Arbeitsagentur betrogen: Komplexes Firmen-Netz

Gerichtsprozess

Fast eine halbe Million Euro soll ein 67-jähriger Mann aus Ascheberg von der Arbeitsagentur in zahlreichen Städten - darunter Dortmund, Lünen und Selm - ergaunert haben. Vor Gericht hat er inzwischen mit seiner Aussage begonnen. Und dabei wurde deutlich, wie verstrickt das mutmaßliche Netz aus Scheinfirmen war.

ASCHEBERG/DORTMUND

07.06.2016, 12:45 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Betrugsprozess gegen einen 67-jährigen Mann aus Ascheberg verlangt der 43. Strafkammer des Dortmunder Landgerichts einiges ab. Der Angeklagte, dem vorgeworfen wird, von der Arbeitsagentur fast eine halbe Million Euro ergaunert zu haben, hat inzwischen mit seiner Aussage begonnen. Und dieser können die Zuhörer stellenweise kaum folgen.

Mit Bezeichnungen und Namen jongliert

Am Dienstag jonglierte der Ascheberger dermaßen flink mit Firmenbezeichnungen, Namen von Geschäftspartnern und angeblichen internationalen Beziehungen, dass ihn der Vorsitzenden Richter mehrmals zum Innehalten ermahnen musste. „Es tut mir leid, das sind leider sehr komplexe Angelegenheiten“, entgegnete der Angeklagte einmal. Der Richter darauf: „Oh ja, das sind es.“

Von einem Geständnis ist der 67-Jährige dabei meilenweit entfernt. Sämtliche Arbeitsverträge, die laut Anklage nur geschlossen wurden, um bei offiziellen Stellen Zuschussleistungen beantragen zu können, nennt er „richtig“ und „korrekt“.

Mehrmals die Adresse gewechselt

Und auch an der Tatsache, dass er im mutmaßlichen Tatzeitraum ab 2004 innerhalb weniger Monate mehrmals seine Meldeadresse wechselte und seine Post wahlweise bei der Geliebten eines Freundes, einer eigenen Geliebten oder seiner Noch-Ehefrau abholte, kann der Ascheberger überhaupt nichts Merkwürdiges finden.

Die Tatorte
Die Staatsanwaltschaft hat eine Vielzahl von Fällen zusammen getragen. Die Tatorte lagen demnach in Dortmund, Lünen, Selm, Lüdinghausen, Coesfeld, Warendorf, Unna, Rheine, Dresden und Osnabrück.

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