Experten: Fracking birgt Gefahren, ist aber kontrollierbar

Umstrittene Gasbohrungen

Kein generelles Fracking-Verbot, aber auch kein grünes Licht für Exxon Mobil: Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Unternehmens zur industriellen Erschließung schwer förderbarer Gasvorkommen in NRW und Niedersachsen. Die Experten sehen "erhebliche" Gefahren.

OSNABRÜCK/HERBERN

25.04.2012, 07:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Experten kommen zu dem Schluss, dass die möglichen Risiken durch die Fracking-Technologie erheblich sein können - auch für das Grundwasser. "Die unkonventionellen Vorkommen liegen in Deutschland in der Regel weniger tief als konventionelle Lagerstätten. Der Abstand zum nutzbaren Grundwasser und zu grundwasserabhängigen Ökosystemen ist geringer", heißt es in der Studie. Für die Erschließung unkonventioneller Lagerstätten seien zahlreiche Bohrungen und Frack-Vorgänge erforderlich. Im Vergleich zur Förderung von Erdgas aus konventionellen Vorkommen bestünden zusätzliche Belastungen und Risiken:

Zahlreiche Bürgerinitiativen haben sich in den vergangenen Monaten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gegen die Pläne von Exxon Mobil und anderen Unternehmen gebildet, nach Gas zu bohren und dabei das umstrittene Fracking einzusetzen. Auch Politiker sind skeptisch, ob die Gasförderung umweltverträglich möglich ist. Als Reaktion auf diesen Protest hat der Energieriese ExxonMobil vor gut einem Jahr den Expertenkreis mit der Studie beauftragt. 

Die Experten kommen zu dem Schluss, dass die möglichen Risiken durch die Fracking-Technologie erheblich sein können - auch für das Grundwasser. "Die unkonventionellen Vorkommen liegen in Deutschland in der Regel weniger tief als konventionelle Lagerstätten. Der Abstand zum nutzbaren Grundwasser und zu grundwasserabhängigen Ökosystemen ist geringer", heißt es in der Studie. Für die Erschließung unkonventioneller Lagerstätten seien zahlreiche Bohrungen und Frack-Vorgänge erforderlich. Im Vergleich zur Förderung von Erdgas aus konventionellen Vorkommen bestünden zusätzliche Belastungen und Risiken:

  • Es werden mehr Flächen für Bohrplätze und die technische Infrastruktur in einer Region benötigt. Daher sind mehr Menschen und insbesondere die Landwirtschaft, der Tourismus und der Naturschutz direkt betroffen.
  • Es sind mehr Transportvorgänge (Lkw, Pipeline) und mehr Umfüll-, Reinigungs- und Lager-Vorgänge (Chemikalien, Abwasser, Erdgas) erforderlich – mit entsprechenden Unfallrisiken.
  • Hinsichtlich der unterirdischen Vorgänge in der Lagerstätte aufgrund einer größeren Zahl von Frack-Vorgängen in einem begrenzten Raum liegen hierzulande keine Erfahrungen vor.
  • Der Wasserverbrauch ist aufgrund der zahlreichen Frack-Vorgänge deutlich höher.
  • Für die größere Zahl von Bohrvorgängen ist ein hoherer Energieeinsatz erforderlich. Damit fällt die Öko-Bilanz schlechter aus. 

Angesichts der "neuartigen Risikodimension" halte der Expertenkreis eine "Herangehensweise in vorsichtigen Schritten für angemessen". Modellbohrstellen ermöglichten "ein sorgfältiges Erproben" So könne auch verhindert werden, "dass voreilig Tatsachen geschaffen werden".

Verbesserungsbedarf sieht der Expertenkreis beim Sicherheitsmanagement von Exxon Mobil, die eingesetzten Chemikalien sollten "soweit möglich vermindert und durch umweltverträglichere Stoffe ersetzt werden". Zudem sollte daran gearbeitet werden, "einen fortschrittlichen Stand der Technik für die Behandlung des spezifischen Abwassers zu erarbeiten, der stärker auf den Wiedereinsatz und die Behandlung zielt". Auch dies ist bei Exxon Mobil offenbar noch nicht ausreichend der Fall.

Für einen flächendeckenden Einsatz der Fracking-Technologie seien drei Voraussetzungen nötig: "Ein definierter Stand der Technik, eine der neuen Risikodimension angemessene rechtliche Basis sowie weitere wissenschaftliche Erkenntnisse", so der Expertenkreis in seiner Studie. Und dazu fehlten eindeutig Daten.Exxon äußert sich zur Studie

Nach der Vorstellung der Studie will sich auch Exxon Mobil am Mittwochnachmittag zu den Empfehlungen des Expertenkreises äußern. Wir berichten aktuell an dieser Stelle weiter.

Sogenannte Tight Gas-, Schiefer- und Kohleflözlagerstätten gehören zu den unkonventionellen Lagerstätten. Um an das in den Gesteinsporen enthaltene Gas zu kommen, müssen die Gesteinsschichten künstlich mit kleinen Rissen versehen werden. Dazu wird mit Sand vermischtes Wasser unter Hochdruck in die Schichten gepresst. Aus technischen Gründen werden dem Gemisch auch Chemikalien zugefügt. Kritiker weisen darauf hin, dass der in den Boden gepumpte Cocktail bei Bohrpannen oder dem Durchstoßen von Wasserspeichern ins Grundwasser gelangen kann. Auch das Umweltbundesamt äußert Bedenken. Energiekonzerne wie ExxonMobil betonen die Beherrschbarkeit des Verfahrens: Jeder Eingriff (Frac) werde durch eine stabile Ummantelung der Bohrung von der Umwelt getrennt. Schäden habe es in Deutschland noch nie gegeben.