Gas-Probebohrungen in Herbern fast abgeschlossen

Stand der Dinge

Bis zu 10 Milliarden Kubikmeter Methan-Gas sollen unter dem Münsterland liegen - auch in Herbern. Deshalb wird seit Mitte Mai probeweise gebohrt. In zwei Wochen sollen die Arbeiten der Firma Hamm-Gas abgeschlossen sein. Dann entscheidet die Firma, ob die Gasförderung wirtschaftlich ist.

HERBERN

14.07.2016, 18:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Probebohrung der Firma Hamm-Gas ist in Herbern-Nordick umstritten.

Die Probebohrung der Firma Hamm-Gas ist in Herbern-Nordick umstritten.

In 900 Meter Tiefe sollen bis zu 10 Milliarden Kubikmeter Methan-Gas unter dem Münsterland liegen. Eine Menge Gas, aus dem die Firma Hamm-Gas Energie gewinnen möchte. Ob man das Methan aber tatsächlich an die Oberfläche holen und zur Energiegewinnung verbrennen wird, ist noch nicht sicher.

In zwei Wochen wird die Bohrung in Herbern abgeschlossen sein. Nach einer zweiten Bohrung in Hamm folgt dann die Analyse: Ist die Gasförderung wirtschaftlich? Was macht die Bohrung mit dem Gestein? Doch bis dahin wird es noch dauern, denn die Hammer Bohrung wurde von den Behörden noch nicht genehmigt.

Gegen Bohrungen sei wissenschaftlich nichts einzuwenden

Über dem Kohleflöz, in dem das Gas gebunden ist, liegen hunderte Meter Mergel-Gestein. Mergel nennt man ein Gemisch aus Ton und Kalk. „Das ist ein sehr sicheres Gestein für solche Bohrungen, denn Ton ist eine ideale Deckschicht“, sagt Ralf Littke von der Technischen Hochschule Aachen. Er begleitet das Bohrprojekt als Wissenschaftler.

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Gegen die Gasförderung hat er aus wissenschaftlicher Sicht nichts einzuwenden, so Littke: „Vor Absenkungen oder Erdbeben würde ich keine Angst haben. Die Kohle ist wie ein Schwamm, wenn man das Gas entnimmt, dehnt sie sich aus“. Außerdem sei Gasverbrennung umweltfreundlicher als Kohlekraftwerke. Dabei sei natürlich zu bedenken, dass Kohle an Umweltschädlichkeit kaum zu überbieten ist.

Bürgerinitiative fordert mehr Transparenz

Jürgen Blümer kann mit den optimistischen Aussagen der Firma Hamm-Gas und dem Wissenschaftler Ralf Littke nichts anfangen. Er ist Teil der Bürgerinitiative gegen Gasbohrungen und fordert mehr Transparenz. Die Bezirksregierung in Arnsberg nimmt regelmäßig Proben aus dem Grundwasser, aus Gewässern in der Umgebung und aus dem Schlamm, der bei der Bohrung nach oben kommt. „Ich möchte die Daten aus diesen Untersuchungen sehen“, sagt Blümer. Bis jetzt sei ihm das von der Bezirksregierung nicht ermöglicht worden.

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Als Blümer auf einen Chemikalienbehälter auf dem Bohrgelände hinwies, der da nicht stehen durfte, bedankte man sich bei ihm. Anschließend brachte die Firma einen Sichtschutz an. Blümer: „Wir haben keine Chance, wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft.“ Blümer beruft sich auf sein Recht, Daten von öffentlichen Einrichtungen einzusehen. Das garantiert in NRW das Informationsfreiheitsgesetz.

Proben seien unproblematisch

Werner Isermann von der Bezirksregierung in Arnsberg widerspricht den Einschätzungen von Jürgen Blümer: „Wenn es um die Verschmutzung von Grundwasser oder Luft geht, dann kann nichts zurückgehalten werden". Er gibt deshalb Entwarnung: Die Proben seien unproblematisch und nicht mit Chemikalien belastet. Von Geheimhaltung könne also keine Rede sein.

Auf Anfrage unserer Redaktion war die Bezirksregierung in Arnsberg bereit, in die Daten aus den verschiedenen Messungen Einsicht zu gewähren. Umweltschützer Oliver Kalusch hat noch ein anderes Problem mit der Firma Hamm-Gas. Er sagt: „Aus dem Betriebsplan geht nicht hervor, wofür diese Bohrung da ist und wie sie funktioniert.“ 

Methan-Gas
Methan (CH4) entsteht in Güllegruben, Torfmooren und bei der Viehhaltung im Magen der Tiere. 
- Die Verbrennung von Methan-Gas gilt als umweltfreundlicher als beispielsweise Kohlekraftwerke.
- In Kohle lagert Methan in winzigen Poren. Aus diesen soll es gefördert werden.
- Im Münsterland gab es viel Bewegung im Untergrund. Hamm-Gas hofft deshalb, dass die Kohle von kleinen Rissen durchzogen ist. Dann lässt sich das Gas leichter fördern.
- Anders als beim Fracking sollen dabei keine Chemikalien verwendet werden.