In dieser Scheune in Ascheberg betreut Kerstin Tietz-Krampe (55) ihre Tageskinder

rnTagesmutter

Wahrscheinlich würde man alles in dieser Scheune erwarten, aber nicht das. Hier in Ascheberg verbirgt sich ein echtes Spieleparadies für Kinder. Es gehört Tagesmutter Kerstin Tietz-Krampe.

Ascheberg

, 17.07.2019 / Lesedauer: 3 min

In einer Scheune vermutet man meistens Tiere, Stroh und landwirtschaftliches Gerät. Öffnet man allerdings die Tür zur Scheune, die direkt an das gemietete Wohnhaus von Familie Tietz-Krampe grenzt, steht man in einem rund 200 Quadratmeter großen Spielparadies für Kinder.

Neben einem Kindertrampolin, einer aufblasbaren Hüpfburg, einem Bällebad sowie einer kleinen Abfahrrampe für Bobbycars findet man hier jede Menge Spieltische, kleine Spielhäuser, Rutschen und Schaukeln und sogar einen riesigen Sandkasten.

Tagesmutter Kerstin Tietz-Krampe (55) betreut zurzeit zwei Kinder im Alter von fast drei Jahren für je 25 Wochenstunden. Drei weitere Kinder im Alter zwischen 4 und 13 Jahren sind sogenannte „Randzeitkids“. Um diese kümmert sich die Tagesmutter zu den Zeiten, die nach Kita oder Schule außerhalb der Regelbetreuung nicht von den Eltern gewährleistet werden können.

Gerlernte Verkäuferin und Fünffach-Oma

Für Kerstin Tietz-Krampe sei es kein Beruf, sondern eine Berufung. Die gelernte Verkäuferin, die inzwischen ebenfalls fünffache Oma ist, habe neben der Erziehung ihrer eigenen drei Kinder immer nebenbei gearbeitet. „Als unsere dann groß und aus dem Haus waren, fehlte mir etwas“, erzählt sie.

In dieser Scheune in Ascheberg betreut Kerstin Tietz-Krampe (55) ihre Tageskinder

Kerstin Tietz-Krampe mit „Babysitter“ Teddy (5), einem Yorkshire-Chihuahua Mischling. © Claudia Hurek

„Vor gut sechs Jahren habe ich erst über die sogenannte Vollzeitpflege nachgedacht, mich dann aber nach einigen Erkundigungen beim Jugendamt für das Modell der Tagesmutter entschieden.“ Ehemann Ricky steht voll hinter der Entscheidung seiner Frau, die für das eigene Zuhause letztlich schon gewisse Änderungen mit sich bringt.

Tageskind Delara kam als Flüchtlingskind nach Deutschland

Seit August 2013 hat jedes Kind ab dem ersten vollendeten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Dieser Anspruch kann sowohl in einer Kita als auch bei einer Tagesmutter oder einem Tagesvater gewährleistet werden. Die Familien können auswählen, welche Kita das Kind besuchen soll oder ob es zur Tagesmutter soll. Zumindest in der Theorie.

„Mein Tageskind Delara (3), die als Flüchtlingskind nach Deutschland kam, war zuerst in einer Kita, kam dort aufgrund von Sprachschwierigkeiten aber gar nicht zurecht und hat nur geweint und geschrien.“ Bei Tagesmutter Kerstin, von Delara liebevoll „Oma“ genannt, habe sie in einem knappen Jahr schon richtig gut die deutsche Sprache gelernt.

„Kinder sind ehrlich, im Gegensatz zu vielen Erwachsenen“

Ein rund 160 Stunden umfassender Lehrgang, in dem alles Notwendige bezüglich Entwicklung, Ernährung und Gesundheit auf dem Plan steht, muss absolviert werden. Auch überprüft das Jugendamt die Räumlichkeiten, die psychische sowie physische Belastbarkeit, die Zuverlässigkeit und die Organisationsfähigkeit der künftigen Tagesmutter.

„Unseren Urlaub für das kommende Jahr planen wir immer im November, sodass die Eltern der Tageskinder frühzeitig Bescheid wissen“, so Tietz-Krampe. In den vergangenen Jahren hat sie insgesamt elf Kinder betreut. „Zu allen haben wir noch Kontakt.“

Hat sie ihre Entscheidung jemals infrage gestellt? „Nein, ich liebe Kinder, denn die sind immer ehrlich, im Gegensatz zu vielen Erwachsenen“, sagt Kerstin Tietz-Krampe voller Überzeugung.

Lesen Sie jetzt