Jens Steffen (Mitte) bei einer außerbetrieblichen Schulung. © Steffen
Bildungschancen

Junger Herberaner schafft Bildungsaufstieg – vom Praktikant zum Ingenieur

Seit fast zehn Jahren arbeitet Jens Steffen (25) bei Josef Fleige Elektro in Herbern. Angefangen mit einem Schulpraktikum, studiert er mittlerweile im Master. Die Geschichte eines Bildungsaufsteigers.

Die Bildungschancen in Deutschland hängen noch immer stark von der sozialen Herkunft ab. Von 100 Arbeiterkindern, also Menschen, deren Eltern nicht studiert haben, machen nur 15 einen Bachelor-Abschluss. Bei den Akademikerkindern sind es 63. Das zeigt eine Studie des Stifterverbandes und der Unternehmensberatung McKinsey.

Einer, der es als Arbeiterkind hoch geschafft hat, ist Jens Steffen (25) aus Herbern. Er studiert mittlerweile im Master – und arbeitet seit fast zehn Jahren für Josef Fleige Elektro in Herbern. Das ist nicht selbstverständlich, denn die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bemängelte schon 2018 in einem Bericht die schwierig Aufstiegschancen in Deutschland. Im Schnitt dauere es sechs Generationen, bis die Nachkommen einer ärmeren Familie ein Durchschnittseinkommen verdienen. Das sind etwa 150 Jahre.

Vom Praktikant zum Masterstudenten

Bei einem Schulpraktikum der Realschule kam Jens Steffen (25) erstmals mit dem Elektrobetrieb in Kontakt. „In der neunten Klasse ist so eine Berufswahl natürlich nicht einfach. Ich bin schon immer handwerklich begabt, also wollte ich was Handwerkliches machen. Das Praktikum bei Fleige hat mir gefallen, dann kam eins zu dem anderen“, erklärt Jens Steffen seinen Bildungsweg.

Hoch hinaus: Jens Steffen (25) beim Installieren eines Kamera-Systems.
Hoch hinaus: Jens Steffen (25) beim Installieren eines Kamera-Systems. © Steffen © Steffen

Nach dem Schulabschluss 2012 folgte die Ausbildung zum Elektroniker in Energie- und Gebäudetechnik bei Fleige. Nach der Ausbildung holte Jens Steffen sein Fachabitur in Lüdinghausen nach, danach schrieb er sich bei der FH Dortmund für den „Bachelor of Engineering“ in der Fachrichtung Elektrotechnik mit Vertiefung Energie- und Umwelttechnik ein. Mittlerweile befindet sich der 25-Jährige im zweiten Semester des Masterstudiums Energiesysteme. Nebenbei arbeitete er eigentlich durchgehend bei Fleige, wie er erzählt.

„Nie wieder Schule“ – 180-Grad-Wendung

Eigentlich war sich Jens Steffen sicher, dass er nach der Schule nie wieder dorthin zurück wollte und im Arbeitsleben ankommen will. „Ich war kein guter Schüler und hatte keine guten Noten. Ich wollte mit Schule erstmal nichts mehr zu tun haben. Aber in der Berufsausbildung entwickelt man sich auch persönlich weiter. Schule erschien eigentlich doch ganz interessant – eine 180-Grad-Wendung quasi. In Mathematik und Physik hatte ich immerhin gute Noten“, erzählt der Herberaner.

Der Anfang des Bachelor-Studiums mit den Grundlagenkursen sei für ihn extrem schwer gewesen. Doch der heute 25-Jährige hat nicht aufgegeben und den Bildungsaufstieg geschafft.

Wenn er das Masterstudium erfolgreich beendet, kann er stolz sein. Nur 8% der Arbeiterkinder schaffen das. Das hat auch mit dem Betrieb Fleige zu tun. „Ich fühle mich sehr wohl dort, das Verhältnis zu den Kollegen und das Arbeitsklima sind sehr gut. Der Betrieb hat mich da, wo er konnte unterstützt, sowohl bei der beruflichen und privaten Entwicklung.“ Das bestätigt Elektrotechnikmeister Ralf Potrick: „Wir haben seinen Bildungsweg unterstützt. Um die schulischen Leistungen haben wir uns nie Sorgen müssen“.

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