Viel mehr als nur Kirche aufschließen: Was macht eigentlich Küster Uwe-Reiner Bochmann?

rnHerberner Küster

Böse Zungen behaupten schon mal: Och, der hat doch einen ziemlich lauen Job. Mit „der“ ist Uwe-Reiner Bochmann (53) gemeint. Er ist Küster in der Kirchengemeinde St. Lambertus.

Herbern

, 06.02.2019, 10:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Böse Zungen behaupten schon mal: „Och, der hat doch einen ziemlich lauen Job. Außer Kirche aufschließen und ein bisschen Orgel spielen macht der doch nix.“ Mit „der“ ist in diesem Fall Uwe-Reiner Bochmann (53) gemeint – und der „laue Job“ bezieht sich auf den Beruf des Küsters in der katholischen Kirchengemeinde St. Lambertus Ascheberg.

„Da steh’ ich drüber“, sagt der gelernte Orgelbauer, der mit seiner Familie direkt vis à vis zu seiner Hauptarbeitsstätte, der Kirche St. Benedikt , wohnt. Seine offizielle Arbeitszeit beträgt von dienstags bis sonntags 6,5 Stunden pro Tag. Hier sorgen allerdings Taufen, Hochzeiten sowie Beerdigungen immer mal wieder für einige Überstunden.

Von Laer nach Herbern

Während seines beruflichen Werdegangs machte der Organist eine berufsbegleitende Sakristan-Ausbildung. Nachdem er von 1999 bis 2002 als Küster, Organist und Chorleiter in Laer im Kreis Steinfurt tätig war, wechselte er 2002 nach Herbern und widmet sich seitdem dem Unterhalt und der Pflege der Kirche St. Benedikt.

„Momentan machen uns die Risse in der Gewölbedecke wieder zu schaffen.“
Uwe-Reiner Bochmann, Küster

Zu seinen Tätigkeiten gehören neben dem sogenannten Schließdienst vielerlei kleine Dinge, die dem Kirchgänger nicht unbedingt auffallen. Die Kerzen für die Besucher müssen an den Ständern immer gut aufgefüllt sein, der Blumenschmuck muss gehegt und gepflegt, der Fenstersims vom Staub befreit werden.

„Es ist wichtig, dass in der Kirche alles ordentlich ist. Man muss auch mal nach dem Heizöl schauen oder in den Glockenturm aufsteigen, wenn plötzlich während des Angelus Geläutes Zwischentöne vernehmbar sind, die dort eigentlich nicht hingehören.“

Dreimal in der Woche übernimmt Uwe-Reiner Bochmann einen zusätzlichen Dienst in Ascheberg sowie einmal wöchentlich in Davensberg. Hinzu kommt das wöchentliche Proben, einmal mit dem Kirchenchor und einmal mit dem Gospelchor „Sound of Joy“.

Sind noch Hostien da?

In der Sakristei legt der Küster die für die jeweilige Messe benötigten Gewänder für die Pater und Pfarrer zurecht. Etwa fünf verschiedene Kleidungsstücke werden hier benötigt.

Ist genügend Wein da? Sind noch Hostien vorhanden? Sind die Weihrauchgefäße sauber und ordentlich? Ebenso wie diese Dinge, überprüft der Küster regelmäßig die Gewänder auf eventuelle Verschmutzungen oder Beschädigungen.

Pilgerin aus Neuseeland in Erinnerung geblieben

Ganz hinten in der Ecke von St. Benedikt, ein wenig versteckt, liegt die Stempelstelle für die Jakobspilger, zu der auch ein Gästebuch gehört. „Hier habe ich schon sehr viele nette Menschen kennenlernen dürfen“, so Bochmann.

„Am meisten beeindruckt hat mich oftmals, mit wie wenig Gepäck die Pilger auskommen. Im Gedächtnis geblieben ist mir unter anderen eine Neuseeländerin, die in Trondheim in Norwegen gestartet ist und an ihrem 42. Tag bei uns Station gemacht hat. Als kleines Dankeschön für die Übernachtung im Pfarrheim hat sie uns morgens ein neuseeländisches Lied gesungen, bevor sie sich in Richtung Santiago de Compostela aufgemacht hat.“

Viel mehr als nur Kirche aufschließen: Was macht eigentlich Küster Uwe-Reiner Bochmann?

Gemeinsam mit Paul Döpper (r.), Chef des Malerbetriebes Döpper aus Lüdinghausen, begutachtete Uwe-Reiner Bochmann jüngst die Risse in der Gewölbedecke von St. Benedikt. © Claudia Hurek

Für Jugendliche, für die die Kirche als Wärmestelle zum Rauchen oder zum Essen dient, habe der Vater von vier Kindern übrigens kein Verständnis. Er reagiere bestimmt und etwas lauter als sonst, wenn er die Übeltäter erwischt. „Manchmal weiß ich nicht, was in deren Köpfen so vorgeht.“

„Momentan machen uns die Risse in der Gewölbedecke wieder zu schaffen“, sagt Bochmann – und erzählt dann noch: So richtig gut gehe es ihm, wenn er dann und wann, ganz für sich in der leeren Kirche, am späten Abend die Orgel spielt. Natürlich ganz, ganz leise.

Risse in St. Benedikt:
  • Uwe-Reiner Bochmann hat die Risse in St. Benedikt gemeinsam mit Handwerker Paul Döpper aus Lüdinghausen in Augenschein genommen, um anschließend das weitere Vorgehen mit ihm zu besprechen.
  • Ob diese vermehrte Rissbildung, die seit rund zwei Jahren an und in der Kirche auftritt, an den Linden liegt, die seit Jahrzehnten rund um den Kirchplatz wachsen, ist noch ungewiss.
  • Mit sogenannten Rissmonitoren werden diese Risse und deren Veränderungen zunächst weiter beobachtet. Eine Gefahr für die Kirchenbesucher bestehe nicht.
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