„Verhungern wird hier keiner“ - Herberner Bäckereien wollen sonntags nicht länger öffnen

Sonntags-Öffnungszeiten

Nach dem Beschluss des Bundesgerichtshofes dürfen Bäckereien nun am Sonntag länger geöffnet sein als bisher. In den Herberner Bäckereien hält man davon nicht allzu viel.

Herbern

, 20.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Verhungern wird hier keiner“ - Herberner Bäckereien wollen sonntags nicht länger öffnen

In der Bäckerei Röwekamp wird auch sonntags gebacken. Nun dürfen Bäckereien an Sonntagen so lange ihre Brötchen an den Mann bringen, wie sie wollen. © Jörg Heckenkamp (A)

Bäckereien dürfen nun sonntags länger öffnen, als bisher - sofern sie Sitzplätze für die Gäste anbieten. Wir haben nachgefragt, was die Herberner Bäckereien vom neuen Gesetz halten - und sind auf wenig Begeisterung gestoßen.

„Das ist doch völliger Quatsch. Überhaupt nicht arbeitnehmerfreundlich“, sagt Astrid Erhard von der Bäckerei Hosselmann. „Nachmittags kauft ohnehin niemand mehr Brot. Für richtige Cafés lohnt es sich schon, länger auf zu haben, aber nicht für Bäckereien mit ein paar Sitzplätzen“, so die Bäckereifachverkäuferin.

Bäckereien mit Tischen und Stühlen dürfen länger öffnen

Maximal fünf Stunden lang durften Bäckereien sonntags geöffnet sein - das schrieb bislang das Ladenöffnungsgesetz in NRW vor. Damit ist jetzt Schluss: Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat beschlossen, dass Bäckereien, die neben dem Brötchenverkauf auch ein Café betreiben, selber entscheiden können, wann sie schließen wollen.

In diesen Fällen greift nämlich das Gaststättenrecht. Um als Café zu zählen, müssen lediglich ein paar Tische und Stühle im Verkaufsraum aufgestellt werden.

Längere Öffnungszeiten lohnen sich nicht

In anderen Bäckereien reagieren die Verkäuferinnen ähnlich wie bei Hosselmann. „Wir haben auch ein Familienleben. Was haben die Kinder denn davon, wenn die Mama den ganzen Sonntag arbeiten muss“, fragt Mona Aust von der Bäckerei Geiping.

„Wir stehen sieben Tage die Woche hier. Eine Sonntags-Arbeitszeit von 7 bis 11 Uhr ist noch in Ordnung, da hat man noch etwas vom Tag und seiner Familie“, sagt sie. Außerdem lohne sich eine erweiterte Öffnungszeit vermutlich nicht: „Ab halb elf kommt hier fast keiner mehr vorbei. Dann sind die Leute hier auf dem Dorf abgefrühstückt.“

In Herbern wird keiner verhungern

Diese Erfahrung hat auch Natalya Ulbert von der Bäckerei Röwekamp gemacht: „Nachmittags ist Kuchenzeit. Da holen die Leute mal eine Torte oder essen ein Stück hier. Klassische Bäckereiprodukte wie Brot und Brötchen kauft da kaum einer.“ Für Cafés sei deshalb eine erweiterte Öffnungszeit sinnvoll. Für Bäckereien eher nicht. „Hier wird schon keiner verhungern“, meint sie.

Der Grund für die umstrittene Gesetzesänderung liegt in Bayern: Dort hat die Wettbewerbszentrale einige Verstöße gegen das bis dahin geltende Gesetz gemeldet. Der Backwarenhersteller Ratschiller hat das Thema vor den Bundesgerichtshof gebracht. Der hat entschieden, dass in ganz Deutschland das Gaststättenrecht für Cafés gilt.

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