Nach Missständen in der Wohnung: Ehemalige Mieter klagen gegen Immobilienagentur Wibo

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Immer wieder hatte die Familie Otto aus Herbern mit Problemen in der Mietwohnung zu kämpfen. Der Vermieter tat nichts. Nun klagen die Ottos gegen die Wohnungsbaugesellschaft Wibo aus Gronau.

Herbern

, 22.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als sich Jennifer (34) und Daniel Otto (35) vor etwas mehr als fünf Jahren die Wohnung im Mehrfamilienhaus der Wibo auf der Rankenstraße angeschaut hatten, konnten sie noch nicht ahnen, welche Probleme auf sie zu kommen würden. Bis zum November 2018 häuften sich die Missstände, sodass das Ehepaar keinen anderen Weg mehr sah, als die Wohnung zu kündigen. Mittlerweile bahnt sich ein Rechtsstreit mit der Immobilienagentur an.

Als sich die Ottos damals - noch ohne Kind - die Wohnung angeschaut hatten, war sie noch vermietet. Der Zustand der Wohnung sollte bis zum Einzug des Paares verbessert werden, so die mündliche Zusage der Wibo. Sprich: Der Vormieter sollte die Wohnung renovieren und der Schimmel, der sich an einigen Stellen befand, sollte entfernt werden.

Doch beim Einzug der Ottos kam dann die erste böse Überraschung. „Die Wohnung hatte niemand renoviert“, erinnern sie sich. „Wir bekamen zwar die Zusicherung, dass wir bei unserem Auszug im Gegenzug auch nicht zu renovieren bräuchten, saßen dann aber natürlich erstmal auf der ganzen Arbeit.“

Damals hatten sie keine andere Möglichkeit, als die Wohnung in dem Zustand zu übernehmen, in dem sie sich befand. Die alte Wohnung hatten sie bereits gekündigt. Gemeinsam mit den Eltern und auf eigene Kosten hat das Ehepaar dann alles renoviert: Sie beschafften neues Laminat und Tapeten, entfernten den Schimmel von den Wänden und verputzten alle Löcher.

Schimmelbefall und Probleme mit einer anderen Mieterin

Gerade der Schimmel sollte in den Folgejahren immer wieder zu einem Problem werden. „Die Fenster und Wände waren immer feucht. Daher konnten wir den Schimmel immer wieder aufs Neue entfernen.“ Als sie die Wibo auf das Problem aufmerksam machten, kam das Argument des Vermieters, sie würden falsch lüften. „Wir waren uns sicher, dass es nicht daran liegt, haben aber dennoch bewusster darauf geachtet.“ Trotzdem kam der Schimmel immer wieder.

Der Schimmel wurde zu einem der Streitpunkte, die bis heute andauern. „Anlass war die Betriebskostenabrechnung von 2016“, erzählt Jennifer Otto. Darin befanden sich Kosten, deren Höhe nach ihrer Meinung und der ihres Mannes nicht gerechtfertigt waren. „Wir haben uns dann mit dem Mieterverein, in dem wir Mitglied sind, zusammengesetzt und auf die Abrechnung und andere Missstände hingewiesen.“

Explizit ging es dabei vor allem um den immer wiederkehrenden Schimmel in der Wohnung sowie um Lärm- und Geruchsbelästigungen einer anderen Hausbewohnerin. Diese soll sich regelmäßig mit ihrem Freund gestritten oder nach 22 Uhr laut Musik gehört und dazu gesungen haben. Zudem sei aus der Wohnung ein permanenter Zigaretten- und zum Teil auch Marihuanageruch geströmt.

Auf Ankündigung der Mietminderung kam keine Reaktion

Zu dem Zeitpunkt war auch schon die Tochter des Paares auf der Welt. „Sie konnte oft nicht schlafen und war unruhig“, so Jennifer Otto. „Wir mussten sie bei der Oma übernachten lassen, weil sie zu Hause nicht mehr schlafen konnte.“ Die Wibo hatte daraufhin angemerkt, dass sie mit der Mieterin gesprochen hätten, dass sie ihr das Rauchen in der eigenen Wohnung aber nicht verbieten könnten. Von Gras-Konsum wüssten sie nichts. Auch das Schimmelproblem sei ihnen seit der Entfernung nach dem Einzug nicht mehr bekannt gewesen.

Nach Missständen in der Wohnung: Ehemalige Mieter klagen gegen Immobilienagentur Wibo

Den Schimmelbefall an verschiedenen Stellen in der Wohnung hat das Ehepaar gut dokumentiert und beim Vermieter angezeigt. Getan hat sich jedoch nichts. © Jennifer Otto

„Wir haben aber immer wieder darauf hingewiesen“, ärgern sich die Ottos. „Der Fachmann, der laut Wibo eigentlich hätte kommen sollen, war auch nie da.“ In Absprache mit dem Mieterverein kündigten sie dann im März 2018 eine Mietminderung um 60 Euro, rückwirkend zum 1. Januar 2018, an. Auch auf die Ankündigung kam keine Reaktion seitens der Wibo.

„Der Mieterverein hat mehrmals nachgehakt, aber es kam nie eine Antwort“, erzählt Jennifer Otto. „Erst im August hieß es, dass die zuständige Mitarbeiterin bei der Wibo im Urlaub sei und sich danach melden würde. Das hat sie aber nie getan.“ Also hat das Ehepaar, wie angekündigt und mit der Unterstützung des Mietervereins, einen Teil der Mietkosten einbehalten.

Mieter haben Recht auf Mietminderung bei Mängeln

Damit haben sie das Recht eingefordert, das jedem Mieter zusteht. „Sobald Missstände auftreten und die Wohnung sich nicht mehr in dem vertraglich geregelten Zustand befindet, kann man eine Mietminderung sofort ausüben“, erklärt Jutta Pollmann, Geschäftsführerin des Mietervereins Münster und Umgebung, auf Anfrage der Redaktion.

„Die gängige Praxis ist aber, dass man als Mieter zuerst die Mängel anzeigt“, so Pollmann weiter. „Man kann zusätzlich unter Vorbehalt eine Minderung ankündigen.“ Danach sei der Vermieter am Zug, der die Mängel prüfen und gegebenenfalls beheben müsse. Bei Schimmel sei das Ganze etwas problematischer.

„Wenn Mieter aufgrund von Schimmelbefall in der Wohnung die Miete mindern wollen, muss der Vermieter nachweisen, dass keine Baumängel die Ursache dafür sind“, erklärt Pollmann. Einfach zu behaupten, die Mieter würden falsch heizen oder lüften, wie es im Fall der Familie Otto getan wurde, ginge so nicht.

Familie möchte gegen das Zurückhalten der Kaution klagen

Im November hatten die Ottos dann genug: Sie kündigten die Wohnung fristlos. Doch damit einher ging letztendlich auch der sich nun anbahnende Rechtsstreit. Denn nach der Bestätigung der Kündigung hielt die Wibo die gezahlte Kaution der Familie Otto zurück. Die Begründung: Das Paar sei im Zahlungsrückstand der Miete.

Da es sich dabei allerdings um eine Mietminderung handelt, auf die die Immobilienagentur Zeit gehabt hätte zu reagieren, will die Familie nun ihr Geld zurückfordern - wenn nötig auch vor Gericht. Aktuell befinden sie sich noch im vorgerichtlichen Stadium, das jedoch auf eine Klage hinauslaufen wird.

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