Asylverfahren unter einem Jahr "die Ausnahme"

Flüchtlinge in Ascheberg

Durchschnittlich vier, fünf Monate soll ein Asylverfahren dauern – in der Theorie. Die Praxis sieht für viele Flüchtlinge, die derzeit in Ascheberg leben, anders aus. Sie verbringen ihr Leben im Stillstand. Eine Situation, die sowohl für die betroffenen Menschen als auch für die Gemeinde unbefriedigend ist.

ASCHEBERG

, 14.04.2016, 14:53 Uhr / Lesedauer: 1 min
Asylverfahren unter einem Jahr "die Ausnahme"

Die meisten Flüchtlinge, die in Ascheberg leben, müssen noch darauf warten, bis ihr Asylverfahren in Gang kommt.

„Von den 291 Flüchtlingen bei uns haben erst 69 einen Asylantrag gestellt“, sagt Sozialamtsleiter Helmut Sunderhaus. Die anderen müssen noch warten. Verfahren unter einem Jahr sind die Ausnahme. „Das ist unbefriedigend.“

Warten: Das ist ein Wort, das Flüchtlinge kennen, selbst wenn sie ansonsten bislang kaum Deutschkenntnisse haben. Sie warten auf das eigentliche Asylverfahren, das über ihre Zukunft in Deutschland entscheidet.

Jetzt lesen

Gemeinde hat keinen Einfluss auf Bearbeitung

Die Mehrheit der Ascheberger Flüchtlinge (184, Stand: 14. April 2016) hat erst eine sogenannte Büma: eine „Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender“, wie Sunderhaus erläutert. Sie gilt als Identitätsdokument und weist nach, dass sich die Person in Deutschland befindet, um einen Asylantrag zu stellen, aber noch in keinem laufenden Asylverfahren ist. Die Gemeinde Ascheberg kann diese Wartezeiten nicht beeinflussen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) kommt nicht schnell genug hinterher, um die aufgestaute Antragsflut abzuarbeiten. Erst Mittwoch wurde bekannt, dass das Bamf Wirtschaftsprüfungsgesellschaften um personelle Hilfe gebeten hat. Bereits im Herbst 2015 hatte es Hilfskräfte bei anderen Bundesbehörden, bei Bundeswehr, Zoll, Arbeitsagentur, Post und Telekom gesucht.

43 Flüchtlinge haben es schon geschafft

Immerhin: 43 Flüchtlinge in Ascheberg haben schon geschafft, worauf die anderen noch warten: Sie sind anerkannt, können ihren Aufenthaltsort selbst bestimmen, einen Integrationskurs machen, sich krankenversichern lassen und Arbeit suchen. Bis sie ein eigenes Einkommen haben, erhalten sie Hartz IV. „17 von ihnen wohnen noch in Flüchtlingseinrichtungen, die anderen haben schon eine eigene Wohnung gefunden“ – einige wenige auch außerhalb von Ascheberg. „Ich weiß von einem jungen Mann, der in Münster in eine Wohngemeinschaft gezogen ist.“

In der nächsten Woche haben sechs Flüchtlinge einen Termin, um bei der Bamf-Außenstelle in Bielefeld ihren Asylantrag zu stellen. „Sie kommen alle aus sicheren Herkunftsländern“, so Sunderhaus. Er rechnet damit, dass sie deshalb wohl keine Anerkennung bekommen.

291 Flüchtlinge leben zurzeit in der Gemeinde Ascheberg, darunter 201 Männer und 90 Frauen.
In Herbern leben 131 Flüchtlinge davon 30 unter 18 Jahre), in Ascheberg 147 und in Davensberg 13. Sobald die neue Flüchtlingsunterkunft in Davensberg fertig ist (voraussichtlich Mitte Mai), gibt es dort Platz für 70 Flüchtlinge.
Aus 28 Ländern stammen die Flüchtlinge: von Afghanistan bis zur Türkei. Das Gros (58) kommt aus dem Bürgerkriegsland Syrien.

 

Lesen Sie jetzt