Eiermann Hugo: "Momentan haben die Leute Angst"

Interview zum Fipronil-Skandal

Schon mit 13 Jahren hat Hugo Billermann im Familienbetrieb mitgeholfen. "Sogar in der Schule habe ich Eier an meine Lehrer verkauft", erinnert sich der 44-Jährige, den in Herbern alle als "Eier-Hugo" kennen. In Sachen Ei macht ihm also niemand etwas vor. Was er - und seine Kunden - zum Fipronil-Skandal sagen, lesen Sie im Interview.

HERBERN

, 08.08.2017 / Lesedauer: 3 min

Haben Sie nach dem Skandal Umsatzeinbußen gehabt oder kommen jetzt noch mehr Leute zu Ihnen, anstatt beim Discounter zu kaufen?

Ich sag mal so: Momentan haben die Leute Angst. Und in sechs Wochen geht es dann wieder über den Preis. Außerdem kriegen Sie ja im Moment bei Aldi nix. Wenn es da wieder Eier gibt, werden die Leute auch wieder da kaufen. Dass die Verbraucher jetzt beim Bauern kaufen, ist ein Kurzeffekt. Ob das Langzeitgedächtnis da mitmacht, weiß man nicht. Ich glaube, das wäre das Ehrlichste, was ich dazu sagen kann.

Sie glauben also, dass Kunden grundsätzlich mehr Wert auf Qualität legen sollten?

Ich habe 3000 Privatkunden, das sind schon sehr viele. Und die legen auch sehr hohen Wert auf Qualität. Sie wissen, dass sie die bei mir bekommen. Aber ich kann mich auch daran erinnern, dass ich bei einer Preiserhöhung schon einmal viele Kunden verloren habe.

Also ist der Preis am Ende doch wichtiger als die Qualität?

Es gibt manchmal diese Doppelmoral: In einem Fernsehbericht, den ich einmal gesehen habe, haben bei einer Umfrage 90 Prozent der Befragten gesagt, dass sie Fleisch und Gemüse immer beim Bauern kaufen und nur zehn Prozent beim Discounter. Am Ende war es genau anders herum. Was nützen die strengen Vorschriften bei uns, wenn wir Paprika aus China und Kartoffeln aus Mexiko kaufen?

Wer trägt Ihrer Meinung nach die Schuld an dem Skandal?

Das ist doch klar: Gepanscht hat die Industrie. Und das war ganz klipp und klar eine Straftat.

Wie werden denn die Hühnerställe in Ihrem Betrieb gereinigt?

Früher wurden die Wände in allen Betrieben mit Kalk gereinigt. Bei uns wird ein Stall leer gemacht und dann gründlich mit dem Hochdruckreiniger abgewaschen. Das habe ich heute noch gemacht. Und zwar ganz einfach mit viel Wasser. In 31 Jahren habe ich da noch nie Medikamente gebraucht. Das ist wie bei einem schmutzigen Kind: Mit viel Wasser kriegt man viel ab (lacht).

Das klingt ja ganz gelassen.

Wir kennen uns mit unseren Tieren bestens aus. Die Eier unserer Tiere sind nicht belastet und unsere Hühnchen bekommen ihr eigenes Futter. Da sind wir ganz relaxt. Wir gehen der gesamten Entwicklung entspannt entgegen – und dann sehen wir, was kommt.

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