EU wirft Auge auf Bahnstrecke Dortmund-Münster

Chance auf zweites Gleis

Bekommt der Ausbau der Bahnstrecke zwischen Dortmund und Münster neuen Schwung? Eine Besucherin aus Straßburg am Ascheberger Bahnhof weckt zumindest diese leise Hoffnung. Denn nicht nur angrenzenden Kommunen wie Lünen, Werne und Nordkirchen wünschen sich ein zweites Gleis - auch die Europäische Union hat Interesse daran.

ASCHEBERG

, 21.09.2016, 05:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
EU wirft Auge auf Bahnstrecke Dortmund-Münster

EU-Verkehrsexpertin Catherine Trautmann zwischen (v. l.) Landrat Christian Schulze Pellengahr, dem örtlichen Europa-Parlamentarier Markus Pieper, Bürgermeister Bert Risthaus und dem CDU-Vorsitzenden Dietmar Panske. Gegen 17 Uhr, als das Bild entstand, fuhren noch Züge, eine Stunde später war die Strecke gesperrt.

Catherine Trautmann (65) hat am Montag um 18.05 Uhr in Ascheberg in den Zug steigen wollen. Dass das überhaupt eine Nachricht ist, hat mit ihrem Beruf zu tun: Die Französin ist Koordinatorin für den EU-Verkehrskorridor Nordsee-Baltikum. Die Bahnstrecke Lünen-Münster, an der Ascheberg liegt, ist ein Teil davon. Trautmann will sich dafür einsetzen, dass dort bis 2030 Hochgeschwindigkeitszüge fahren können. Voraussetzung dafür: ein zweites Gleis.

Diese „europäische Dimension“ könnte das Projekt Gleisbau, das seit Jahrzehnten auf der Stelle tritt, beflügeln. Das hoffen zumindest Aschebergs Bürgermeister Bert Risthaus, Landrat Christian Schulze Pellengahr und der CDU-Vorsitzende Dietmar Panske, die Montagnachmittag die prominente Bahnfahrerin am Ascheberger Bahnhof begrüßten.

EU interessiert sich für Ausbau der Strecke zwischen dem Ruhrgebiet und Hamburg

In der Begleitung der EU-Parlamentarierin, die der Sozialdemokratischen Partei Europas angehört, war ihr Kollege Markus Pieper, der für die CDU das Münsterland in Straßburg und Brüssel vertritt. Er sieht in dem europäischen Ansinnen, die Bahnstrecke Ruhrgebiet-Hamburg zur Hochgeschwindigkeitsstrecke auszubauen, auf der Züge mit 250 Stundenkilometern verkehren, eine große Chance für die Region. „Der Ball liegt jetzt im Spielfeld Nordrhein-Westfalens und Deutschlands“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Ihr gemeinsames Ziel müsse sein, dass das zweite Gleis Lünen-Münster in den „vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans komme – also in die oberste Kategorie. Bislang ist das Projekt nur in der zweithöchsten Kategorie („potenzieller Bedarf“). Dafür locke auch ein finanzieller Anreiz: Sollten Land und Bund das Projekt so weit vorantreiben, dass es baureif ist, „dann bietet die EU einen Investitionskostenzuschuss von 30 Prozent“. Im Bundesverkehrswegeplan ist nicht von einem kompletten Ausbau, sondern von einem Bau in Abschnitten die Rede. Diese Aussicht auf die Finanzspritze aus Brüssel könnte schon jetzt Wirkung entfalten, wie Catherine Trautmann auf Englisch erklärte: „Das kann in die Wirtschaftlichkeitsberechnung mit einfließen". Ein Faktor, der die Kosten-Nutzen-Analyse positiv beeinflussen könne.

Wie wahrscheinlich ist es, dass 2030 ein Hochgeschwindigkeitszug über das zweite Gleis auf der Strecke Dortmund-Münster saust?

Auf eine solche Schätzung ließ sich Trautmann nicht ein. Zu viele Projekte habe sie in ihrem Korridor zu betreuen, darunter auch den Ausbau von Wasserwegen. Dennoch: „Es ist ein weiterer Anstoß“, so Landrat Schulze Pellengahr. Aus Catherine Trautmanns geplanter Zugfahrt um 18.05 Uhr ist übrigens nichts geworden. Die Bahnstrecke war gesperrt, nachdem in Derne ein Mensch vom Zug erfasst worden war.

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