Pedelecfahrer kommt Anfang Juli in Herbern ums Leben – jetzt kontrolliert die Hundertschaft

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Sie sind sonst bei Bundesligaspielen im Einsatz. Nun kontrollieren Beamte der Hundertschaft Münster Rad- und Pedelecfahrer im Kreis. Anfang Juli starb ein Senior nach einem Unfall in Herbern.

Herbern, Ascheberg, Kreis Coesfeld

, 26.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Sie sind sonst bei Bundesligaspielen im Einsatz. Nun kontrollieren Beamte der Hundertschaft Münster auch auf den Straßen des Kreises Coesfeld. Der Grund: zu viele Verkehrsunfälle, in die Fahrrad- und Pedelecfahrer verwickelt sind.

Erst Anfang Juli starb ein 78-jähriger Pedelecfahrer aus Ascheberg auf der Merschstraße in Herbern. Er war mit einer offen stehenden Autotür kollidiert. In der aktuellen Unfallstatistik des Kreises Coesfeld ist diese Tragödie noch nicht erfasst – wohl aber zwei weitere tödliche Unfälle, die sich im vergangenen Jahr im Kreis ereigneten.

Tödliche Unfälle in Lüdinghausen und Nottuln

Am 12. März 2018 starb ein 65-jähriger Fahrradfahrer in Lüdinghausen. Er war von einem Lieferwagen erfasst und tödlich verletzt worden. Am 16. September 2018 kollidierte ein Rennradfahrer aus Münster in Nottuln mit einem Motorrad. Auch er überlebte den Unfall nicht. Insgesamt waren 2018 im Kreis Coesfeld 358 Rad- oder Pedelecfahrer in exakt 300 Unfälle verwickelt. Für die Polizei ist diese Zahl entschieden zu hoch.

„Der Spruch ist alt, aber er ist wahr: Radfahrer haben keine Knautschzone“, sagt Bjoern Korte, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Coesfeld. Generell beobachte man, dass die Unfallzahlen im Kreis sehr hoch sind. „Natürlich auch, weil immer mehr Rad- und Pedelecfahrer auf den Straßen unterwegs sind“, so Korte.

Pedelecfahrer kommt Anfang Juli in Herbern ums Leben – jetzt kontrolliert die Hundertschaft

Ein Radfahrer ist Anfang Juli auf der Merschstraße in Herbern lebensgefährlich am Kopf verletzt worden. Er starb kurze Zeit später im Krankenhaus. © Mario Bartlewski (A)

Auch die Beamten der Hundertschaft, die nach Angaben der Polizei in den kommenden Wochen in Zweierteams unterwegs sein werden, nutzen das Zweirad – eine Fahrradstreife sozusagen, die Verstöße in den kreisangehörigen Städten und Gemeinden konsequent ahnden wird.

„Die Beamten haben in der Fahrradhauptstadt Münster gute Erfahrungen mit Fahrradstreifen gemacht“, teilt die Polizei mit. Diese Erfahrungen will man nutzen – die Kooperation ist die erste dieser Art im Kreis Coesfeld.

Neuralgische Punkte

Geahndet werden sowohl Verstöße von Radfahrern als auch gegenüber Radfahrern. Wer auf dem Drahtesel oder dem immer beliebter werdenden E-Bike mit dem Handy am Ohr erwischt wird, muss 55 Euro Bußgeld zahlen. Das Fahren als Geisterradler in falscher Richtung auf einem Radweg kostet 20 Euro.

In die Pedale treten, um einer Strafe zu entgehen, lohnt übrigens nicht: „Die Kollegen sind gut trainiert“, sagt Bjoern Korte – keine Chance also. Abhauen lohnt nicht.

„Die Kollegen waren bereits in Coesfeld unterwegs, um neuralgische Punkte auszumachen“, sagt Korte. An welchen Tagen die Fahrradstreife in Herbern oder Ascheberg unterwegs sein wird, verrät der Polizeisprecher nicht. Abwarten – und vorsichtig fahren.

  • 358 Rad- und Pedelecfahrer waren 2018 im Kreis Coesfeld in exakt 300 Unfälle verwickelt.
  • Die Statistik des vergangenen Jahres erfasst zwei getötete Radfahrer; 69 Personen wurden schwer verletzt, darunter auch sieben Kinder.
  • 35 Mal war nach Angaben der Polizei die falsche Benutzung der Straße der Grund für den Unfall, 22 Mal ein Fehler beim Abbiegen.
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