Aschebergs neuer Pfarrer Schürmeyer stellt sich vor

Im Interview

Am 18. September ist die Vakanz in St. Lambertus vorbei: Dann wird Stefan Schürmeyer als neuer Pfarrer eingeführt. Er tritt die Nachfolge von Carsten W. Franken an, der im März überraschend zurückgetreten war. Mit unserer Redaktion traf sich der 39-Jährige zum Interview.

ASCHEBERG

, 26.08.2016, 17:29 Uhr / Lesedauer: 3 min
Aschebergs neuer Pfarrer Schürmeyer stellt sich vor

Aschebergs neuer Pfarrer Stefan Schürmeyer.

Herr Schürmeyer, Sie werden am 18. September als Pfarrer in Ascheberg eingeführt. Was machen die Umzugspläne?

Es sieht gut aus. Das Ascheberger Pfarrhaus ist natürlich toll. Es fehlen noch einige Möbel und vor allem Lampen, aber das wird schon.

 

Was wissen Sie über Ascheberg?

Ich ziehe jetzt zum vierten Mal in acht Jahren um. In der Regel wusste ich wenig bis gar nichts über die Orte, in die ich gekommen bin. Und das war auch gut so. Ich habe darauf geachtet, mir nicht vorab irgendwelche Meinungen einzuholen, sondern die Leute vor Ort zu erleben und dann durch Gespräche meine Eindrücke zu gewinnen.

 

Also ist Ihnen Ascheberg völlig unbekannt?

Ich kenne die Situation der Kommune und weiß auch, dass die Beziehung zwischen Herbern und Ascheberg nicht ganz einfach ist. Aber ich sehe hier in der gesamten Kirchengemeinde gutes Potenzial und blicke optimistisch in die Zukunft.

 

Was macht Sie so optimistisch?

Schwierig wird es da, wo der eine dem anderen das Gute nicht gönnt. Das ist hier, glaube ich, nicht der Fall. Hier herrscht ein gewisser Lokalpatriotismus, der Freude daran hat, das Vorhandene im eigenen Ort nicht nur am Leben zu erhalten, sondern weiterzuentwickeln. Und das ist sicher nicht das Schlechteste.

 

Was ist Ihrer Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg bei der Arbeit mit einer so unterschiedlichen Gemeinde?

Die Frage ist doch, ob ich die Vielfalt der Charaktere als Gewinn sehe, oder ob ich lieber alles zentralisiert sehen möchte. Wenn es uns gelingt, einander gegenseitig zu akzeptieren, kann das bei allen Enthusiasmus und Gestaltungsfreude wecken. Und sind wir mal ehrlich: Alles andere würden den Heiligen Geist doch plattmachen.

 

Als Kaplan hatten Sie bisher keine Leitungsaufgaben inne. Sind Sie vor ihrer ersten "richtigen" Pfarrstelle aufgeregt?

Während der Zeit als Kaplan ist man eigentlich sehr nah dran am Pfarrer, so dass ich schon eine gewisse Vorstellung von dem habe, was mich erwartet. Einzig mit Personalsteuerung habe ich weniger Erfahrung. Aber hier wird mir hoffentlich zum einen mein BWL-Studium helfen, wo Personal mein Schwerpunkt war. Zum anderen gibt es zum Glück in jeder Kirchengemeinde und in der Zentralrendantur kompetente Leute, die einem da zur Seite stehen.

 

Also gar nicht aufgeregt?

Ich würde es Vorfreude nennen. Mein Leitspruch ist Psalm 37, Vers 5: "O Gott, ich befehle dir meinen Weg, ich vertraue auf ihn, er wird es wohl machen." So gesehen bin ich sehr froh über den Weg, den er mir hier bereitet hat. Natürlich überwiegt zu Beginn die rosarote Brille, die Dinge, die nicht so gut laufen, bemerkt man erst später. Aber das sind eben die Herausforderungen, die dazugehören.

 

Wie kommt man nach einem BWL-Studium dazu, Pfarrer zu werden?

Mein Studienschwerpunkt lag im Organisationsbereich von Krankenhäusern. Da kam irgendwann die Frage auf: "Willst du wirklich mit Leuten zu tun haben, ohne das dir was daran liegt? Die einfach nur 'Human Ressources' sind?" Darauf hatte ich keine Lust. Nach meinem Abschluss in BWL habe ich am Lehrstuhl der Theologischen Fakultät gearbeitet und darüber die Gemeindearbeit näher kennengelernt. Und gemerkt, dass das wirklich was für mich ist.

 

Wie schwierig ist die Arbeit eines Pfarrers in einer Zeit, in der unsere Gesellschaft durch Terrorismus, Rechtspopulismus und Egoismus in Frage gestellt wird?

Ich würde das gar nicht so drastisch formulieren. Das Christentum verpflichtet meiner Meinung nach zu einer gewissen Grundgelassenheit und zu Optimismus. Wir können gemeinsam ganz viel schaffen, im Großen wie im Kleinen. Wir müssen es nur in Angriff nehmen.

 

Wie soll das gehen, wenn immer weniger Katholiken in die Kirche gehen?

Bei meiner pastoralen Arbeit bekomme ich Kritik zu hören, die mitunter auch berechtigt ist. Aber alle Menschen, die sich selbst nicht mehr so nah bei der Kirche sehen und ihren Zustand kritisieren, erkennen auch: Ich bin noch nicht ganz fertig damit. Sie beschäftigen sich weiter mit der Entwicklung und sind auch bereit, daran mitzuwirken – selbst wenn sie nicht jeden Sonntag in die Messe kommen. Und das macht mich doch sehr zuversichtlich.

Zur Person
-Stefan Schürmeyer (39) stammt aus Borgloh am Teutoburger Wald.
-Er studierte in Münster Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Personal-Organisation im Krankenhaus (Bachelor-Abschluss 2005) und Theologie sowie Christliche Sozialwissenschaften auf Diplom, (Abschluss 2006).
-Seine Diplomarbeit in Christlichen Sozialwissenschaften handelte von dem Thema Ehrenamtsarbeit.
-Nach der Priesterweihe lauteten seine Stationen Xanten (2008 bis 2010 als Diakon), Stadtlohn (2010 bis 2013) und Vechta (2013 bis 2016, jeweils als Kaplan).

 

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