Renate Behr (65) klagt an: Radfahrer „Auf der Rulle“ überholen riskant und rücksichtslos

rnStraßenverkehr

Eine schmaler Sonderweg mit wenig Ausweichmöglichkeiten – so sieht es auf einem Teilabschnitt der Straße „Auf der Rulle“ aus. Das birgt große Gefahren für Fußgänger, Hunde und Radfahrer.

Herbern

, 17.05.2019, 16:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dort, wo die Wohnbebauung an der kleinen, asphaltierten Straße „Auf der Rulle“ endet, kurz vor dem Sportplatz des SV Herbern, steht auf der linken Seite ein blaues Schild. In der Mitte des Schildes ist ein horizontaler, weißer Strich. Ebenfalls in weiß sind darauf Fußgänger oben und ein Fahrrad unten abgebildet. Das weist die Straße fortan als Sonderweg für Fußgänger und Radfahrer aus.

Radfahrer müssen auf solch einem Weg besondere Rücksicht auf Fußgänger nehmen, da es keinen gesonderten Radweg gibt. Etwas, dass in Herbern an dieser Stelle selten oder gar nicht geschieht. Das sagt Renate Behr (65), die diesen Straßenabschnitt täglich beim Rundgang mit ihrem zweijährigen Hunderüden Lord passiert. „Die Fahrradfahrer rasen hier oft dicht an uns vorbei ohne zu klingeln.“

Schmaler Weg ab Höhe des Sportplatzes

Alles andere als ungefährlich. Nicht nur, weil sich der Weg ab Höhe des Sportplatzes auf nur knapp zwei Meter verschmälert. „Mein Hund kommt aus dem Tierschutz, muss noch viel lernen“, sagt Renate Behr und fügt hinzu: „Er erschreckt sich einfach, wenn da wer unangekündigt an uns vorbeirast.“

Das könne dazu führen, dass ihr Hund aufgeschreckt und zur Seite in das vorbeifahrende Fahrrad läuft. „Das ist unglaublich gefährlich, auch für den Radfahrer. Und natürlich wird dann gesagt, dass ich als Hundehalter schuld bin.“ Immerhin ist auf Höhe des Sportplatz noch genügend Ausweichplatz auf der linken Seite wegen eines angrenzenden Feldes.

Renate Behr (65) klagt an: Radfahrer „Auf der Rulle“ überholen riskant und rücksichtslos

Das blau-weiße Schild kurz vor dem Sportplatz des SV Herbern weist die Straße ab dieser Stelle als Sonderweg für Fußgänger und Radfahrer aus. Auf solch einem Weg müssen Radfahrer auf Fußgänger besonders Rücksicht nehmen. © Till Goerke

Etwa 100 Meter weiter Richtung Theodor-Fontane-Schule verschärft sich die Situation jedoch. Links und rechts säumen hohe Hecken den Weg. Ausweichmöglichkeiten? Fehlanzeige. Dabei könnte die Sache auch dort so einfach sein. „Warum kündigen sich die Fahrradfahrer nicht einfach mit einem Klingeln an? Ist die Klingel am Rad nur zur Deko da?“, fragt Renate Behr hörbar verständnislos.

Ein ausreichender Abstand ist für Fahrradfahrer verpflichtend

Rechtzeitiges Klingeln und mit Abstand vorbeifahren - Dinge, die Fahrradfahrer machen können und zum Teil auf solch einem Weg sogar müssen. Britta Venker, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Coesfeld erklärt: „Das Klingeln ist nicht verpflichtend, wohl aber die Sache mit dem Abstand. Dieser muss in ausreichendem Maße eingehalten werden.“

Das Problem: Wie genau dieser Abstand auszusehen hat, ist juristisch nicht definiert. Somit liefert auch die Straßenverkehrsordnung (StVO) keinen konkreten Wert. Im Paragraf eins heißt es dort lediglich: (1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. (2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Renate Behr (65) klagt an: Radfahrer „Auf der Rulle“ überholen riskant und rücksichtslos

Der Sonderweg wird (hier Blick Richtung Sportplatz) an einigen Stellen durch hohe Ecken begrenzt. Eine besonders gefährliche Stelle bei riskanten Überholmanövern von Radfahrer. Denn ein Hund, der sich erschreckt, kann nicht zur Seite ausweichen. © Till Goerke

Angaben, die Renate Behr wenig helfen. „Ich wünsche mir doch nur etwas mehr Rücksicht. Die Autofahrer schaffen das doch hier auch immer. Warum denn so selten die Fahrradfahrer?“ Um ihrem Unmut Luft zu machen, hat die 65-Jährige jüngst auch in einer örtlichen Facebookgruppe auf das Problem aufmerksam gemacht.

„Wir appellieren eindringlich an die Vernunft der Radfahrer.“
Polizeipressesprecherin Britta Venker

„In der Folge haben sogar mal Radfahrer vor dem Überholen geklingelt. Das war für mich und meinen Hund viel angenehmer.“ Ob das am Facebook-Post lag? „Ich führe das zumindest darauf zurück. Ein kleiner Schritt, es müssen aber noch viele Folgen.“ Im Idealfall, bevor es zu einem Unfall kommt. „Der hätte für alle Beteiligten ganz sicher schlimme Folgen.“

Polizei appelliert eindringlich an die Vernunft der Radfahrer

Laut Kreispolizeibehörde Coesfeld ist es glücklicherweise in diesem Bereich bisher noch nicht zu einem Unfall mit Personenschaden gekommen. Lediglich eine Unfallflucht nach dem Rammen eines Stromkastens im vergangenen Jahr ist bei der Polizei aktenkundig. „Wir appellieren aber eindringlich an die Vernunft der Radfahrer, dass sie an dieser Stelle, aber natürlich auch generell, Rücksicht auf die Fußgänger nehmen“, so die Polizeipressesprecherin.

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