Kirche oder Bäume: Aufgrund des Sommerfrosts haben sich starke Risse in der Kirche St. Benedikt Herbern gebildet. Um die Kirche zu schützen, ist die Rodung von 14 Linden unumgänglich.

Herbern

, 20.02.2019, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdenklich blickt Pfarrer Stefan Schürmeyer auf die Bäume mit den dünnen Ästen, die längst ihr Grün verloren haben. Lediglich acht Linden, die vorne den Kirchplatz um St. Benedikt umranden, bleiben stehen. 14 andere Linden seitlich von den Sakristeien und dem Kirchenschiff müssen weichen. Sie werden am Montag, 25. Februar, gefällt.

Kirche in Gefahr

„Wenn wir eine andere Wahl hätten, dann würden wir sie retten“, sagt Pfarrer Schürmeyer. Aber die Rodung der Pflanzen, die schon jahrzehntelang an der Kirche stehen, ist unumgänglich. Kirche oder Bäume – vor dieser Entscheidung standen die Verantwortlichen der Katholischen Kirchengemeinde.

Auch ein Gutachter war in seiner Empfehlung sehr deutlich: Ohne die Rodung der Bäume sei die denkmalgeschützte Kirche mittelfristig gefährdet. Eine Gefährdung der Kirchenbesucher besteht aktuell allerdings nicht, versichert Pfarrer Schürmeyer.

Zum Schutz der Kirche: Fast alle Bäume rund um St. Benedikt Herbern müssen gefällt werden

Schäden gibt es auch innerhalb des Kirchenschiffes an den Decken und am Taufbecken. Am Taufbecken ist ein Rissmonitor angebracht, der eine mögliche Veränderung zeigt. Die Verantwortlichen hoffen, dass sich die Risse nicht weiter verstärken, wenn die Bäume rund um die Kirche gefällt worden sind. © Andrea Wellerdiek

Regelmäßig in Bewegung

Die Linden müssen verschwinden, weil ihre Wurzeln im Boden unterhalb der Kirche für Bewegung und damit für starke Rissbildung im Gotteshaus gesorgt haben. Aufgrund der heißen Temperaturen im vergangenen Sommer wurde den Pflanzen viel Wasser entzogen. Dadurch verändert der Boden seine Dichte und es kommt zum sogenannten Sommerfrost.

Im Winter floss das Wasser durch den Mergelboden in die Hohlräume zurück, sodass es zu einer regelmäßigen Bewegung unter dem Gebäude kam. „Wir hoffen, dass die Bewegung im Boden gestoppt wird, wenn die Bäume gefällt sind“, sagt Schürmeyer.

Zum Schutz der Kirche: Fast alle Bäume rund um St. Benedikt Herbern müssen gefällt werden

Auch innerhalb der Sakristei sind die Schäden über einer Heizung deutlich zu erkennen. © Andrea Wellerdiek

Neue Bäume sollen Tiefwurzler sein

Nachdem die Linden in der kommenden Woche gefällt sind, beobachten Techniker mithilfe von Rissmonitoren, ob sich an den beschädigten Stellen etwas ändert. Im Herbst soll das Gotteshaus, das an mehreren Stellen mit Rissen beschädigt ist, saniert werden. Dann sollen auch neue Bäume rund um St. Benedikt gepflanzt werden.

Anstelle von Linden sollen dort dann künftig Tiefwurzler, also Bäume, die ihre Wurzeln lang und gerade in den Boden treiben, stehen. Die Verantwortlichen der Kirchengemeinde haben die Anwohner über die Rodungsarbeiten, die wohl innerhalb eines Tages abgeschlossen sind, informiert.

Bereits seit knapp eineinhalb Jahren sind aufgrund des Alters des Gebäudes schon Risse an St. Benedikt zu sehen. Durch den jüngsten Sommerfrost im vergangenen Jahr haben sich diese arg verstärkt, sodass nun gehandelt werden muss, um langfristige Schäden zu vermeiden.

Zum Schutz der Kirche: Fast alle Bäume rund um St. Benedikt Herbern müssen gefällt werden

Pfarrer Stefan Schürmeyer zeigt anhand von Bildern, dass sich die Risse innerhalb eines Jahres arg verstärkt haben. © Andrea Wellerdiek

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