Gasbohrgegner in Herbern fühlen sich bestätigt

Ausstieg von Hamm-Gas

Nach langjährigem Kampf von Anwohnern der Herberner Bauerschaft Nordick und anderen Gasbohrgegnern gegen das Unternehmen Hamm-Gas steht mittlerweile fest: Hamm-Gas wird in Herbern kein Flözgas fördern. Damit haben die Anstrengungen ein Ende. Doch wie haben die Bürgerinitiativen die Nachricht aufgenommen?

HERBERN

, 11.08.2017 / Lesedauer: 3 min
Gasbohrgegner in Herbern fühlen sich bestätigt

Die roten Hände wurden zum Symbol des Protestes gegen die Gasbohr-Pläne von Hamm-Gas.

Es ist der 22. Mai 2016. Kritiker bilden eine mehr als 200 Meter lange Menschenkette an der ehemaligen Schachtanlage Radbod 7 - vereint gegen die Gasbohrungen in ihrem Ort. Hat es etwas gebracht? Mehr als ein Jahr nach Beginn der Probebohrungen an der Nordick-Schliekstraße in Herbern sagt Wilfried Voß: "Eigentlich haben wir nichts erreicht."

Initiativen haben sich immer wieder gegen Hamm-Gas gestellt

Das klingt sachlich nach der am Mittwoch verkündeten Entscheidung von Hamm-Gas, in Zukunft eben kein Flözgas in Herbern fördern zu wollen. Der Sprecher der "Bürgerinitiative für sauberes Trinkwasser" (BIST), die sich seit 2014 gemeinsam mit der Initiative "Rote Hand Nordick" und der "Bürgerinitiative gegen Gasbohren" aus Drensteinfurt immer wieder gegen die Pläne gestellt hatte, fügt hinzu: "Hamm-Gas hat ja trotz unseres Protestes in Nordick gebohrt."

Trotzdem sei er froh, dass die Sache jetzt ganz offiziell vom Tisch ist. Noch am Mittwochabend - kurz nachdem Hamm-Gas die Pressemitteilung verschickt hatte - habe er die "gute Nachricht" aus dem Fernsehen erfahren und im Internet nachgelesen. "Die Entscheidung kam zwar nicht überraschend", sagt Voß auf Anfrage unserer Redaktion: "Aber jetzt haben wir die Bestätigung, dass dieses ganze Projekt Schwachsinn war."

Bauerschaft Nordick kein "Hotspot" für Gasförderung

Von Schwachsinn ist bei Hamm-Gas hingegen nichts zu lesen. Wie berichtet, seien die Schichte und Flöze, die Hamm-Gas an der Nordick-Schliekstraße erwartet hatte, auch tatsächlich dort. Allerdings, teilte Geschäftsführer Stefan Decker am Mittwoch mit, halte man eine Förderung in Nordick nicht für wirtschaftlich. Ein "Hotspot" sei die Bauerschaft nicht, noch bis Ende des Jahres soll der Bohrplatz in Herbern wieder verfüllt werden.

Das Ende der "Bürgerinitiative für sauberes Trinkwasser" ist das nicht. "Uns gibt es noch", sagt Voß. "Auch wenn das Thema öffentlich wohl erst mal nicht mehr diskutiert werden wird."

Man habe gekämpft. Und trotz der durchgeführten Probebohrungen klar gemacht: nicht mit uns. Es sei wichtig gewesen, auf die Straße zu gehen, der Angst vor verseuchtem Grundwasser Ausdruck zu verleihen und seinem Ärger Luft zu machen.

Voß: Wasserqualität im Auge behalten

Stefan Henrichs, Vorsitzender und Gründer der Bürgerinitiative gegen Gasbohren aus Drensteinfurt, verbucht die Entscheidung von Hamm-Gas als Teilerfolg. Auch, weil man gesehen habe, dass selbst in einem kleinen Ort wie Herbern die Menschen durchaus in der Lage seien, Widerstand zu formieren. "Trotzdem habe ich Bedenken und Sorgen, dass es an anderer Stelle weitergeht." Für das Gebiet der Stadt Hamm etwa laufen laut Hamm-Gas bereits Gespräche mit möglichen Investoren.

Für Herbern aber ist das Kapitel endgültig abgeschlossen. Jetzt sei es Aufgabe der Gemeinde, so Wilfried Voß, die Wasserqualität weiter im Auge zu behalten und festzulegen, wie viele Messungen noch durchgeführt werden sollen. Da könne ja nach Jahren noch was passieren.

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