Kooperiert die Profilschule mit Nordkirchen?

Mit der Schlaun-Gesamtschule

Werden die Profilschule Ascheberg und die Schlaun-Gesamtschule Nordkirchen ab 2020 kooperieren? Oder wird sie als selbstständige Sekundarschule fortgeführt? Noch ist nicht entschieden, wie ihre Zukunft aussieht. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

ASCHEBERG/NORDKIRCHEN

, 16.06.2016, 15:53 Uhr / Lesedauer: 4 min
Kooperiert die Profilschule mit Nordkirchen?

Könnten in vier Jahren kooperieren: Die Johann-Conrad-Schlaun-Gesamtschule in Nordkirchen (l.) und die Profilschule Ascheberg.

Noch immer ist die Zukunft der Profilschule Ascheberg ungewiss. Auch nach der Sitzung des Ascheberger Schul- und Kulturausschuss am Dienstag, 14. Juni, ist nicht klar, wie es nach 2020 weitergehen soll.

Die Kommunalpolitiker stimmten einstimmig für eine "ergebnisoffene Prüfung". Das bedeutet, dass beide Möglichkeiten - als Partnerin der Gesamtschule Nordkirchen oder als eigenständige Sekundarschule - genau überprüft werden sollen. Erst dann wollen die Politiker eine endgültige Entscheidung treffen.

Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema zusammengestellt:

Warum kann die Schule nach 2020 nicht wie bisher weitergeführt werden? Die Profilschule Ascheberg ist 2011 im Rahmen eines Schulversuchs gestartet. Diese Schulversuchphase läuft zum Schuljahr 2020/21 aus. Eine Verlängerung ist nicht möglich. „Hierzu müsste man das Schulgesetz ändern. Diese Option sehen wir momentan nicht“, sagt ein Sprecher des Schulministeriums. 

Beruhigend für Eltern und Schüler: Wer bis 2020 als Profilschüler angefangen hat, steht nicht mit leeren Händen da, sondern wird den Abschluss in jedem Fall machen können: „Wir machen die Schule dann ja nicht von heute auf morgen dicht. Es würde nur keine Neuaufnahmen mehr geben.“ 

Kann die Schule zur regulären Sekundarschule werden? Die Profilschule als reguläre Sekundarschule weiterzuführen, ist eine der beiden Möglichkeiten für die Zukunft. Dafür müssten sich mindestens 75 Viertklässler neu anmelden. Obwohl die Schule für ihr Konzept der individuellen Förderung immer wieder gelobt wird, ist sie bei vielen Eltern von Viertklässlern derzeit nicht die erste Wahl.

Bei einer Elternbefragung mit 550 Teilnehmern landete die Profilschule beim Schulwunsch lediglich auf Rang drei. Außerdem muss die Profilschule auch den Demographischen Wandel mit einplanen, die Schülerzahlen werden voraussichtlich sinken.

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Was bedeutet eine Kooperation mit der Nordkirchener Gesamtschule? Wenn die Profilschule und die Nordkirchener Johann-Conrad-Schlaun-Gesamtschule Partner werden, bleibt der Schulstandort Ascheberg erhalten. Die Kooperation ist keine Fusion im engeren Sinne, allerdings gibt die Profilschule ihre Eigenständigkeit auf. Bei einer Kooperation muss vieles abgestimmt werden, dabei geht es zum Beispiel um Raumfragen, Finanzierung, das pädagogische Konzept und viele weitere Aspekte.

Was sind die Vorteile einer Kooperation für die Schulen? Eine Kooperation der beiden Schulen sei für beide ein glücklicher Zufall, meint Dietmar Bergmann, Bürgermeister von Nordkirchen, "es wäre eine langfristige Bestandssicherung". Zwar seien die Anmeldezahlen an der Gesamtschule Nordkirchen sehr positiv, aber man müsse auch an die nächsten Jahre denken.

Beide Schulen könnten sich durch eine Kooperation breiter aufstellen. Vor allem die Oberstufe könnte durch ein größeres Fächerspektrum und mehr Leistungskurse profitieren, sagt auch Mechthild Kammert, Fachbereichsleiterin Familie und Soziales in Nordkirchen. Busverbindungen von Ascheberg zur Gesamtschule seien bereits vorhanden, sagt Bergmann. Viele Schüler aus Ascheberg besuchten schon jetzt die Gesamtschule in Nordkirchen.

