„Weltreise“: Warum es Jannik Bröcker (23) aus Heek wieder ins weit entfernte Laos zieht

rnHilfsprojekt in Laos

Manch einer nimmt seinen Jahresurlaub, um zu relaxen. Etwas, mit dem Jannik Bröcker (23) nichts anfangen kann. Er reist im November während seines Urlaubs nach Laos um Menschen zu helfen.

Heek

, 25.10.2019, 11:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

An praktisch jedem Wort, das der 23-jährige Heeker Jannik Bröcker wählt, merkt man, wie sehr ihn „seine“ Mission gepackt hat. Mit vielen weiteren ehrenamtlichen Helfern ist der Elektroniker über die Organisation „Elektriker ohne Grenzen“ auf Hilfsmission im weit entfernten Laos im Einsatz.

Nicht aktuell, aber am 4. November geht es für ihn zum zweiten Mal nach 2018 wieder in das gut 8500 Kilometer entfernte Land in Südostasien. Genauer gesagt in die Provinz Phongsali, in die größte und zugleich ärmste Region des Landes. Doch was in aller Welt verschlägt den jungen Heeker in diesen Teil der Welt?

Der Drang zu helfen, ist Jannik Bröckers Antrieb

Kurz gesagt: Sein innerer Drang zu helfen, etwas zu bewegen und die Welt ein klein bisschen besser zu machen. „Und, um den Menschen, gerade den Kindern, eine perspektive zu ermöglichen“, erklärt der 23-Jährige im Gespräch mit dieser Redaktion.

Und das, was Jannik Bröcker und seine Projekt-Kollegen auf die Beine stellen, kann sich sehen lassen. Denn das beinhaltet den Aufbau von Photovoltaik-Systemen in sechs Dörfern der Provinz Phongsali. Dadurch sollen bis zum Projektende 2020 insgesamt 300 Haushalte und 7 Schulen in den Genuss von Strom kommen.

Nur während der Regenzeit ruhen die Arbeiten

Mitten im Dschungel, weit weg von dem, was ein Mitteleuropäer vermutlich unter Zivilisation versteht, arbeiten Jannik Bröcker und Kollegen Wochen für Woche in den Bergdörfern der Provinz Phongsali an ihrem Ziel. „Wir machen das im Wechsel. Es ist praktisch immer wer vor Ort“, sagt der 23-Jährige. Zumindest zwischen November und April. „In den übrigen Monaten ist das Arbeiten dort wegen der Regenzeit praktisch unmöglich.“

„Weltreise“: Warum es Jannik Bröcker (23) aus Heek wieder ins weit entfernte Laos zieht

Ein Blick in eine andere Welt: In so einem Bergdorf in der Provinz Phongsali in Laos ist Jannik Bröcker mit seinem Team unterwegs, um möglichst viele PV-Anlagen zu installieren. © Privat

2018, bei seinem ersten Trip nach Laos, war Jannik Bröcker sogar über Weihnachten in Südostasien. „Das wird es in diesem Jahr nicht geben. Da würde meine Familie ein Veto einlegen“, sagt er lachend. Aber vier Wochen (bis zum 29. November) werden es dennoch. Praktisch sein gesamter Jahresurlaub. „Ich habe eine tollen Arbeitgeber, der mich unterstützt. Sonst wäre das alles nicht möglich.“

Das Material liegt schon in den Bergdörfern bereit

Und dieses Mal sei sein Tatendrang noch größer als im vergangenen Jahr. Der Grund dafür ist nachvollziehbar. „Dieses Mal ist das gesamte Material für die PV-Anlagen bereits in die Dörfer transportiert worden. Wir können also direkt mit dem Aufbau beginnen.“

Anders als im Jahr 2018, als die Dorfbewohner und die Projektmitarbeiter das Material zunächst noch kilometerweit durch den Dschungel tragen mussten. „Das hat leider viel von der Zeit vor Ort gekostet.“

150 Haushalte und bereits vier Schulen mit Strom versorgt

Das Material der PV-Anlagen wurde dafür eigens aus Frankreich auf dem Seeweg in großen Containern angeliefert. „Damit wir gute Qualität garantieren können.“ Die Batterien, Leuchtmittel und Co. würde die Regierung bereitstellen. „Sie freuen sich ja, dass wir hier etwas bewegen“, erklärt Bröcker die Unterstützung.

„Weltreise“: Warum es Jannik Bröcker (23) aus Heek wieder ins weit entfernte Laos zieht

Jannik Bröcker (r.) berichtet hörbar „angetan“, wie herzlich und offen die Menschen in Laos zu ihm und seinen Kollegen seien. © Privat

Aktuell, so sagt der 23-Jährige, seien 150 Haushalte und bereits 4 Schulen mit Strom versorgt. „Gerad für die Kinder ist das enorm wichtig, da sie tagsüber arbeiten müssen und erst abends Zeit haben, in die Schule zu gehen. Doch ohne Strom wäre das nicht möglich.“ Stichwort: Dunkelheit.

„Wilde Hunde mit Tollwut oder Magenverstimmungen muss man einfach in Kauf nehmen.“
Jannik Bröcker

Die Gefahren vor Ort muss man in Kauf nehmen

Obwohl die Verständigung mit teilweise zwei Dolmetschern erfolgen muss, sei das Miteinander vor Ort einfach „ganz besonders“. „Man merkt immer und überall, wie dankbar uns die Menschen sind“, so Jannik Bröcker.

Und die Gefahren, die in solche einem Land lauern, lassen den Heeker praktisch kalt. „Wilde Hunde mit Tollwut oder Magenverstimmungen muss man einfach in Kauf nehmen.“ 2018 habe er auch eine Woche mit Magenproblemen flach gelegen. „Was soll mach machen? Die Hygiene ist dort eben eine andere als bei uns.“

Eine klare Zielsetzung ist nicht möglich

Angesprochen auf die Zielsetzung für den kommenden Trip, muss der 23-jährige Elektroniker einen Moment überlegen. Dann sagt er: „Das ist schwierig. Mit dieser deutschen Eigenschaft, alles zu planen und festzulegen, kommt man da nicht weit. Wir müssen einfach schauen, was wir schaffen.“

Übrigens sucht der Jannik Bröcker noch händeringend nach Sponsoren, die ihn und damit das Projekt unterstützen möchten. Hintergrund: Der 23-Jährige muss praktisch alles, angefangen bei den Impfungen und endend bei der Flugreise, aus eigener Tasche bezahlen. Ein Stange Geld. „Ich freue mich über jede noch so kleine Spende“, sagt Jannik Bröcker.

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