Nur noch gähnende Leere? Schausteller kehren der Benediktus-Kirmes in Herbern den Rücken

rnBenediktus-Kirmes 2019

Die Benediktus-Kirmes in Herbern verliert seit Jahren an Attraktivität. Die Schausteller bleiben weg, ein Feuerwerk wird es in diesem Jahr nicht geben. Ist das das Warten aufs Ende?

Herbern

, 08.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Benediktus-Kirmes auf der Talstraße in Herbern findet in diesem Jahr vom 12. bis 14. Juli statt – das aber mit weniger Ausstellern als im vergangenen Jahr. „Während die Bewerberzahlen bei den beiden anderen Veranstaltungen in Ascheberg und Davensberg stabil sind, sinkt das Interesse der Schausteller an einer Teilnahme in Herbern von Jahr zu Jahr rapide“, kommentiert die Gemeinde.

So werden in Herbern erneut weniger Geschäfte vertreten sein. Abgesagt haben der Musik-Express, ein Stand mit Dosenwerfen und ein Bierwagen. Auch die Weinlaube der kfd Herbern, die 2018 auf der Kirmes Premiere feierte, wird es ein zweites Mal nicht geben.

Nur noch ein großes Fahrgeschäft

„Ich möchte die letzten noch verbliebenen Schausteller nicht nötigen, uns Frei-Chips auszuhändigen.“
Rolf Kehrenberg, Ordnungsverwaltung

„Besonders schmerzlich“, so die Gemeinde, „ist der Verlust des Musik-Express.“ So wird es mit dem Autoscooter nur noch ein großes Fahrgeschäft auf der Festwiese geben. Die Familie Rasch als Eigentümer des Musik-Express, die über Jahrzehnte auf der Benediktus-Kirmes vertreten war, bedauere die Entscheidung sehr – aus wirtschaftlichen Gründen sei sie aber alternativlos.

Und so sehen es wohl auch andere. Ein Ersatzgeschäft konnte die Verwaltung nicht finden. „Wir waren bemüht, die Lücke zu schließen“, sagt Rolf Kehrenberg aus der Ordnungsverwaltung der Gemeinde Ascheberg. „Aber wenn die Schausteller mich fragen, warum der eine nicht mehr kommt, kann ich schlecht sagen, dass er sich in Herbern die Taschen vollgemacht hat.“ Das würde schlicht nicht der Wahrheit entsprechen.

Kirmes verliert weiter an Attraktivität

Zwei Anläufe habe Bürgermeister Dr. Bert Risthaus in der Vergangenheit unternommen, die Kirmes einzustellen, doch die Politik entschied anders. Rolf Kehrenberg mutmaßt, dass sich die Veranstaltung verlieren wird. „Das ist kein Phänomen aus Herbern“, sagt der Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung. „Viele Schausteller sagen mir, dass das in vielen kleinen Orten so ist.“

Das Problem: Die Katze beißt sich in den eigenen Schwanz. Durch immer weniger Schausteller verliert die Kirmes an Attraktivität. Wird sie uninteressant, kommen weniger Besucher – wirtschaftlich ein Flop für die Schausteller. Vor allem für die, die einen Wareneinsatz haben, also Essen ausgeben und Getränke ausschenken.

Kein Feuerwerk, kein Chip-Werfen

Während der Kirmes vom 12. bis 14. Juli wird für die Haltestelle Talstraße in Herbern keine Ersatzhaltestelle eingerichtet. Der Bürgerbus umfährt die Haltestelle und bedient die Route davor und danach wie gewohnt.

Das Feuerwerk fällt in diesem Jahr aus. Der Schausteller, der es im vergangenen Jahr organisierte, bleibt weg. Das Chip-Werfen zur Eröffnung – eine stets beliebte Aktion bei den Kindern im Ort – fand 2017 zum letzten Mal statt. „Das kann es nicht mehr geben“, sagt Kehrenberg. „Ich möchte die letzten noch verbliebenen Schausteller nicht nötigen, uns Frei-Chips auszuhändigen.“

Voraussichtlich werden auf der Kirmes in Herbern 13 Geschäfte aufgebaut: der Autoscooter als großes Fahrgeschäft, der Dschungelexpress als Kinderfahrgeschäft, drei Ausspielungsgeschäfte, drei Imbissstände, vier Süßwarenstände und ein Ausschank.

Eröffnet wird die Benediktus-Kirmes am Freitag (12. Juli) um 17 Uhr durch den stellvertretenden Bürgermeister Bernhard Pettendrup im „karibischen Biergarten“ auf dem Amtsplatz. Ausklingen werden die beiden ersten Veranstaltungstage mit einer Musik- und Tanzveranstaltung im „karibischen Biergarten“.

Die Öffnungszeiten: Freitag, 12. Juli, von 17 bis 1 Uhr; Samstag, 13. Juli, von 14 bis 1 Uhr; Sonntag, 14. Juli, von 11 bis 24 Uhr.
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