13 Antworten zur gescheiterten Schulpartnerschaft

Diskussionsabend

Emotional, aber sachlich – so verlief die Diskussion zur gescheiterten Schulpartnerschaft zwischen Nordkirchen und Ascheberg. Die Eltern brachten am Mittwochabend in der Aula an der Bahnhofstraße ihre Bedenken vor, Verwaltung, Bezirksregierung und Politik bezogen anschließend Stellung. Die Hauptpunkte der Diskussion im Einzelnen.

ASCHEBERG

, 17.02.2017, 12:15 Uhr / Lesedauer: 3 min
13 Antworten zur gescheiterten Schulpartnerschaft

Mehr als 200 Menschen waren zum Infoabend in die Aula der Profilschule gekommen.

Wieso ist es überhaupt zur Schulpartnerschaft gekommen?

Bürgermeister Dr. Bert Risthaus ging dazu noch einmal ganz an den Anfang zurück: Für das laufende Schuljahr 2016/17 hatten sich gerade mal 63 Kinder für die Profilschule angemeldet, davon zehn Flüchtlingskinder. Die Mindestanforderung für eine Dreizügigkeit – 69 Kinder – war also nicht mehr gegeben.

Das hätte doch ein einmaliger Ausrutscher sein können?

Der Schulentwicklungsplan, aufgestellt vom Büro „Biregio“, sah das anders: Die Prognose ging von weniger Schülern aus, sodass die Profilschule alleine auch in Zukunft nicht die erforderliche Schülerzahl erreichen würde.

Was lag den Plänen von Biregio zugrunde?

Unter anderem eine Befragung der Eltern, an die auch Risthaus am Mittwochabend noch einmal erinnerte: „Eine Mehrheit der Eltern wollte eine Schule mit Abiturangebot.“ Am Ende seien sich Verwaltung und Politik einig gewesen, dass eine Partnerschaft mit der Gesamtschule Nordkirchen die sinnvollste Lösung für Ascheberg ist.

Musste die Partnerschaft so schnell umgesetzt werden?

„Es war ein zügiges Tempo, das stimmt“, so Risthaus. Man hatte jedoch die Befürchtung, dass das Projekt bei einem Jahr Wartezeit zerredet werden könnte, weshalb sich alle Beteiligten für einen schnellen Start ausgesprochen hatten. „Außer die Gesamtschule Nordkirchen selbst. Dort hätte man lieber ein Jahr gewartet.“

Hätte man nicht auf das Votum der Gesamtschule Rücksicht nehmen müssen?

Klare Antwort von Risthaus: „Nein, hätten wir nicht.“ Die Mehrheit der Beteiligten war der Ansicht, dass die Zeit bis zum Schuljahr 2017/18 ausreichen würde.

Viele Eltern haben behauptet, nicht ausreichend informiert worden zu sein. Ist das möglich?

Laut Risthaus nicht: „Es gab Infoveranstaltungen, Flyer, eine Internetseite, öffentliche Sitzungen. Mehr konnte man eigentlich nicht tun.“ Auch die Bezirksregierung positionierte sich: „Die Informationslage war sehr gut, weshalb uns ja auch die Tatsache überrascht hat, dass nur 28 Eltern sich für den Standort Aschberg entschieden haben“, sagte Bernhard Kock.

Auch die Vorgabe, bei der Anmeldung einen Standort wählen zu müssen, stieß auf Kritik. War diese Abfrage wirklich notwendig?

„Die Einrichtung einer Schule oder eines Standorts kann nur erfolgen, wenn auch der Bedarf vorhanden ist“, so Bernhard Kock. „Um diesen zu ermitteln, war die Abfrage zwingend notwendig.“

Viele Eltern behaupten, ihnen wäre die Bedeutung der Standortwahl nicht klar gewesen. Warum hat man nicht nach dem Ergebnis des Anmeldeverfahrens die von Bürgermeister Dr. Bert Risthaus geforderte zweite Befragung durchgeführt?

Bernhard Kock: „Wir müssen mit Fakten arbeiten, und die waren eindeutig: Trotz der guten Informationslage hat es nicht für den Teilstandort Ascheberg gereicht. Die Diskrepanz war ja enorm.“ Folglich sei klar gewesen, dass die geplante Schulpartnerschaft nicht gelingen kann. „Wir müssen schulgesetzlich ein stringentes Verfahren einhalten und stehen unter Zeitdruck“, so Kock. „Außerdem würden wir uns in eine rechtlich unsichere Position bringen.“ Wieso konnte eine Lösung mit vier Zügen in Nordkirchen und zwei Zügen in Ascheberg nicht realisiert werden? Laut Klaus Pläger von der Bezirksregierung sei diese Variante beiden Kommunen empfohlen worden. „Man hätte ja beide Anträge stellen können – einmal den für das Modell „drei-drei“, der ja bei entsprechender Anmeldezahl in jedem Fall zum Zuge gekommen wäre, und einmal den für „vier-zwei“, um auf der sicheren Seite zu sein.“ Risthaus erklärte, dass er und der Schulausschussvorsitzende Christian Ley (SPD) eine entsprechende Dringlichkeitsentscheidung unterzeichnet hatten, die aber von der Politik wieder kassiert worden sei. Auch Nordkirchen hatte sich gegen „vier-zwei“ entschieden.

Warum wollte die Ascheberger Politik kein „Vier-zwei-Modell“?

Die Politiker befürchteten offenbar, dass ein zweizügiger Standort Ascheberg auf Dauer an Qualität gegenüber dem Standort Nordkirchen eingebüßt hätte. „Die inklusiven Schüler hätten sich zudem in Ascheberg auf zwei Klassen verteilt, in Nordkichen auf vier“, so Maria Schulte-Loh (CDU). Deshalb hätte Ascheberg bei diesem Modell nur verlieren können.

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Maria Schulte-Loh warf der Bezirksregierung außerdem vor, durch das Ansprechen der „Vier-zwei-Möglichkeit“ überhaupt erst für Verunsicherung gesorgt zu haben. Ist das korrekt?

Klaus Pläger widersprach diesem Vorwurf vehement. „Wir haben in der Infoveranstaltung am 14. Dezember verschiedene Optionen angesprochen. Ich verwehre mich dagegen, dass daraus jetzt konstruiert wird, wir wären für die Verunsicherung verantwortlich.“ Brigitte Schulte pflichtete ihrem Kollegen bei: „Die Verunsicherung ist viel früher entstanden, nämlich durch Gerüchte und Schlechtrederei.“

Nun haben Eltern offen erklärt, dass Sie bei der Standortwahl beeinflusst worden sind. Sind das auch Gerüchte?

Klaus Pläger bestätigte, dass es während des Anmeldeverfahrens entsprechende Hinweise aus der Elternschaft gegeben habe. „Allerdings waren diese Hinweise bisher anonym, weshalb sie für ein Verfahren nicht brauchbar wären.“ Außerdem glaube die Schulaufsicht nicht an diese Manipulationen: „Nach Darstellung der Schulleitung ist die Beratung der Eltern sachgemäß gelaufen. Gleiches gilt auch für das Anmeldeverfahren.“

Wie kommt die Bezirksregierung zu diesem Schluss?

Klaus Pläger führte als Beleg Zahlen an: Zum einen gab es online eine Vorabfrage, bei der sich drei Viertel der Eltern, die nachher ihr Kind tatsächlich an der Gesamtschule Nordkirchen angemeldet haben, registrierten. „16 Prozent davon haben den Standort Ascheberg gewählt“, so Pläger. Bei der tatsächlichen Anmeldung dann seien es 17 Prozent für Ascheberg gewesen. „Es gibt nur eine minimale Differenz, obwohl online Eltern absolut unbeeinflusst ihren Standort wählen konnten. Folglich ist es unwahrscheinlich, dass es eine Beeinflussung in den Gesprächen gab.“

Und wenn Eltern bei ihrer Darstellung bleiben?

„Dann brauche ich das schriftlich und mit Namen“, so Klaus Pläger. Es würde zu einem Verfahren kommen. „Aber den Eltern muss klar sein, was das bedeutet.“

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