Apfelernte fällt in Herbern geringer als 2016 aus

Blütenfrost als Ursache

Die Apfelernte läuft landesweit auf Hochtouren. Aber die Ernte sieht in diesem Jahr generell nicht rosig aus – das mussten auch Bewohner der Suchtklinik Release erfahren. Sie pflückten bei einem therapeutischen Projekt weniger Äpfel von den Streuobstwiesen in der Region als im Vorjahr.

HERBERN

, 26.09.2017 / Lesedauer: 3 min

Die Apfelernte läuft landesweit auf Hochtouren. Aber die Ernte sieht in diesem Jahr generell nicht rosig aus, die früh- bis mittelfrüh blühenden Bäume haben Frost bekommen, wie die Landwirtschaftskammer mitteilt.

„Es ist ein Wettlauf um die Äpfel“, meint Hans-Georg Schulze Wartenhorst auf Anfrage unserer Redaktion. Der Arbeitstherapeut der Suchtklinik Release, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Pomologenverein, betreut in der Herberner Einrichtung das sogenannte Apfelsaft-Projekt „Münsterländer Streu“.

Release-Bewohner pflücken Äpfel und kümmern sich um die Bäume

Gemeinsam mit den Patienten pflückt der Pomologe Chaussee-Äpfel und Äpfel verschiedener Streuobstwiesen. „Das Tafelobst wird hinterher zu Saft verarbeitet oder geht in den Verkauf auf dem Münsteraner Wochenmarkt“, erläutert der Landschaftsökologe.

Mit Erlaubnis der Gemeinden Ascheberg, Senden, Drensteinfurt und Lüdinghausen dürfen sich die Bewohner bedienen, gleichwohl kümmern sie sich dann im Gegenzug um die Pflege und Beschneidung der Bäume. „Es ist traurig, wenn wir uns die ganze Mühe gemacht haben und dann ist der Baum, der eh nicht viel trägt, geplündert“, beklagt er beispielsweise in Seppenrade eine Ertragseinbuße von 60 bis 70 Prozent.

Ernte fällt deutlich geringer aus gegenüber 2016

Witterungsbedingt fällt die Ernte gegenüber 2016 landesweit um etwa 30 bis 40 Prozent geringer aus, stellt die Landwirtschaftskammer fest. Das läge vor allem an dem Blütenfrost im April und an der feucht-kalten Witterung im Frühjahr. „Bei diesem Wetter ist die heimische Honigbiene nicht so aktiv und verlässt nur selten ihren Bienenstock, so dass es zu einer deutlich schlechteren Befruchtung gekommen ist.“

Auch bei Bernhard Storksberger in Horn ist die Ernte so unterschiedlich wie selten. Am Dienstag waren die Pflücker der Suchtklinik auf seiner privaten Streuobstwiese, die er der Einrichtung zur Verfügung stellt. In seinem Garten wachsen noch ganz alte Sorten, er zeigt auf den hochgewachsenen Gülderling aus den 1920er-Jahren.

Betroffen von den geringen Erträgen sind auch bei ihm die frühen bis mittelfrühen Sorten wie Jakob-Lebel oder Dülmener Rose. Einen Totalausfall verzeichnet auch Storksberger beim Boskop. Den spätblühenden Bäumen wie beispielsweise der roten Sternrenette oder dem rheinischen Winterrambour hat der Frost nichts angetan. „Der Gloster-Baum hingegen hängt bis unten hin voll“, sagt er.

Apfelmosterei nimmt die gesammelten Früchte entgegen

Die Äpfel dürften allerdings nicht lange auf der Erde liegen. Sie faulen dann und die Würmer gehen in die Früchte. „Im nächsten Jahr sind sie dann wieder da“, sagt er und bittet die Pflücker, die Äpfel von der Erde aufzulesen.

Einen starken Rückgang der Ernte beklagt auch die Apfelmosterei Schenk an der Merschstraße. Der Betrieb nimmt das Obst der Gartenfreunde entgegen, presst es und füllt den Saft direkt für die Kunden an Ort und Stelle ab. „In diesem Jahr beträgt die abgegebene Menge nur etwa ein Achtel des Vorjahres“, stellt Bernardin Schenk fest. In geschützten Lagen seien die Apfelbäume vom Frost nicht so stark betroffen wie auf dem Land.

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