Was das Osterfest meint und ist

Pfarrer Josef Leyer

Für Einkehr bleibt wenig Zeit: In den Tagen und Wochen vor Ostern hat Pfarrer Josef Leyer alle Hände voll zu tun. Da sind nicht nur die Gottesdienste vorzubereiten, da gibt es Führungen für Schulen zu begleiten, Gespräche zu führen und Kommunionunterricht. Und es gibt eine Gemeinde mit rund 100 Angestellten und zahllosen Schäfchen, die geführt gehört.

HEEK

, 25.03.2016, 14:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Was das Osterfest meint und ist

Pfarrer Josef Leyer von der Gemeinde Heilig Kreuz Heek hat im Pastorat immer eine offene Tür.

Dabei nähert sich mit Ostern für viele das höchste Fest der Christen. Und dazu gehört eine gute Predigt, die vorbereitet werden muss. „Muße“ brauche er dazu, sagt Pfarrer Josef Leyer, „eine gute Idee und einen guten Einstieg.“ Für ihn persönlich sei Ostern „das entscheidende Fest“, bedeutsamer als Weihnachten, „weil die Grundlage unseres Glaubens ist, was die Apostel damals motiviert hat, in die Welt zu gehen: die Begegnung mit dem Auferstandenen.“ Dass das Fest heute so sehr verbunden ist mit Konsum und Süßigkeiten-Handel, sehe er entspannt, sagt er. „Was ich aber merke ist, dass alles verschoben ist.“ Kaum beginne die Fastenzeit, lägen die Süßigkeiten schon in den Regalen.

Problematisch

Problematisch sind für den Geistlichen Entwicklungen wie diese: „Sowohl im Kommunionunterricht als auch bei den Firmlingen gibt es Kinder, die bei der Vorbereitung noch kein Kreuzzeichen können.“ Und würden in Quiz-Shows religiöse Themen abgefragt, täten sich enorme Wissenslücken auf, „sogar bei Dingen, die eigentlich selbstverständlich für uns sind.“

Darum werde er in der Osterpredigt versuchen, deutlich zu machen, „was Ostern meint und ursprünglich ist.“ Seine Richtschnur dabei: „Es geht immer um Erfahrungen und Inhalte.“ Will sagen: sich fragen, was die Lehre Christi mit dem eigenen Leben zu tun habe. An Ostern habe das mit Aufbruch zu tun, mit „Ermutigung zum Leben“.

Der Pfarrer lebt es vor – etwa, wenn er das Pfarrhaus für eine muslimische Flüchtlingsfamilie öffnet. Leyer deutet zum Obergeschoss hinauf. „Die Schritte, die sie hören, stammen von denen.“ Auch in das komplexe Thema Kirchenasyl hat er sich eingearbeitet, weil die Abschiebung eines Flüchtlings anstand, gegen die sich die Gemeinde wehrte. Er habe den Kirchenvorstand überzeugen müssen und in einem Schreiben an den Kreis Kirchenasyl angedroht. Am Ende ging es ohne. „Wir haben es dann geschafft, durch die Hilfe vieler.“

Berührungsängste gegenüber Andersgläubigen sieht der Pfarrer fehl am Platze. „Da kann doch nix passieren“, sagt er. „Wir müssen ja auch sonst zusammen leben können.“ Es sei vielmehr geboten, sich zu fragen, warum fünfmaliges Beten am Tag für uns Christen eine Provokation darstellte: „Wie ernst nehmen wir unseren Glauben?“ Zum Beispiel das Gebot der Nächstenliebe. „Wenn man nur ‚Guten Tag‘ sagt und lächelt –“, überlegt der Pfarrer, „das ist schon ein unglaubliches Signal.“ Außerdem lerne auch er viel dazu durch derlei Begegnungen.

Besser verstehen

Leyer ist überzeugt: „Wir sind gezwungen, uns intensiver mit unserem Glauben auseinander zu setzen – und mit dem Glauben der anderen, damit wir einander besser verstehen.“ Könnte so die Botschaft der Osterpredigt lauten? Leyer lacht: „Die passt eher nach Pfingsten.“ Auch habe er keine Sorge, dass ihm noch der zündende Gedanke komme. „Die kommt, die Idee.“

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