Im Anschluss an die Ausführungen der Prozessverantwortlichen stellten einige Teilnehmende ihre Fragen. © Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe
Kirche in Ascheberg

Kirche: Ascheberg könnte bald zum Kreisdekanat Warendorf gehören

Das Kreisdekanat Coesfeld muss strukturell überarbeitet werden. Dafür sollen 5 neue, pastorale Räume entstehen. Und Ascheberg könnte bald zu Warendorf zugerechnet werden.

Das Bistum Münster möchte den pastoralen Raum für das Kreisdekanat Coesfeld anpassen. Das erklärte Weihbischof Dr. Stefan Zekorn gemeinsam mit Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp jüngst bei einem Treffen mit rund 100 hauptamtlichen und ehrenamtlichen Engagierten in Coesfeld. Demnach sollen die fünf künftigen pastoralen Räume so aussehen: Billerbeck-Havixbeck-Nottuln-Rosendahl, Coesfeld, Dülmen, Lüdinghausen-Nordkirchen-Olfen-Senden sowie Lünen-Selm-Werne. Ascheberg könnte künftig zu einem pastoralen Raum im Kreisdekanat Warendorf gehören.

Winterkamp: „Das sind ausdrücklich nur Vorschläge. In einem beteiligungsorientierten Prozess wollen wir von Ihnen hören, was Sie von diesen Vorschlägen halten“, wandte er sich an die Teilnehmenden. Auch viele inhaltliche Fragen, die damit verbunden sind, seien noch nicht geklärt. Die Beratungs- und Entscheidungsphase im Prozess solle bis April oder Mai 2023 abgeschlossen sein. „Pastorale Strukturen müssen so gestaltet sein, dass die Verkündigung der Frohen Botschaft in Zukunft unter deutlich veränderten Rahmenbedingungen weiter gut möglich sein wird“, so Zekorn.

Der Weihbischof machte zu Beginn im Gespräch mit Moderatorin Eva-Maria Jazdzejewski deutlich, dass die katholische Kirche sich den offensichtlichen Fragen stellen müsse: „Was bedeuten die massiven Veränderungsprozesse, die wir erleben, für uns? – Wie können christliche Gemeinschaft und kirchliches Leben unter den sich wandelnden Rahmenbedingungen dennoch wachsen? – Welche Gestalt von Kirche wird zukunftsfähig sein?“ Nicht nur solle die Kirche lebendig und missionarisch werden, auch müsse es Veränderungen in Sachen Spar- und Strategieprozess, Klimaschutzkonzept sowie die Modernisierung der Bistumsverwaltung geben.

Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp (v. l.), Kreisdechant Johannes Arntz, Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, Maria Bubenitschek, Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge in der Bistumsverwaltung, sowie Pastoralreferent Matthias Schlettert nahmen an der Auftaktveranstaltung im Kreisdekanat Coesfeld teil. © Bistum/Kiepe © Bistum/Kiepe

Generalvikar Winterkamp machte deutlich, dass es durch Bischof Dr. Felix Genn drei Vorgaben für den Prozess gebe: „Es wird keine weiteren, von Bischof Genn verordneten, Zusammenlegungen von Pfarreien geben. Das Verhältnis der Diözesanpriester im aktiven Dienst zu den Priestern der Weltkirche in unserem Bistum soll dauerhaft ein Verhältnis von zwei Drittel zu einem Drittel sein. Und es braucht mehr Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien sowie zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen.“

Laut Bistum werde die Katholikenzahl im Bistum bis 2040 von derzeit knapp 1,8 Millionen auf weniger als 1,4 Millionen zurückgehen. Sind es heute im Kreisdekanat Coesfeld noch rund 170.000 Katholiken, so werden es in zwanzig Jahren nur noch 119.000 sein. Im kirchlichen Leben, etwa bei den Gottesdienstbesuchen, Taufen oder Eheschließungen habe es in den vergangenen Jahren deutliche Rückgänge gegeben. Und die finanziellen Mittel, die dem Bistum insbesondere über Einnahmen aus der Kirchensteuer zur Verfügung stehen, werden in Zukunft spürbar geringer ausfallen.

Es gibt immer weniger seelsorgerisches Personal

„Besonders gravierend sind zudem die erwartenden Einbrüche beim seelsorglichen Personal: Gibt es derzeit noch rund 380 Diözesanpriester im aktiven Dienst, 165 Priester der Weltkirche, 600 Pastoralreferentinnen, Pastoralreferenten und Diakone im Hauptamt sowie 225 Diakone mit Zivilberuf, also insgesamt 1.370 Seelsorgerinnen und Seelsorger, wird diese Zahl bis 2040 auf 500 bis 550 zurückgehen“, so das Bistum. „Und bei den Menschen, die freiwillig in der Kirche aktiv sind, sehen wir eine deutliche Veränderung hin zu einem zeitlich befristeten, projektbezogenen, klar beschriebenen und nachhaltig sinnstiftenden Engagement“, sagte der Generalvikar. Allgemeine Megatrends verschärften die Notwendigkeit für Veränderungen. Und schließlich würden dazu auch innerkirchliche Missstände und Entwicklungen beitragen.

Die Pastoralen Räume werden nicht Pfarreien, Gemeinden, Einrichtungen oder Verbände ersetzen. Die Präsenz der pastoralen Arbeit in der Fläche soll so weit wie möglich gewährleistet bleiben. Zugleich wird die Seelsorge in größeren Einheiten gestaltet werden müssen. Durch größere Teams, weitere Zuständigkeiten des pastoralen Personals, mehr Teamarbeit und ein verstärktes Freiwilligenengagement. Ziel sei es, die Verantwortung für die Entwicklung der Pastoral vor Ort zu belassen. Bei der Identifizierung der pastoralen Räume werden in der Regel die Kreis- und Kommunalgrenzen ebenso berücksichtigt wie der Stand und die Entwicklung der Katholikenzahl, aber auch regionale Realitäten und Unterschiede.

Um im Prozess die Verbindung zwischen den Menschen vor Ort und der Bistumsebene sicherzustellen, gibt es für jedes Kreisdekanat ein Regional-Team. Dieses ist der erste Ansprechpartner für Fragen in der jeweiligen Region. Für das Kreisdekanat Coesfeld bilden Weihbischof Zekorn, die Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge in der Bistumsverwaltung, Maria Bubenitschek, und der Pastoralreferent Matthias Schlettert das Regionalteam.

In bistumsweit arbeitenden Prozessgruppen werden zudem zentrale Themen bearbeitet, bei denen es um die strategische Ausrichtung des Bistums in den nächsten Jahren geht: Von der Weiterentwicklung der Pastoralkonzepte, über Leitungsfragen und die Frage, um welche Rechtsfigur es sich beim pastoralen Raum handelt, bis hin zu Themen wie Freiwilligenengagement, Immobilienkonzepte oder Digitalisierung. Die Rollen- und Aufgabenklärung des pastoralen Personals wird ebenso erörtert werden wie die Frage, wie Seelsorge in Krankenhäusern, Schulen, caritativen und Bildungseinrichtungen künftig in den pastoralen Räumen gestaltet werden kann.

Wer Fragen und Anregungen zum Gesamtprozess hat, kann sich wenden an: strukturprozess@bistum-muenster.de. Fragen zum Prozess im Kreisdekanat Coesfeld können gerichtet werden an: strukturprozess-coe@bistum-muenster.de. Weitere Informationen zur Veranstaltung in Coesfeld und zum Gesamtprozess gibt es im Internet unter www.bistum-muenster.de/strukturprozess.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller