Carsharing und Co. - der holprige Weg zum „Mobilitätskonzept“

Mobilitätskonzept

Carsharing, bessere Radwege, angepasste Buslinien - das, was man bei der Gemeinde Ascheberg mit dem Mobilitätskonzept erreichen will, klingt vielversprechend. Doch der Weg dahin ist holprig.

Ascheberg

, 19.08.2020, 15:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ob mit dem Rad, dem Auto oder dem Bus - mit ihrem Mobilitätskonzept will die Gemeinde Ascheberg an mehreren Stellen den Hebel ansetzen.

Ob mit dem Rad, dem Auto oder dem Bus - mit ihrem Mobilitätskonzept will die Gemeinde Ascheberg an mehreren Stellen den Hebel ansetzen. © Production Perig - Fotolia

Ende Februar stattete NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst der Gemeinde Ascheberg einen Besuch ab. Im Gepäck hatte der Minister eine Urkunde. Die gab es aber nicht, weil die Verkehrssituation in Ascheberg besonders vorbildlich wäre. Das Dokument bestätigte lediglich den Beitritt der Gemeinde zum „Zukunftsnetz Mobilität NRW“, einem Unterstützungsnetzwerk, das den Kommunen helfen soll, nachhaltige Mobilitätskonzepte zu erarbeiten und umzusetzen - auch vor dem Hintergrund der Klimadebatte.

Schon ein Jahr zuvor hatte in Ascheberg der „Arbeitskreis Mobilität“ seine Arbeit aufgenommen, um Antworten auf jede Menge Fragen rund um den Straßenverkehr zu finden: Wo hapert‘s in der Gemeinde? Wie gut ist man aufgestellt? Was fehlt? Was will man?

Und was man wollte, war auch relativ schnell klar. Unter anderem sollte ein Carsharing-Angebot geschaffen werden, hieß es Ende 2019. Aber bitte mit E-Autos und E-Lastenrädern. Doch bis das Gesamtkonzept steht, muss noch eine ordentliche Strecke zurückgelegt werden.

Ein paar Interessenten fürs Carsharing in Ascheberg

Ja, beim E-Carsharing habe es einige Interessenten - nämlich 13 aus Ascheberg und „ein paar weniger“ aus Herbern und Davensberg - gegeben, sagte Thomas Stohldreier, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales, am Dienstag (18. August) in der Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses. Und ja, es handle sich dabei auch um Fahrgäste und nicht bloß um die Carsharing-Firma: „Allerdings hat uns Corona zuletzt einige Schwierigkeiten bereitet. Das Interesse, sich ein Auto zu teilen, ist gerade nicht so groß.“

Was die E-Lastenräder betrifft, sei man mit den Fahrradhändlern der Gemeinde in guten Gesprächen. Die würden einige Exemplare testweise anschaffen. Um mal zu schauen, wie‘s läuft. Wirklich schnell läuft es in Sachen Mobilitätskonzept gerade allerdings nicht. Das liege auch an Corona - aber nicht ausschließlich. „Wir müssen noch einmal den Bedarf abfragen“, so Stohldreier. Denn eine umfassende Befragung ist eine der drei großen Etappen auf dem Weg zum Mobilitätskonzept.

Carsharing und Co. - der holprige Weg zum „Mobilitätskonzept“
„Wir werden das Rad hier nicht neu erfinden.“
Thomas Stohldreier

Ab November sollen möglichst viele Haushalte und Unternehmen befragt werden: Sind die Buslinien gut abgestimmt? Ist der Arbeitsplatz gut erreichbar? Inwiefern muss der Radverkehr optimiert werden? Auch hier weiß die Gemeinde teils bereits, was sie will: Die „Ascheberg-Poller“ sollen als Abstellmöglichkeiten für Fahrräder dienen und hier produziert werden, zu einem Stückpreis von 350 Euro. „Wir werden das Rad nicht neu erfinden“, sagt Stohldreier. Abschließen sollen die Bürger ihre Räder an dem Poller trotzdem können.

Auf einer Radtour durch Herbern habe man kürzlich zudem bereits die eine oder andere Stelle gesehen, an der verkehrstechnisch Verbesserungsbedarf besteht, so der Fachbereichsleiter. Da seien ein paar „Stolperfallen und Kanten“ aufgefallen. Welche Stellen genau das betrifft, werde man in der nächsten Sitzung erläutern - wenn die Späher auch die Ortsteile Davensberg und Ascheberg unter die Lupe genommen haben.

Immerhin eine Sache ist der Gemeinde jetzt schon sicher: eine finanzielle Förderung in Höhe von 14.700 Euro von der Bezirksregierung Münster. Mehr sei für eine kleine Gemeinde wie Ascheberg nicht rauszuholen. Außer vielleicht weitere Erkenntnisse - um all die Fragezeichen hinter dem großen Konzept dann irgendwann mal ausradieren zu können.

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