Volksbank erstattet Kunden entstandene Schäden nach Unregelmäßigkeiten

rnErmittlungen

Ein ehemaliger Volksbank-Mitarbeiter soll in Nienborg Kundengelder veruntreut haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit drei Monaten. Es sind noch viele Fragen offen.

Heek

, 27.07.2018, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit mehr als drei Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft Münster wegen des Verdachts der Untreue und der veruntreuenden Unterschlagung gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der Volksbank-Filiale in Nienborg. Den Bankkunden soll dabei ein Schaden von 240.000 Euro entstanden sein. Für Rechtsanwalt Werner Dillerup aus Münster, der einen der Geschädigten vertritt, stellt sich der Fall bislang „einigermaßen nebulös“ dar. Das sagte er am Donnerstag im Gespräch mit der Münsterland Zeitung.

Ende April war bekannt geworden, dass die Volksbank Gronau-Ahaus gegen ihren ehemaligen Mitarbeiter Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Münster gestellt hatte. Ins Rollen geraten war der Fall, als Werner Dillerups Mandant Unregelmäßigkeiten auf seinen Konten entdeckte (Münsterland Zeitung berichtete). Der Volksbank-Mitarbeiter, der schon vor Bekanntwerden der Vorwürfe in Ruhestand gegangen war, hatte unter anderem ohne Wissen des Kunden ein Konto eingerichtet und das Dispolimit bis zu einem Betrag von 30.000 Euro ausgeschöpft.

Volksbank spricht mit allen Geschädigten

„Für mich ist die Frage noch nicht abschließend geklärt, wie es zu der Gesamt-Schadenssumme von 240.000 Euro gekommen ist“, sagte Werner Dillerup. „Wurde das genau berechnet oder beruht die Zahl auf Erinnerungen des ehemaligen Mitarbeiters?“ Die Bank zeige sich nach Meinung des Anwaltes „zugeknöpft, was die Mitteilung von Ergebnissen angeht“. Für Rechtsanwalt Werner Dillerup ist auch noch nicht klar, ob der ehemalige Mitarbeiter der Bank in Nienborg allein handelte oder ob weitere Personen an den Kontenmanipulationen beteiligt waren oder davon wussten. Werner Dillerup: „Insgesamt ist aber wohl davon auszugehen, dass der Mann geständig ist.“

Jetzt lesen

Laut Werner Dillerup sei die Volksbank derzeit dabei, die Schadensfälle mit den Kunden abzuwickeln. Nach seinem Kenntnisstand sei mit jedem Geschädigten gesprochen worden. „In unserem Fall ist aber noch vieles unklar“, sagte der Rechtsanwalt für seinen Mandanten. „Zumal ich noch keine weitere Akteneinsicht bekommen habe.“ Ihm gehe es darum, aktuell für seinen Mandanten eine vorläufige Regelung zu treffen – noch keine endgültige. „Was ist mit finanziellen Schäden, die der Mitarbeiter verursachte, die aber von der Staatsanwaltschaft erst in der Zukunft aufgedeckt werden? Sie müssen geltend gemacht werden können.“

Weitere Betroffene haben sich beim Anwalt gemeldet

Einer von der Volksbank gewünschten abschließenden Regelung könne er für seinen Mandanten nicht zustimmen. Werner Dillerup präzisiert: „Eine solche Erledigungserklärung kann ich nicht abschließen. Ich kann meinen Mandanten ja nicht um seine Rechte bringen.“ Das finanzielle Angebot der Bank würde aber mit der aktuell bekannten Schadenshöhe seines Mandanten übereinstimmen.

Bei seiner Kanzlei in Münster hätten sich seit Bekanntwerden des Vorfalls Ende April weitere Geschädigte gemeldet, berichtete Rechtsanwalt Werner Dillerup. „Allerdings anonym.“ Eine anwaltliche Vertretung habe sich nicht ergeben. „Wahrscheinlich sind die Kunden mit der Bank finanziell zusammengekommen.“

Für die Volksbank Gronau-Ahaus nahm am Freitag Prokurist Norbert Hilbring Stellung. Der den Kunden entstandene finanzielle Schaden sei beglichen worden, erklärte er im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Sie seien so gestellt worden, als habe es keine Unregelmäßigkeiten gegeben. Weitere Verdachtsfälle seien nicht hinzugekommen. Die Volksbank sei dabei, alle internen Prozesse zu prüfen und die Abläufe anzupassen. Dass weitere Mitarbeiter an den finanziellen Manipulationen beteiligt gewesen seien, das habe die Bankenrevision nicht festgestellt.

Staatsanwaltschaft bleibt zurückhaltend

Ebenso zurückhaltend wie im April äußerte sich Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt auf Anfrage. Hieß es vor drei Monaten, die Staatsanwaltschaft Münster werde „in Ruhe prüfen“, teilte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft am Freitag schriftlich folgendes mit: „Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an.“ Die Ermittlungsakte sei zur Durchführung weiterer Ermittlungen versandt. „Daher kann ich Ihnen derzeit keine weiteren Auskünfte erteilen.“

Lesen Sie jetzt