Billiges Heizöl in Corona-Krise: „Was derzeit passiert, ist verrückt“

rnCorona-Krise in Herbern

Das Heizöl ist in der Corona-Krise derzeit so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Eine Herberner Energiehandelsfirma erklärt, woran das liegt und gibt Tipps, was Käufer nun tun sollten.

Herbern

, 28.04.2020, 15:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was sich derzeit auf dem Weltmarkt für Heizöl abspiele, nennt Tim vor dem Gentschenfelde „einfach verrückt“. Er arbeitet bei der Schmidt Energiehandel GmbH in Herbern und beobachtet seit Wochen, wie der zum Erliegen gekommene Welthandel den Weltpreis für Heizöl immer weiter hat sinken lassen. Zum Vorteil der Kunden.

Zu normalen Zeiten liege der Nettopreis Heizöl bei 50 bis 60 Cent pro Liter. Seit das Coronavirus in China ausgebrochen ist und sich dann über alle Kontinente in alle Länder ausgebreitet hat, ist dieser Preis weiter und weiter gefallen. Jetzt liege er zwischen 35 und 45 Cent, so vor dem Gentschenfelde. Seit zwei Wochen bewege sich der Preis auf diesem Niveau.

Nach Klopapier und Masken kommt Heizöl

„Die Leute hamstern bis zum geht nicht mehr, es ist das gleiche wie mit dem Klopapier“, sagt vor dem Gentschenfelde und muss ein bisschen lachen. Denn das Heizöl sei günstig und die Deutschen machten sich die heimischen Heizöltanks voll. „Was auch total richtig ist in meinen Augen.“ Eine derartige Nachfrage hat allerdings auch Auswirkungen: „Derzeit verkaufen wir pro Tag doppel so viel Öl, wie wir ausliefern können“, sagt vor dem Gentschenfelde. Und die Lieferzeit sei von ein bis zwei Wochen auf zehn bis 12 gestiegen.

Derartige Preisentwicklungen habe er zuletzt im Februar 2016 erlebt, als durch den günstigen Wechselkurs zum Dollar der Heizölpreis für den Europäischen Markt sank. Noch stärker aber habe sich zuletzt die Weltwirtschaftskrise 2008 auf den Heizölpreis ausgewirkt, als die Immobilienblase in den USA platzte.

Mit den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in China seit Jahresbeginn waren dort weite Teile der Wirtschaft zum Erliegen gekommen. „China ist einer der größten Ölimporteure der Welt“, sagt vor dem Gentschenfelde. Weil dort weniger Heizöl benötigt wurde, wurde auch weniger verbraucht. Die Nachfrage sank. Das Angebot nicht.

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„Die ganze Weltwirtschaft liegt am Boden“

„Die ganze Weltwirtschaft und die Weltnachfrage liegen am Boden“, sagt der Experte. Vor den US-Küsten etwa lägen derzeit Öl-Tanker, die Händler mieteten, um das billige Öl zu lagern. Denn das Anmieten eines Tankers für das billige Öl sei gerade günstiger, als das Öl zum Normalpreis zu kaufen. „Allein der gesamte Flugbetrieb liegt ja lahm.“ In Frankfurt starte in diesen Tagen nur jeder zehnte Flieger.

Werke, die zugemacht hätten, würden derzeit nun auch nicht mehr beliefert. „Der ganze Lkw-Verkehr findet ja auch nicht statt“, so der Fachmann. Hinzu käme der wegfallende Autoverkehr durch Privatpersonen, die nun entweder im Home Office arbeiteten oder wegen Kurzarbeit nicht mehr jeden Tag zur Arbeit fahren müssen. „Im Moment wird Kerosin unters Heizöl gemischt. Deshalb haben wir gerade so gutes Heizöl wie lange nicht mehr“, so vor dem Gentschenfelde. „Es ist so unvorstellbar, was da gerade passiert.“

Die Organisation erdölexportierender Länder, kurz OPEC genannt, hat deshalb zum 1. Mai eine Fördermengenkürzung angekündigt. Zum einen will das Kartell dann weniger Öl fördern und zum anderen weniger exportieren. Dadurch, so vor dem Gentschenfelde, wolle die OPEC den niedrigen Heizölpreis wieder steigen lassen. In vier bis acht Wochen, so rechnet der Fachmann, werde sich der Ölpreis wieder normalisiert haben.

Statistik: Preisentwicklung ausgewählter OPEC-Rohöle in den Jahren 1960 bis 2020 (in US-Dollar je Barrel) | Statista
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Vor dem Gentschenfelde empfiehlt allen, die sich bisher noch nicht mit Heizöl eingedeckt haben, sich nun für das kommende Jahr zu bevorraten. Auch, weil nun immer wieder etwa Risikoaufschläge einkalkuliert würden, etwa für Niedrigwasser auf dem Rhein, über den das Öl transportiert wird. „Meiner Meinung nach kann man bei diesem Preisniveau gerade nichts falsch machen. Da sind wir unten angekommen. Es gibt nicht mehr allzu viele Argumente, die den Preis weiter senken können“, sagt vor dem Gentschenfelde.

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