Holzkünstler Andreas Stentrup macht mit seiner Kettensäge aus Holz ein Kunstwerk

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Andreas Stentrup hat ein ausgefallenes und geräuschvolles Hobby: Er ist begeisterter Holzkünstler und nimmt seine Kettensäge auch gern mit in den Urlaub - nicht zur Freude seiner Freundin.

Herbern

, 23.08.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

In dem Kultfilm „Jede Menge Kohle“ von Adolf Winkelmann aus dem Jahr 1981 gibt es ein Zitat, dass auch für den Herberner Andreas Stentrup (31) gilt: Es kommt der Tag, da will die Säge sägen.

Seit gut fünf Jahren gehören vier Kettensägen zum alltäglichen Feierabendprogramm des Holzkünstlers; inzwischen werden diese sogar mit in den Urlaub genommen, nicht immer zur großen Freude von Lebensgefährtin Kerstin (29), die ihren Freund aber dennoch „selbstverständlich unterstützt und fast immer dabei ist und den Schnitzereien den letzten Schliff mit schönen Verzierungen verpasst“.

Alles begann mit einem Schnitzkurs

An die Kettensäge traut sich die Industriekauffrau aber noch nicht so recht ran. Auslöser für dieses ziemlich geräuschvolle Hobby war vor zehn Jahren ein Gutschein für einen Kettensägenschnitzkurs, den Stentrup von seinen Eltern zum Geburtstag bekommen hat. „Ich war sofort infiziert, habe nach vier Wochen den zweiten Kurs gemacht und anschließend erst einmal meinem Papa die Kettensäge gemopst“, erzählt der 31-Jährige. Inzwischen sind im Laufe der Jahre noch einige Kurse dazugekommen.

Sein erstes selbstgesägtes Stück, eine Eule, steht immer noch im heimischen Garten der Eltern. „Andere laufen Marathon. Ich nehme die Kettensäge in die Hand.“ Der Meister für Rohr-, Kanal- und Industrieservice ist beruflich viel auf Montage, von Büsum bis Stuttgart, sodass für sein Hobby oftmals nur am Wochenende die Zeit bleibt.

Am vergangenen Wochenende verarbeitete Andreas Stentrup in Ostfriesland Baumstämme zu einem Dammhirsch.

Am vergangenen Wochenende verarbeitete Andreas Stentrup in Ostfriesland Baumstämme zu einem Dammhirsch. © Andreas Stentrup

Bis zu zehn Veranstaltungen dieser Art besucht das Paar im Jahr gemeinsam; diese werden immer mit einem Kurz- oder sogar dem Jahresurlaub verbunden. In den sozialen Medien werden diese Events in bestimmten Gruppen bekanntgegeben. Für einen Kurs muss man sich bewerben.

Da Andreas Stentrup sich inzwischen in der Branche schon einen Namen gemacht hat, ist er meistens dabei. So wie am vergangenen Wochenende in Ostfriesland, wo er gemeinsam mit Kumpel Lukas Mathmann als Auftragsarbeit einen Dammhirsch in Lebensgröße hergestellt hat.

Keine Grenzen gesetzt

Auftragsarbeiten seien allerdings nicht die Regel bei solchen Events. „Oftmals schnitzt man auch einfach nur so und nimmt die Sachen anschließend wieder mit nach Hause, wenn sie vor Ort nicht gekauft werden.“ Dabei sind scheinbar keine Grenzen gesetzt. Es gibt fast nichts, was man nicht aus einem schönen Stück Holz fertigen kann. Das Lieblingsholz des Künstlers ist dabei die Eiche.„Da braucht man abschließend nicht mehr viel dran rumschleifen“, weiß er aus Erfahrung. „Pappeln zum Beispiel gehen gar nicht. Die riechen dermaßen unangenehm, das möchte keiner zu Hause haben.“

Ob Eulen, Pferde, Erdmännchen, Schweine oder Bären, die Anzahl der Tiere aus Holz, die Stentrup bisher geschaffen hat, ist nicht mehr zählbar. Dazu kommen noch einige Bänke oder auch mal ein Marterpfahl. Als Vorlage dienen hier lediglich Fotos oder Bilder aus dem Internet. „Ich gucke mir das Holz und das Bild an und lege los. Da brauche ich nichts mehr auf das Holz anzuzeichnen.“ Auftragsarbeiten dauern inzwischen aufgrund der großen Nachfrage daher schon mal bis zur Fertigstellung gut zwölf Wochen.

Andreas Stentrup. Lebensgefährtin Kerstin und Hund Quax am selbstgebauten Hochbeet im Garten von den Eltern Henny und Wilhelm Stentrup.

Andreas Stentrup. Lebensgefährtin Kerstin und Hund Quax am selbstgebauten Hochbeet im Garten von den Eltern Henny und Wilhelm Stentrup. © Claudia Hurek

Da die gemeinsame Wohnung ziemlich zentral im Ortskern gelegen ist und Arbeiten mit der Kettensäge daher wegen der Lautstärke eher suboptimal sind, hat er sich bei Heinz Grund in Ondrup in einer Scheune seine Werkstatt eingerichtet.

Kurse mit der Kettensäge

Für Interessenten gibt Andreas Stentrup inzwischen selbst Kurse bei der Volkshochschule Lüdinghausen. „Seit einiger Zeit kommen auch immer mehr Frauen zu den Veranstaltungen. Man muss auch ganz neidlos anerkennen, dass die oftmals mehr Ausdauer haben als die Männer, wenn es darum geht, ein Werkstück fertigzustellen. Wenn wir um 18 Uhr Feierabend machen, sitzt ein Mädel da schon mal noch bis 21 Uhr und sägt“, erzählt der Hobby-Holzkünstler.

Da Andreas Stentrup gemeinsam mit seiner Freundin bei diesen Events meistens im eigenen Bulli über den Werkzeugkisten schläft, hat der begeisterte Kettensägenschnitzer Lebensgefährtin Kerstin für das kommende Jahr eine Schiffsreise versprochen – so ganz ohne Kettensäge. Wer weiß, vielleicht ist diese ja bis dahin auch mit dem Virus infiziert?

Weitere Informationen zu den Kursen gibt es auf der Homepage von Andreas Stentrup.
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