Diplom-Ingenieur Jens Hasse vom Deutschen Institut für Urbanistik aus Berlin war am Dienstagabend (23. November) in den Nachhaltigkeits- und Mobilitätsausschuss zugeschaltet. © Spiller
Klimawandel in Ascheberg

Experte zum Bauen der Zukunft: „Das Einfamilienhaus ist die schlechteste Bauweise“

Ascheberg muss umdenken, wenn es auch in Zukunft noch einen lebenswerten Wohnraum für seine Mitbürger schaffen möchte. Ein Bauexperte stellte im Nachhaltigkeitsausschuss Lösungen vor.

Ein nachhaltiges Haus zu bauen kann aus mehr bestehen, als am Ende eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach zu setzen. Viel mehr. Das war das Ergebnis des Fachvortrages von Diplom-Ingenieur Jens Hasse, der als Experte vom Deutschen Institut für Urbanistik von der Gemeindeverwaltung eingeladen worden war, um dem Nachhaltigkeits- und Mobilitätsausschuss (NMA) zu zeigen, wie nachhaltiges und ökologisches Bauen aussehen kann. Und eins machte der Experte dabei sehr klar: „Das Einfamilienhaus ist leider die ressourcenschlechteste Bauweise.“

Denn die Bauweise kann effektiv ans Klima und die Klimafolgen angepasst werden, nicht nur durch Dach- und Fassadenbegrünung, sondern auch durch das clevere Kombinieren von Sonnenschutz und Photovoltaik, Flachdächer, die richtige Farbwahl und nicht zuletzt flächeneffizientes Bauen. Heißt: Platz sparen und in die Höhe bauen. „In NRW steigen die Jahrestemperaturen, die Hitzeperioden werden stärker und länger anhalten. Mit den Niederschlägen ist es mal so, mal so: weder zu viel noch zu wenig Wasser ist gut“, erklärte Hasse.

65 Hektar Land werden in Deutschland täglich vernichtet

Auch mit Gewitterstürmen müsse immer wieder gerechnet werden. Auch die Starkregentage nähmen über die Zeit leicht zu. Weder der Starkregen, noch die Trockenheit gingen vorbei und auch die Tier- und Pflanzenwelt verändere sich. Fläche zu sparen sei deshalb wichtig, weil täglich 65 Hektar Land in Deutschland verbraucht würden, so der Experte. „Wir wollen runter auf 30. Wir erschließen viel zu viel Fläche.“ Sie werde vernichtet und damit fehle Freifläche zur Kühlung der Umgebung und zum Versickern für Wasser.

Fläche müsse gespart werden, auch für die soziale Entwicklung. „Wo können Flächen nachgenutzt werden, wo sind Lücken für Gewerbe, die keine Verschmutzung machen?“ So sei es durchaus sinnvoll, Wohnen über etwa Supermärkten zu ermöglichen, sagte Hasse. Auch auf dem Land. „Es gibt keinen Grund, warum ein Supermarkt allein stehen soll.“ Verteile man die Gewerbe auf die richtigen Stockwerke, könne man auch alte Gewerbebauten effizient nachnutzen.

„Nutzen Sie die Flächen bis auf den letzten Meter an Infrastruktur.“ Das gelte für Wohn- und Gewerbegebiete gleichermaßen. Bei Letzteren sei die Standortattraktivität so wichtig wie bei Baugebieten. Und wichtig sei auch, ob die Unternehmen sich gegenseitig etwas zu geben haben. Das spare nicht zuletzt Ressourcen und Kosten.

Auch die Weitläufigkeit in der Mobilität mache dem Experten sorge. Hier brauche es kürzere Lösungen. Das klassische Trennen von Bau- und Gewerbegebieten sei so nicht mehr zeitgemäß. Gewerbebauten in nicht zu stark versiegelten Gebieten mit Wasserrückhaltemöglichkeiten können in der Rückseite ihres Gebäudes Lärmschutzelemente verbauen und so auch eine optische Betonbarriere verhindern.

Kompaktes Bauen in die Höhe statt Einfamilienhäusern

Entsprechend war auch das Kombinieren von Bau und Energie das Stichwort: So könnten Lärmschutzwände zur Gewinnung Erneuerbarer Energie genutzt werden, auch entlang von Straßen. „Dann hat man direkt schon die Stromversorgung für die neue Siedlung“, so Hasse. Auch benötige nicht jeder Haushalt seine eigene Heizung.

Auch Gewerbebauten könnten gut in die Höhe bauen und so Arbeitswege- und Prozesse kompakt und kurz halten. Fassaden- und Dachbegrünung, natürliche Baumaterialien und Farben können auch das Aufheizen im Sommer verhindern. Es gehe um mehr als nur um Einzelmaßnahmen. „Gehen Sie voran und setzen Sie einen Rahmen und Anreize. Dann sind verschiedene schöne Dinge zu machen“, so Hasse an den Ausschuss.

Auf Nachfrage von Hubertus Beckmann (parteilos) erklärte Hasse, dass bei Wohnformen Bungalows mit begrüntem Flachdach denkbar seien, außerdem seien leichte zweite Stockwerke in Holzbauweise auf bestehenden Gebäuden zur Unterbringung mehrerer Wohnparteien sinnvoll – kompaktes Bauen in die Höhe.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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