Dürfen Schützen auf "Donald Trump" schießen?

Diskussion um Vogeltaufe

Der Jubel war groß, als sich Peter Hölscher am Wochenende mit dem 185. Schuss die Königswürde beim Schützenfest von St. Katharina Berg und Tal und der Kolpingsfamilie Ascheberg sicherte. Im Nachgang gab es allerdings Irritationen um den Namen des Vogels: Donald Trump.

ASCHEBERG

, 31.08.2017, 18:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dürfen Schützen auf "Donald Trump" schießen?

Peter Hölscher bei seinem Siegesschuss auf den Vogel "Donald Trump".

Pascal Kehrenberg hatte die Rechte am Vogelbau ein Jahr zuvor ersteigert. „Das ist bei uns Tradition“, erklärt Martin Weiß, Vorstandssprecher der Ascheberger Kolpingsfamilie, auf Anfrage unserer Redaktion. „Und wer den Vogel ersteigert, darf ihm natürlich auch einen Namen geben, der bis zur Taufe geheim bleibt.“

Damit hätten beide Vereine zunächst mal nichts zu tun. Und so taufte Pascal Kehrenberg die Holzfigur schließlich „Donald Trump“, was im Schützenverein für Schmunzeln gesorgt hatte.

Doch nicht alle fanden diese Namensgebung lustig, wie sich im Nachgang des Schützenfestes offenbarte. Ein Leser stellte unserer Redaktion die Frage, wie denn wohl der nächste Vogel heißen soll. „Angela Merkel vielleicht?“ Außerdem sei es merkwürdig, dass Vereine, die der Kirche nahestünden, hunderte Schüsse auf Objekte abfeuern, die Namen realer Personen tragen – wie auch immer man zu ihnen stehen mag.

Keine Bedenken bei Donald Trump

Dass ein Schützenvogel tatsächlich mal „Angela Merkel“ heißen würde, kann Michael Frye, Brudermeister von St. Katharina Berg und Tal, allerdings ausschließen. „Da würden wir vom Vorstand intervenieren.“ Ohnehin müsste der Vogelbauer dem Gremium bereits vor der offiziellen Taufe den Namen mitteilen, um genau solche Situationen von vornherein auszuschließen.

Bei Donald Trump, gibt Frye zu, habe man keine Bedenken gehabt. „Ganz ehrlich: Das ist auch ziemlich weit weg.“ Die Kritik am Schießwesen hält der Brudermeister für überzogen: „Das ist schließlich nur symbolisch. Wir schießen doch nicht auf echte Personen.“

In Herbern gibt es die Tradition der Vogeltaufe nicht – oder besser: nicht mehr. „Das ist irgendwann eingeschlafen“, sagt Heiner Laxen, Vorsitzender der Bürgerschützen, einem von drei Herberner Schützenvereinen. „Aber es ist vorstellbar, dass es das wieder geben wird. Momentan beschäftigen wir uns allerdings nicht damit.“

Wenn die Vogeltaufe zurückkehren würde, sei es für ihn klar, dass „wir dann keine Persönlichkeitsrechte verletzen“. Es ist allerdings höchst unwahrscheinlich, dass sich Donald Trump in Ascheberg meldet.  

Redakteur Daniel Claeßen kommentiert das Thema:

Symbol und Botschaft

Als ich zum ersten Mal von dem Schützenvogel namens Donald Trump gelesen habe, musste ich lachen. Ich fand die Idee im ersten Moment gut: Der US-Präsident ist schließlich jemand, an dem man sich hervorragend abarbeiten kann. Und immerhin: Er hat es geschafft, einem Schützenfest so etwas wie eine politische Dimension zu geben.

Ich kann allerdings auch jene Menschen verstehen, die in einer solchen Namensgebung einen Tabubruch sehen. Auch wenn es nur symbolisch gemeint ist – die Botschaft, die man mit einem Gewehr aussendet, ist ziemlich eindeutig. Und wenn das Ziel statt eines Gegenstandes plötzlich eine Persönlichkeit ist, wird es definitiv schwierig.

Wo also die Grenze ziehen? Bei allen realen Personen? Oder nur bei jenen, die noch leben? Oder bei deutschen Politikern? Ich weiß es nicht. Was ich weiß: Die Diskussion um den Namen ist kein Grund, eine Tradition abzuschaffen. Nur vielleicht überlegt es sich der nächste Vogelbauer zweimal, wie er seine Figur nennt.

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