Probierstation für E-Zigaretten im Rewe sorgt für Aufregung

rnRewe Ascheberg

Der Anblick von Tabakwaren im Kassenbereich der Lebensmittelläden gehört zum gewohnten Bild. Ungewohnt ist eine neue Probierstation für E-Zigaretten im Rewe Ascheberg. Die sorgt für Ärger.

von Claudia Hurek

Ascheberg

, 25.01.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit einiger Zeit sorgt ein Aufsteller mit E-Zigaretten direkt im Kassenbereich bei Rewe Frenster für Empörung bei Kunden. Dort kann der Einkäufer direkt, während er seine eingekauften Waren auf das Laufband legt, die E-Zigarette testen.

Dazu liegen versiegelte Mundstücke bereit, die der Kunde dann nur auf den Tester setzen muss, um anschließend loszudampfen.

Für Kundin Sara Schwienhorst (33) ein absolutes „No-Go“. In einer an die Geschäftsleitung von Rewe Frenster gerichteten E-Mail machte sie ihrem Unmut klar und deutlich Luft und erbat eine Stellungnahme.

Zahlen des Gesundheitsministeriums

Trend zur E-Zigarette seit 2007

Die Zahl der Raucher sinkt bereits seit vielen Jahren kontinuierlich. Zahlen des Gesundheitsministeriums belegen, dass 1995 noch 13 bis 16 Zigaretten pro Tag und Raucher die Regel waren; inzwischen sind es nur noch 9 bis 10. Seit dem Jahr 2007 geht der Trend hin zur sogenannten E-Zigarette, einem Gerät, das durch eine elektrisch beheizte Wendel das sogenannte Liquid zum Verdampfen bringt. Aber ebenso wie bei den herkömmlichen Zigaretten ist das Rauchen in den meisten öffentlichen Räumen und Verkehrsmitteln untersagt, der Verkauf an Kinder und Jugendliche verboten.

In der Antwort-Mail von Inhaber Heinz-Jürgen Frenster heißt es unter anderem: „…ich verstehe Ihre Bedenken (...) Sollen wir nun alle kein Auto mehr fahren (…) Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff oder mit dem Flugzeug stornieren? Eine gewisse Gelassenheit bei diesen Themen sollen wir alle unseren Mitmenschen zugestehen (…) die Industrie, die hinter diesen Produkten steht, ist für unseren sehr guten Wohlstand mitverantwortlich.“

Kundin sagt: „Das hat mich so richtig wütend gemacht“

„Das hat mich so richtig wütend gemacht“, sagt Sara Schwienhorst, der die Empörung noch deutlich anzumerken ist. „Es geht mir gar nicht darum, dass E-Zigaretten hier verkauft werden sollen, sondern lediglich darum, dass in Gegenwart von Kindern diese Dinge direkt an der Kasse getestet werden können. Ich habe doch als Kundin gar keine Möglichkeit, dem aus dem Weg zu gehen.“

Auf Nachfrage unserer Redaktion verwies Heinz-Jürgen Frenster an die Pressestelle der Rewe Dortmund. Die wiederum verwies unsere Anfrage zurück an Frenster mit den Worten: „Die von Ihnen angesprochene Promotion-Aktion führt ein selbstständiger Kaufmann auf Eigeninitiative in Kooperation mit dem Unternehmen Reemtsma durch, die mit der Rewe Dortmund im Vorfeld nicht abgesprochen wurde…“.

Probierstation für E-Zigaretten im Rewe sorgt für Aufregung

Sara Schwienhorst (l.) und Sarah Wenge ärgern sich über die E-Zigaretten-Probierstation beim Rewe in Ascheberg © Claudia Hurek

Als wir den Ascheberger Rewe-Händler daraufhin noch einmal ansprachen, bot er an, die E-Zigaretten vorzustellen. „Sie sollten sich hierzu ein Bild vor Ort machen, da diese Zigaretten mit normalen E-Zigaretten nicht viel gemeinsam haben, da diese fast keine Rauchentwicklung haben.“

Krebsforschungszentrum

Gesundheitliche Bedenken

Bereits im Jahr 2014 äußerte das deutsche Krebsforschungszentrum gesundheitliche Bedenken zum Gebrauch der E-Zigarette, die auch beim Passivraucher Atemwegsirritationen auslösen kann.

Unter den Kunden ist eine Diskussion über das Thema entstanden. „Ich habe mit einigen Freunden und Bekannten gesprochen, die ebenfalls bei Rewe einkaufen und denen diese Aktion ebenfalls bitter aufstößt“, sagt Schwienhorst.

Hilde Schöpper (61) hat für diese Aktion ebenfalls nur ein Kopfschütteln übrig. „Ich habe 45 Jahre geraucht und es stört mich überhaupt gar nicht, wenn geraucht oder gedampft wird. Aber im Kassenbereich eines Lebensmittelgeschäftes geht so etwas doch mal gar nicht.“ Auch Kundin Sarah Wenge (31) kann dem nur zustimmen.

Für Sara Schwienhorst ist ein Einkauf beim Rewe in Ascheberg so lange tabu, wie der Aufsteller dort installiert ist. „Wenn konsequent, dann richtig“, sagt die Mutter zweier Töchter. „Sonst macht das ja alles keinen Sinn.“

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Kommentar der Autorin Claudia Hurek. Etwas mehr Fingerspitzengefühl hätte ich vom Geschäftsinhaber schon erwartet. Schließlich bestreitet er seinen Lebensunterhalt durch die Einkäufe seiner Kundschaft. Er ganz allein hat die Entscheidung getroffen, diesen Aufsteller zu installieren. Durch seinen Laden werden kaum Kreuzfahrtschiffe fahren oder Flugzeuge fliegen, die dort die Luft „verpesten“ könnten, wie er in seiner Antwort auf eine Kunden-Reklamation schreibt. Es werden hier ja nicht die Raucher oder der Vertrieb des Rauchzubehörs verunglimpft, sondern lediglich das Testen der E-Zigaretten in einem Bereich kritisiert, den die Kunden auf jeden Fall durchlaufen müssen. In keinem Restaurant, in fast keiner Kneipe oder in keinem öffentlichen Bereich ist Rauchen erlaubt. In einem sensiblen Bereich, in dem Lebensmittel verkauft werden und in dem sich durchaus auch viele Kinder aufhalten, ist dies, wenn auch nur zu Testzwecken, möglich? Dafür fehlt mir dann als sehr toleranter ehemaliger Raucher das Verständnis.
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