Im Netz verbreiteten sich die Stellenausschreibungen rasend schnell. Allerding kamen sie nicht überall gut an. © privat
Wirtschaft in Heek

Witzige Büscher-Stellenausschreibung ruft geteiltes Echo hervor

Fachkräftemangel kennt auch der Containerdienst Büscher. Darum schaltete das Unternehmen witzige Stellenanzeigen in den Sozialen Medien. Die Resonanz? Riesig. Doch das Echo war geteilt.

Geboten werden „KollegInnen aus der Hölle“, „unsympathische Chefs“, „weitgehend stupide Aufgaben“ und „eine Büroausstattung aus den 60ern in luftigen Kellerräumen“.

Erwartet wird im Gegenzug die Fähigkeit, „Kompetenz und Sachverstand bei völliger Ahnungslosigkeit“ auszustrahlen – schöner kann man sich einen Arbeitsplatz doch kaum vorstellen.

Und tatsächlich war das Interesse an der vom Containerdienst Büscher in mehreren sozialen Netzwerken ausgeschriebenen Stelle „eines Sesselpupsers/einer Sesselpupserin“ riesig. Über Nacht 800 Klicks – für eine Stellenanzeige in der Verwaltung.

Anzeigen wecken großes Interesse

Eine, die normalerweise zwischen Katastrophen und Hundewelpen schnell und reaktionslos in den unbeachteten Tiefen des Internets verschwindet. Bei so einer Resonanz im Netz hätte manch ein Influencer Freudentränen geweint.

„Personal ist überall ein großes Thema. Es ist für Unternehmen schwierig, Fachkräfte zu bekommen“, sagt Thomas Overbeeke, Geschäftsleiter und Prokurist bei Büscher. Und laut Stellenanzeige dort „der Typ, auf dem sowas hängen bleibt“.

Zusammen mit Assistentin Janine Laakmann hatte er überlegt: „Wie können wir die Leute besser erreichen?“ Das Ergebnis waren die „Sesselpupser“-Suchanzeige sowie weitere nach einem „Erbsenzähler“ (Wiegemeister) und „Sonntagsfahrern“ (Lkw-Fahrer).

Am vergangenen Mittwoch (13.10.), kurz bevor er in den Feierabend ging, schaltete Overbeeke die ironisch-witzig formulierten Stellenangebote auf diversen Social-Media-Kanälen scharf. Als er am nächsten Morgen an seinen Schreibtisch zurückkehrte, lagen in seinem Mailpostfach schon sechs Bewerbungen, zwei davon im gleichen Stil geschrieben wie die Stellenangebote.

Ausschreibungen „gehen steil“

„Wir waren ganz euphorisch über die wahnsinnige Resonanz“, beschreibt Janine Laakmann die Stimmung beim ersten Blick auf die Reaktionen. „Die Ausschreibungen sind im Netz total steil gegangen“, so Thomas Overbeeke.

Oft würden auf Stellengesuche im herkömmlichen Stil nur wenige Bewerbungen eintrudeln und dann meist erst nach einigen Tagen. Sechs Stück innerhalb von wenigen Stunden seien absolut außergewöhnlich. Bis dahin schien das Experiment also ein Erfolg zu sein.

Doch dann schrillten im Büro die Alarmsirenen: Einige Kollegen in den Abteilungen, für die neue Mitarbeiter gesucht werden, fanden die ironischen Beschreibungen ihrer Aufgabengebiete gar nicht lustig, sondern fühlten sich und ihre Arbeit durch den flapsigen Tonfall in der Anzeige lächerlich gemacht.

„Nicht nur für uns, sondern als allererstes für die Firma Büscher ist das absolut peinlich, solche Anzeigen zu schalten“, klagte ein Mitarbeiter in einer Mail. „Einen Erfolg kann ich da nicht erkennen, wenn man sich auf ein solches Niveau begibt.“

Verständnis für Ironie ist unterschiedlich

Das Verständnis für Ironie ist offenbar ganz unterschiedlich ausgeprägt, mussten Thomas Overbeeke und Nadine Laakmann anhand der Kollegen-Reaktionen feststellen. Und zogen deshalb die Notbremse, entfernten die Stellenanzeigen wieder aus den sozialen Netzwerken und ersetzten sie durch herkömmliche.

Komplett im Papierkorb verschwinden sollen die flapsig formulierten Suchanzeigen aber nicht. „Wir wollen sie umarbeiten, damit sie nicht mehr ganz so extrem sind – aber witzig bleiben“, sagt Thomas Overbeeke. Natürlich unter Abstimmung mit den Kolleginnen und Kollegen.

Schade findet es der Geschäftsleiter dennoch, dass die Suche nach „Sesselpupsern“ und „Erbsenzählern“ so schnell beendet werden musste. „Ich hatte gestern noch einen Bewerber am Telefon, der fragte, wie lange am Tag er denn Erbsen zählen dürfe.“ An Reaktionen hat es jedenfalls nicht gemangelt.