames Eindringen gilt nicht als Vergewaltigung

In einem anderen Fall traf er eine Jugendliche bei einer Feier und ging mit ihr spazieren. Nach Überzeugung des Gerichts warf er das Mädchen gewaltsam zu Boden und entkleidete sie. Anschließend sei er gegen ihren Willen in sie eingedrungen. Dass dies nicht zu einer Verurteilung wegen Vergewaltigung führte, sei eine Besonderheit des Jugendstrafrechts, erklärt Vieth. Während bei Erwachsenen bestimmte Voraussetzungen zu einem höheren Strafrahmen führen würden, sei dies im Jugendstrafrecht nach herrschender Meinung des Gerichts nicht der Fall.

Der Angeklagte äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Später behauptete er, es habe sich um einvernehmliche Handlungen gehandelt. Zumindest in den zwei genannten Fällen überzeugte er das Gericht damit nicht. In drei anderen Fällen wurde er freigesprochen. In einem Fall wurde das Verfahren eingestellt.

Mit dem noch nicht rechtskräftigen Urteil blieb das Gericht hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft zurück. Diese hatte eine Jugendstrafe von einem Jahr auf Bewährung zusätzlich zur Sexualtherapie gefordert.

Verteidiger fordert Freispruch für Angeklagten

Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert. Eine Jugendstrafe setzt voraus, dass dem Täter „schändliche Neigungen“ nachgewiesen werden können, nicht nur zur Tatzeit, sondern auch heute noch. Diese konnte das Gericht nicht mehr feststellen. Der Heeker hat inzwischen eine Ausbildung gemacht und ist in den vergangenen Jahren nicht mehr strafrechtlich auffällig geworden. „Da geht es auch um den Erziehungsgedanken“, so Vieth.

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