Was sind Bedenken gegenüber eine Kooperation? Ulrich Vomhof, Leiter der Nordkirchener Gesamtschule, ist von einer möglichen Kooperation nicht begeistert. Man habe noch einen deutlichen Anmeldeüberhang. Das zeige, die Eltern seien vom Konzept der Gesamtschule überzeugt. Er habe die Sorge, dass seine Schule bei einer Kooperation Teile des Konzepts der Profilschule übernehmen müsse. „Ich sage Ja zu ergebnisoffenen Gesprächen. Bitte unterstützen Sie uns aber, dass wir unser erfolgreiches Konzept im Kern erhalten“, so der Appell des Schulleiters an Politik und Verwaltung.

Was sind die nächsten Schritte? Schon vor den großen Ferien will die Gemeinde Ascheberg die Eltern der jetzigen Viertklässler befragen, wie Schulamtsleiter Alexander Ruhe sagte: sowohl die Eltern der 60 Kinder, die zum neuen Schuljahr an die Profilschule wechseln, als auch die der 68 Kinder, die eine andere Schule – zumeist ein Gymnasium – besuchen werden. „Schließlich wollen wir wissen, was ihnen wichtig ist, um das auch in die Gespräche einzubringen.“ Nach den Ferien beginnt die Ist-Analyse an der Profilschule – mit Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Schülern. Im September und Oktober werden sich die Arbeitsgruppen aus Ascheberg und Nordkirchen treffen. Parallel dazu sucht ein neues Gremium aus Eltern, Lehrern und Verwaltung nach Maßnahmen zur Stärkung der Profilschule. Ein erstes Treffen gab es schon.

Wann ist mit einem Ergebnis zu rechnen? „Das weiß ich nicht, und da werde ich auch keine Vermutung abgeben“, so Schulamtsleiter Alexander Ruhe. Die Leitung der Gespräche, an denen auch die Schulaufsichtsbehörde beteiligt sei, habe ein externer Moderator übernommen, der pädagogisch geschult sei. Dem wolle er nicht vorgreifen. „Wir wollen keinen Zeitdruck“, sagte Maria Schulte-Loh (CDU - Ascheberg). Allerdings: „Wenn wir jetzt nicht wollen, würde sich Nordkirchen nach einem anderen Partner umsehen.“ Noch sei Ascheberg ein „Wunschpartner auf Augenhöhe“. Das könne sich aber bei zu langem Zögernder Profilschule ändern.

Was ist der Gemeinde Ascheberg wichtig? „Wir bewegen uns zwischen zwei Leitplanken, die für uns entscheidend sind“, brachte es Johannes Waldmann (SPD - Ascheberg) auf den Punkt: Auf der einen Seite die Forderung, eine weiterführende Schule am Ort zu behalten, auf der anderen Seite der Wunsch nach einer Schulform, die möglichst lange gemeinsames Lernen ohne Aufteilung in verschiedene Schulformen ermöglicht. „Das hatten wir beides 2011 mit der Eröffnung unserer Profilschule ermöglicht. Dass es sich dabei aber um einen endlichen Schulversuch handelte, wussten wir.“

 

Hat die Gemeinde als Schulträgerin eine Vorliebe für die eine oder andere Perspektive? „Nein, wir haben klar gesagt, dass wie sowohl die Schule vor Ort unterstützen wollen als auch in die Gespräche mit Nordkirchen einsteigen“, so Schulamtsleiter Ruhe. Diese „Parallelplanung“ teilten auch die die meisten Politiker.

Gab es auch Widerspruch? Widerspruch ja, aber keine Nein-Stimme. Ulrike Schlottbohm, die als sachkundige Bürgerin für die UWG Ascheberg im Ausschuss sitzt, machte deutlich, „Bauchschmerzen“ damit zu haben, schon jetzt die Gespräche zu beginnen. „Wir sollten vorher klären, was uns an der Profilschule wichtig ist, bevor wir die Gespräche mit Nordkirchen beginnen.“ Schulamtsleiter Alexander Ruhe machte deutlich, dass das die Absicht sei. Allerdings müsse der Prozess jetzt schon gestartet werden. Schlottbohm behielt ihre Vorbehalte und enthielt sich.

Was würde passieren, wenn nichts aus der Kooperation mit Nordkirchen würde – warum auch immer? Wenn sich Ascheberg entscheidet, die Profilschule als eigenständige Sekundarschule weiterzuführen, wäre der Erfolgsdruck groß. Beim Wechsel von der Grundschule auf die weiterführende Schule bräuchte die Sekundarschule eine Übergangsquote „von deutlich über 50 Prozent, besser 60 Prozent“, so Schulamtsleiter Alexander Ruhe. Ansonsten wäre es kaum möglich, über 2020/21 hinaus die Schule zu erhalten. Zum Vergleich: In diesem und im Vorjahr lag die Bindungsquote bei etwas unter 50 Prozent.

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