Johannes Waldmann (2.v.l.), SPD-Bundestagskandidat aus Davensberg, zeigte sich bei der RN-Wahlarena kämpferisch. Deutliche Worte fand er etwa zum zweiten Gleis auf der Bahnstrecke zwischen Dortmund und Münster. © Schaper
Bundestagswahl 2021

„Das ist mir zu billig“ – Johannes Waldmann mit deutlichen Worten in der Wahlarena

Jugendlicher Johannes oder doch Wahlkämpfer Waldmann? In der Wahlarena präsentierte sich Bundestagskandidat Johannes Waldmann (SPD) aus Davensberg durchaus kämpferisch.

Auch die Schalke-Fahne im Hintergrund auf einem seiner Bilder und die Frage danach konnten Johannes Waldmann nicht aus der Ruhe bringen. Und das obwohl er sich gerade im Lensing-Carrée mitten in Dortmund befand. Mit dem für ihn typischen leichten Lächeln auf den Lippen meisterte er die Wahlarena dieses Medienhauses mit den anderen Kandidaten des Wahlkreises Coesfeld-Steinfurt II am Montagabend (13. September).

Man merkte ihm seine Erfahrungen aus der Arbeit in der Kommunalpolitik deutlich an. Auch darin, jede Chance zu nutzen. So zählte er auf die Frage von Redakteurin Sylvia vom Hofe, was das schöne an seiner Heimat Davensberg ist, nicht etwa die Besonderheiten des Dorfes im Münsterland auf, sondern setzte gleich den ersten Akzent in Richtung Wahlkampf. „Wenn man so lange in einem Dorf wohnt, hat man ein Gespür dafür, wie man die Zukunft gestalten kann, das treibt mich an. Ich will nicht einfach alles laufen lassen, sondern aktiv Politik betreiben.“

Waldmann will sich für gleiche Zukunftschancen einsetzen

Auch im weiteren Verlauf zeigte er sich kämpferisch. Die drei Minuten, die er hatte um seine politischen Ziele vorzutragen, nutze er auf die Sekunde genau aus. Sein zentrales Anliegen: gleiche Zukunftschancen für alle. „Als Hauptschullehrer erlebe ich jeden Tag, wie ungleich die Zukunftschancen verteilt sind.“ Er will sie für alle Kinder und Jugendlichen verbessern.

Immer wieder nutzte er deutliche Worte. So halte er den Satz „Bildung ist Ländersache“ etwa für „grundfalsch“. Außerdem hielt er ein kurzes Plädoyer für den Kanzlerkandidaten der SPD: „Ich werbe sehr für Olaf Scholz. Seine Erfahrung und seine Durchsetzungskraft tun unserem Land gut.“

Gleichzeitig fand er aber durchaus auch lobende Worte in Richtung der scheidenden Kanzlerin: „Frau Merkel ist 16 Jahre im Amt und hat das im Großen und Ganzen gut gemacht.“ In der abschließenden Fragerunde hob Waldmann das Krisenmanagement der Kanzlerin während der Flüchtlingskrise hervor: „Das wird einer ihrer historischen Verdienste bleiben.“

Waldmann „Das ist mir zu billig“

Deutliche Worte fand Waldmann auch immer wieder gegenüber den anderen Kandidaten. So reagierte er etwa auf die Kritik von Dr. Anne-Monika Spallek, Kandidatin der Grünen, an der Corona-Politik. Er verwies darauf, dass die Grünen an elf Landesregierungen beteiligt seien und so auch an der Corona-Politik ihren Anteil hatten. „Eine fundamentale Position, zu sagen an der Pandemiebekämpfung ist alles Mist, das ist mir zu billig.“

Zum zweiten Gleis zwischen Münster und Dortmund hatte er ebenfalls eine klare Meinung: „Etwas Pragmatismus wäre vielleicht auch mal angebracht. Wenn man die Bahnstrecke über Wochen ertüchtigt, warum dann nicht gleich das Problem des zu schmalen Bahndammes mitbearbeitet wird, das erschließt sich mir jetzt nicht.“ Und etwas Ironie durfte in diesem Zusammenhang auch nicht fehlen: „Vielleicht, weil ich erst 32 Jahre alt bin oder weil ich noch nicht im Bahntower war“, konnte sich Waldmann eine Spitze gegen Marc Henrichmann (CDU) nicht verkneifen.

Der derzeitige Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis hatte im Vorhinein öfter erwähnt, dass er im Zuge der Gespräche zu dem zweiten Bahngleis öfter im Bahntower gewesen sei. Henrichmann konterte aber auf das Argument, dass man den Bahndamm gleichzeitig hätte verbreitern können: „Das wäre der größte Fehler, den wir hätten machen können, weil wir dann eine Strecke gehabt hätten, wo die Züge nicht hätten schnell fahren können. Deswegen brauchen wir einen kompletten Neuaufbau der Strecke.“

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